„Wir sind Profis“

Ein Cannabis-Dealer erzählt

Der Anbau und der Vertrieb von Cannabis ist in Deutschland strafbar und wird mit einer mehrjährigen Haftstrafe bestraft. Peter (Name von der Redaktion geändert) gehört zu einem losen Verbund von Dealern und Anbauern in und um Hamburg. Er betreibt mehrere Cannabisanbau-Zelte in verschiedenen Wohnungen. Einige Zelte werden zusammen verwaltet, bei anderen arbeitet er auf eigene Rechnung. Für ZDFzoom packt er aus und erzählt von dem Dealernetzwerk und seinem fragwürdigen „Geschäftsmodel“, bei dem er letztlich das größte Risiko auf andere abwälzt.

ZDFzoom: Wie kommt man dazu mit Marihuana zu dealen?

Peter: Naja, die Frage klingt schon so negativ. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich stand nicht irgendwann mal da und dachte mir: "Mein Berufsziel ist Dealer." Das wäre ja bullshit… Es war eher so, ich habe schon früher nie wirklich gerne getrunken und fand das Kiffen irgendwie angenehmer. So, und weil ich irgendwie öfter als meine Freunde Hasch oder Grass dabei hatte und die immer mitrauchen wollten, habe ich irgendwann damit angefangen, ihnen etwas davon zu verkaufen. Das war auf Dauer zu teuer für mich. Erst war das auch nur ein Gramm hier und dann mal drei Gramm dort. Später dann konnte ich mir mal 20 Gramm leisten. Das war damals eine riesige Menge. Inzwischen verticke ich 1-2 Kilo pro Woche.

ZDFzoom: Wo bekommt man das her? Schließlich ist es illegal, damit Handel zu betreiben?

Peter: Früher haben wir das sehr umständlich aus Holland importiert. Sehr sicher, aber auch extrem umständlich. Mit der Zeit wurde das bei den Mengen, die wir brauchen, zu aufwendig und zu teuer und haben dann angefangen selber anzubauen. Ich hatte erst eine kleine Abstellkammer, wo ich rumprobiert habe.

ZDFzoom: Wie viel Geld kann man denn damit verdienen?

Peter: Na das können Sie sich ausrechnen, aber es bleibt schon was über. Bei einem Kilo Grass bekomme ich 4500 bis 6000 Euro. Das geht bei uns ein oder zweimal in der Woche. Das sind rund 20.000 Euro im Monat. Allerdings haben wir auch sehr hohe Ausgaben. Egal ob die Ernte gut ausfällt oder nicht.

ZDFzoom: Haben Sie denn gar keine Angst erwischt zu werden?

Peter: Nein, gar nicht. Wir haben das sehr gut ausgetüfftelt und viele Jahre Erfahrung. Ich glaube nicht, dass die Polizei doof wäre oder es nicht könnte, wenn sie wollten, aber im Augenblick, haben sie fast keine Chance, uns auf die Schliche zu kommen. Wir sind keine Amateure mehr. Wir sind Profis. Wir machen das seit Jahren. Wir wissen, wie das läuft.

ZDFzoom: Wie läuft es denn? Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodel?

Peter: Eigentlich ist’s sehr einfach, dass macht es so genial. Wir mieten ein WG-Zimmer, Garage, Abstellkammer, Lagerraum oder so an. Meistens bei Leuten, die keine Kohle oder Schulden haben. Oft auch am Arsch der Heide. Und bei denen stellen wir ein oder zwei kleine Zelte auf. Pro Zelt 16 Pflanzen. Davon kommen in der Regel 9 bis 10 durch, das sind rund circa 500 Gramm pro Zelt. Bei zwei Zelten pro Ort sind das, sagen wir 1 Kilogramm für, sagen wir, 5000 Euro in rund 60 Tagen. Für das WG-Zimmer oder die Abstellkammer von 1,2m x 1,2m zahle ich 1000 bis 1500 Euro. Ein ordentlicher Quadratmeterpreis, nicht? So und manchmal noch was so zwischendurch auf die Hand... Dafür hält er seine Schnauze oder bekommt auf die Schnauze. Selbst wenn er anfängt zu reden… es ist seine Wohnung und wenn er behauptet, ich sei der Drahtzieher, ist das nur eine Schutzbehauptung von ihm. Schließlich gibt es ja keinen schriftlichen Vertrag. Seine Wohnung, seine Verantwortung. Wenn er klug ist und dicht hält, dann kann er sich rausreden, indem er sagt, dass er nicht wusste, wer da wohnt und was da lief. Es gibt im Idealfall niemanden, der belangt werden kann. Und wenn, dann kümmern wir uns um ihn, bezahlen Anwälte.

Jetzt haben wir gerade an 8 verschiedenen Stellen, wo 1-2 Zelte stehen. Von  13-14 möglichen Orten. Wir wechseln auch immer wieder Orte, lassen sie für eine Weile ruhen, damit’s nicht zu auffällig wird, aber die Miete zahlen wir trotzdem. Wir haben schon ziemlich hohe Ausgaben, aber wir machen das auch schon seit sehr vielen Jahren, sehr zuverlässig. Wir haben unsere Leute, die uns vertrauen. Das hat auch damit zu tun, dass man sich den Ärger, den das bringen kann, zu plaudern nicht lohnt. Im Gegenteil. Es lohnt sich vielmehr zu uns zu gehören!

ZDFzoom: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?

Peter: Also in erster Line habe ich hohe Ausgaben.

ZDFzoom: Aber auch hohe Einnahmen?

Peter: Ja, das stimmt, aber wenn sie 8 Mieten von 1000-1500 Euro zahlen müssen…. Dann sind diese Anlagen auch nicht kostenlos. Überwachungstechnik, die nicht anzapfbar ist. Die gesamte Anlage muss jemand dort professionell und vollautomatisch installieren und aufbauen. Dann muss es jemand betreiben. Der Gärtner alleine bekommt fast ein Drittel der Einnahmen. Der ist dann aber auch 24/7 damit beschäftig und jeden Tag in einer der Wohnungen, um nach dem Rechten zu sehen. Dann kommt es vor, dass Anwälte bezahlt werden müssen. Wir haben echt hohe Ausgaben. Es bleibt schon ordentlich was über, aber längst nicht so viel, wie man denken könnte.

ZDFzoom: Haben Sie keine Konkurrenz?

Peter: Doch, aber wir arbeiten zusammen. Die Nachfrage ist so enorm hoch, das wir mit der Produktion gar nicht hinterher kommen. Wir produzieren auch gar nicht alles selber, sondern kaufen auch bei Kollegen ein, oder bekommen gelegentlich noch von alten Verbindungen nach Holland Grass angeboten. Immer seltener, aber es kommt noch vor. Wir arbeiten auch mal auf eigene Rechnung. Wir sind schließlich keine GmbH oder Unternehmen.

ZDFzoom: Wie lange bauen Sie schon Marihuana an?

Peter: Vor ungefähr 11 Jahren habe ich mal gestrecktes Zeug geraucht. Mir wurde schwarz vor Augen…. Dann war eine Zeitlang gestrecktes Zeug im Umlauf. Mal mit Zuckerwasser, mal mit Bleistaub mal mit anderen giftigen Sachen. Und ich hatte eine kleine Abstellkammer, wo ich mich ein bisschen ausprobiert habe.

ZDFzoom: Was machen Sie, wenn es legalisiert wird?

Peter: Wenn ich dann mit meinem Jura Studium fertig bin, dann möchte ich eine Kanzlei gründen.

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