Mensch Gauck!

Pastor, Präsident, Freiheitssucher

Dokumentation | ZDFzeit - Mensch Gauck!

Die große Mehrheit der Deutschen ist laut Umfragen überzeugt, dass Joachim Gauck als Bundespräsident einen guten Job gemacht hat. ZDFzeit bietet exklusive Einblicke in sein Leben.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.03.2018, 20:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Vom Pastor zum Präsidenten

Joachim Gaucks Kariere verlief steil - aber selten geradlinig. Vom wortgewaltigen Pastor aus der DDR zum Präsidenten eines geeinten Deutschlands: Seine Geschichte hat ihn zutiefst geprägt - und spiegelt sich auch in seiner Amtsführung wider.

Am 18. März 2017 endet die Präsidentschaft von Joachim Gauck. Dann tritt einer der ungewöhnlichsten Präsidenten der Bundesrepublik ab: kein Berufspolitiker, sondern ein Pastor, der 1990 in die frei gewählte DDR-Volkskammer einzog und nach der Einheit als Beauftragter für die Stasi-Unterlagen Millionen von Akten für die Bürger zugänglich machte.

„Freiheit“ ist sein Lebensthema. Nach ihr hat er sich in der DDR gesehnt und für sie hat er zur Wendezeit gekämpft. Diese Wochen und Monate bedeuten ihm viel - sogar mehr als seine Zeit im Schloss Bellevue. „Diese Tage werden immer die größten in meinem Leben sein. Die glanzvollen Empfänge hier im Schloss Bellevue sind auch schön. Aber dieses Unwiederholbare und Einmalige - das war damals“, vertraut er im Interview ZDFzeit an.

Das Interview zum Film

Exklusiv

Dokumentation | ZDFzeit - Mensch Gauck! Das Interview

Joachim Gauck über sich, sein Leben und seine Präsidentschaft.

Beitragslänge:
24 min
Datum:

Kopf und Herz

Sozialismus und Kommunismus sind Gauck von Kindheitstagen an suspekt. Er geht nicht zu den Jungen Pionieren und tritt auch nicht der FDJ bei - vor allem wegen eines Erlebnisses, das ihn zutiefst prägte: 1951 wird sein Vater völlig überraschend verhaftet. Lange weiß die Familie nicht, wo der verurteilte „Spion“ ist und ob er überhaupt noch lebt. Seit diesen Tagen ist die DDR für Joachim Gauck ein Unrechtsstaat - eine Erfahrung, die ihn später auch antreibt, Pastor zu werden.

Dass seine beiden Söhne Mitte der 80er Jahre Ausreiseanträge stellen und in den Westen gehen, führt zu einer tiefen Krise in der Familie. Gauck ist überzeugt, dass sie sich alle gemeinsam in der DDR für Veränderungen einsetzen müssten. Der Abschied von den Kindern ist kühl - später bereut der Vater das. In der ZDF-Dokumentation erzählt Joachim Gauck: „Da sind viele späte Tränen geflossen, die ich mir damals in der Abschiedssituation verboten habe.“

Auch diese Erfahrung hat Gauck geprägt - er gilt als besonders warmherziger Präsident, der seine Gefühle zeigt, Menschen innig umarmt und auch vor Tränen in der Öffentlichkeit nicht zurückschreckt. Glaubhaft setzt er sich für Versöhnung ein - vor allem mit den Ländern, die im Zweiten Weltkrieg besonders unter Deutschland gelitten haben. Daniela Schadt erklärt die Emotionalität ihres Lebensgefährten so: „Es gibt eine ganz besondere, schnelle Verbindung zwischen Kopf und Herz bei diesem Menschen.“

Sein Leben in Bildern

Ein unbequemer Präsident

Zu Beginn der Präsidentschaft wurden die „Lebensverhältnisse“ des Paares republikweit diskutiert: Gauck ist mit seiner ersten Frau immer noch verheiratet, lebt aber seit Jahren mit seiner Partnerin Daniela Schadt zusammen. Eine solche Konstellation hatte es in Deutschland noch nie gegeben. In der Dokumentation räumt Gauck nun ein: „20 Jahre früher, vielleicht auch zehn Jahre früher, wäre diese Art noch nicht gegangen - dass der Präsident nicht ordentlich verheiratet ist. Ich hab' mich selber gewundert, dass es geht.“

In seiner Amtszeit eckt Gauck immer wieder an: Für die einen mischt er sich zu viel in das politische Alltagsgeschäft ein - für die anderen vernachlässigt er wichtige Themen. Als er für eine stärkere Rolle der Bundeswehr plädiert, wird der Präsident von Linken zum „Kriegstreiber“ erklärt. Als er sich für Flüchtlinge starkmacht, wird er von Rechten als „Volksverräter“ beschimpft.

Die ZDF-Dokumentation begleitet den Bundespräsidenten in den letzten Monaten seiner Amtszeit. Dabei gestattet Joachim Gauck exklusive Einblicke in seinen ungewöhnlichen Alltag als Staatsoberhaupt und in sein Privatleben.

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