Erschüttert, enttäuscht, entfremdet

Die katholische Kirche und die Vertrauenskrise

Die katholische Kirche steht kurz vor dem Papstbesuch unter Druck. Viele tausend Gläubige kehren ihr den Rücken; im Jahr 2010 sind in Deutschland so viele Menschen ausgetreten wie noch nie: über 181.000. Erstmals in der Kirchenstatistik war die Zahl der Austritte damit höher als die der Taufen. Warum ist das so?

Wer bei denen, die gerade ausgetreten sind nachfragt, der erfährt: Es geht den meisten nicht um die eingesparte Kirchensteuer. Sie haben nicht den Glauben an Gott verloren, sondern das Vertrauen in die Institution Kirche. Erschütterung und Entfremdung sind die Stichworte.

Die Negativschlagzeilen über die katholische Kirche haben vergangenes Jahr kein Ende genommen: Sexueller Missbrauch durch katholische Priester, Prügelvorwürfe gegenüber hohen Geistlichen und vor allem der Umgang der Kirche mit diesen Missständen wurden oft als Begründung für Austritte genannt. Die Kirche hat auf den gesellschaftlichen Druck reagiert. Doch was hat sie daraus tatsächlich gelernt, wie tiefgreifend sind die Veränderungen?

Grossgemeinden entstehen

Anfang dieses Jahres flammte dann die Debatte um die Ehelosigkeit der Priester wieder auf. Da forderten prominente CDU-Politiker die deutschen Bischöfe zum Umdenken in dieser alten Streitfrage auf. Denn eines scheint sicher: Der Zölibat verschärft auch den Priestermangel - jedenfalls in Deutschland. Das hat in vielen Gemeinden zu Entfremdung geführt. Immer mehr Pfarreien werden zusammengelegt. Es entstehen Großgemeinden, die einen persönlichen Kontakt zwischen Gläubigen und Priester schwer machen.

Themen, mit denen sich auch der Papst auf seiner Reise durch Deutschland auseinandersetzen muss. Die ZDFzoom-Autoren Nina Behlendorf und Nicolai Piechota gehen der Frage nach: Warum verlassen immer mehr Menschen die katholische Kirche? Und was unternimmt sie wirklich, um Vertrauen und Mitglieder zurückzugewinnen?

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