Blutige Schätze

Illegaler Antikenhandel in Deutschland

Römische Büsten, ägyptische Statuen, griechische Vasen, babylonische Münzen und gotische Waffen – zehntausende Sammler in aller Welt jagen nach den Schätzen vorchristlicher Kulturen, fasziniert von der Idee, ein echtes Stück Vergangenheit ihr Eigen zu wissen. Auch als Statussymbol und Geldanlage taugen die bis zu mehrere tausend Jahre alten Kunstgegenstände. Doch fast überall auf der Welt ist die Ausfuhr historischer Stücke verboten.

Dennoch werden Jahr für Jahr Tausende neue und gänzlich unbekannte Antiken auf den Markt gespült. Es gilt die Unschuldsvermutung: Niemand muss die Legalität seines Eigentums beweisen. Dennoch ist nur schwer vorstellbar, dass all diese Objekte legal nach Deutschland gekommen sein sollen.

Über ein Jahr recherchierte ein ZDF-Autorenteam bei Polizeifahndern, Kunstliebhabern, ehemaligen Schmugglern und aktiven Händlern. Das Ergebnis: Viele Branchenvertreter scheren sich nicht um die Herkunft ihrer Ware, sogar dann nicht, wenn sie aus dem Dunstkreis radikal-islamischer Rebellen stammt.

Michel van Rijn, der einst als Kunsthändler Polizei wie Kollegen narrte, später als Informant von Interpol und Scottland Yard diente und in der Branche einen legendären Ruf besitzt, sagt: "Eine Menge des Geldes aus Antiquitäten geht zu Personen, die keine guten Absichten haben und die dem Terrorismus nahe stehen." Für den Niederländer van Rijn ist der Handel mit geraubter Antikkunst ein "schlimmes Verbrechen". Polizeiermittler Axel Poels ergänzt: "Wenn man weiß, dass einige der Artefakte von den Taliban verkauft werden, um ihren Krieg zu finanzieren, dann kann man natürlich auch sagen, dass ein bisschen Blut an gestohlenen Artefakten klebt."

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