Armes, reiches Amerika

Auf der Park Avenue durch New York

In der ZDFzoom-Dokumentation "Armes reiches Amerika – auf der Park Avenue durch New York" zeigen die USA-Korrespondenten Klaus Prömpers und Christoph Röckerath wie zerrissen das Land ist. Vor der Präsidentschaftswahl ist Amerika so gespalten wie selten zu vor. Es geht um nichts Geringeres, als das Selbstverständnis der Weltmacht, die sich selbst immer mehr des eigenen Abstiegs bewusst wird. Vom Hinterhof im Ghetto der Bronx über die Boxclubs Harlems bis in die Belle Etage der Superreichen in Manhattan wird all dies sichtbar. Entlang nur einer, langen Straße: Der Park Avenue, New York.

Jeder Muskel ist gespannt, wenn sich José mit nacktem Oberkörper immer wieder an der Ampel hochzieht – an der Ecke Park Avenue und 180. Straße, im Herzen der Bronx von New York. Keine gute Gegend ist das. Und auch José wirkt mit seinem stechenden Blick, den Tattoos am ganzen Körper und der verbissenen Kraftdemonstration alles andere als vertrauenerweckend. Doch dann lächelt er breit, zeigt seine Zahnlücke und wirkt wie ein kleiner Junge. Obwohl er viele Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht hat, ist er glücklich. Gurken haben sein Leben gerettet. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, meldet sich er, der kein Gangster mehr sein will, an der Pforte von United Pickles auf der Park Avenue.

Die alte Gurkenfabrik befindet sich seit drei Generationen in Familienhand. Jeder kennt das massive Backsteingebäude mit den zugemauerten Fenstern, das stets den Geruch von Essig ausdünstet, so dass auch auf der Straße die Augen tränen. Chef Stephen Leibowitz gab José eine Chance. Seitdem ist er jeden Morgen der Erste und abends der Letzte. "Mir hat noch nie jemand das Gefühl gegeben, dass ich etwas Sinnvolles tun kann", sagt José, "bis jetzt, in der Gurkenfabrik." José hat gerade eine Familie gegründet und lebt, wie er selber sagt, "endlich" den Amerikanischen Traum: Seinen Kindern wird es besser gehen, als ihm, da ist er sicher.

Gleiche Straße, andere Welt

Am Horizont, hinter Hochbahn und Brücken, flimmern die Bürotürme Manhattans. Gleiche Straße, andere Welt. 150 Blocks weiter südlich steht das New York, das jeder kennt. Glas, Stahl, Beton. Manhattan wächst immer weiter in die Höhe. Je höher die kalten Fassaden, desto höher die Einkommen. Von unten nach oben – die Architektur entlang der Park Avenue spiegelt die wirtschaftliche Realität.

"Die Hausnummer entscheidet über die Zukunftschancen Deiner Kinder", sagen hier im Süden der Park Avenue viele. Sie sind es, die ihre Träume längst verwirklicht haben. Und nun, im Zeichen der Wirtschaftskrise, um diese fürchten. Einer von ihnen ist Malcom Elvey. Vor mehr als dreißig Jahren zog er von Südafrika nach New York, um sein Glück zu versuchen. Er baute ein Transportunternehmen auf. Heute wohnt er in der Park Avenue, umgeben von Originalbildern von Picasso und Juan Miro. Er hat den sozialen Aufstieg geschafft und er ist überzeugt, dass das auch heute noch möglich ist. Allerdings gibt er zu, „heute müssen die jungen Leute härter dafür arbeiten“. Und auch er und seine wohlhabenden Freunde fühlen sich nicht mehr ganz so sicher. Dort, wo er verwirklicht wurde, erlebt der Amerikanische Traum eine Krise.

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