"Ein typischer Einzeltäter"

Psychologe Hoffmann über den Attentäter von Norwegen

Was trieb Anders Behring Breivik, den Attentäter von Norwegen? Warum mussten 77 Menschen sterben? Der Darmstädter Psychologe Jens Hoffmann beschäftigt sich seit Jahren mit der Psyche von Attentätern und Amokläufern. Er sagt: Breivik ist ein klassischer Einzeltäter, der sich als "Krieger" inszeniert hat.

Trauernde in Oslo
Trauernde in Oslo Quelle: reuters


ZDFonline: Was war das Motiv des Täters?


Jens Hoffmann: Wir haben es mit einem typischen Einzeltäter zu tun. Ein solcher Typus Attentäter macht das, weil er sich wie ein Nichts fühlt und endlich mal berühmt werden will. Ich denke, wir sollten dem Täter von Norwegen nicht zuviel Aufmerksamkeit zukommen lassen, indem wir ihm eine Ideologie "zuschreiben". Er nutzt lediglich eine bestimmte Gruppierung und ist wahrscheinlich weit davon entfernt, Teil eines wirklich ausgeklügelten, politischen Entwicklungsweges oder einer Struktur zu sein.



ZDFonline: Man sieht Anders Behring Breivik im Internet in vielerlei Posen. Breivik hat sich selbst fotografiert, mit Uniform und mit Gewehr. Was sagt das über seine Person aus?


Hoffmann: Das ist etwas, was wir als "Kriegermentalität" bezeichnen. Wir beobachten häufig, dass sich Attentäter mit Soldaten oder mit Kriegern identifizieren. Sie nehmen solche Posen ein, tragen entsprechende Kleidung. Sie gehen also in der Rolle eines mächtigen Kriegers und Rächers auf - und das praktisch wertet sie auf. Das ist häufig die Vorstufe zu einer solchen Tat.

Anders Breivik (m.) auf dem Weg zum Gericht
Norwegen - Anders Breivik auf dem Weg zum Gericht Quelle: reuters


ZDFonline: Es heißt ja auch, Breivik habe nicht viele sozialen Kontakte gehabt sowie Schwierigkeiten in der Familie. Was sagt das über seine Person aus?


Hoffmann: Aus psychologischer Sicht ist das ein bekanntes Phänomen. Wir haben es häufig mit Menschen zu tun, die entweder schon lange isoliert sind oder die sich zumindest im Zeitraum vor der Tat sozial zurückziehen.

Attentäter wie Breivik nutzen sehr stark ihre Fantasie, um sich weiter zu erhöhen. Das bedeutet: Er wird durch die Straße gegangen sein und gedacht haben: "Ich bin Herrscher über Leben und Tod - und Ihr wisst es noch nicht." Und diese vermeintliche Macht genießen Menschen wie Breivik häufig in einer Zurückgezogenheit. In der letzten Phase vor der Tat sind sie zudem sehr, sehr vorsichtig - einfach, um die Wahrscheinlichkeit des Entdeckt-Werdens zu minimieren.

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