Hoffnung für den Hopfen

Was deutsches Bier in den USA lernen kann

Wie gut ist Deutschlands Bier wirklich? Das Autorenteam Peter Ruppert, Jo Schück und Michael Strompen hat sich auf die Suche begeben, ob Hopfen und Malz tatsächlich verloren sind. Und in Übersee süffige Erkenntnisse gewonnen.

Warum überhaupt ein Film über deutsches Bier? Das beste Bier der Welt kommt – da sind sich die Deutschen einig – aus Deutsch­land. Und wenn nicht Deutschland, dann aber bitteschön aus Bayern, sagen die Bayern. Und tatsächlich, deutsche Brau­kunst, deutsches Know-how, deutsche Ma­schinen, deutsche Rohstoffe und nicht zuletzt deutsche Braumeister spielen weltweit eine gewichtige Rolle.

Aber, und das Aber wurde im Laufe der Recherche immer größer: Der Bierkonsum sinkt in Deutschland seit Jahren. Deutsch­land spielt bei internationalen Bier-Wettbe­werben nur noch eine untergeordnete Rolle und deutsche Bier-Experten suchen immer häufiger ihr Glück im Ausland. Wie gut ist deutsches Bier also wirklich?

Bier-WM in den USA

Eine Frage, die uns neben München, Augsburg, Dortmund und Dresden ausge­rechnet in die USA geführt hat. Denn bei der Bier-Weltmeisterschaft in Amerika schnit­ten die Deutschen zuletzt nur mäßig ab. Der wohl wichtigste Preis der Branche, der Beer-World-Cup, ging ausgerechnet in den Kategorien German Hefeweizen, German Alt, German Kölsch und German Pilsener Style nicht an deutsche Brauereien, sondern an australische, amerikanische oder isländische (in Folge einer Blindverkostung auch mit etlichen deutschen Juroren).

Woran liegt‘s? Wo sind sie, die viel be­schworenen deutschen Bier-Tugenden? Wieso heimst eine kalifornische Kleinst- Brauerei reihenweise Goldmedaillen ein, deren Braumeister aussehen, als seien sie Musiker in einer Metalband? Lederho­sen? Nee, Flip Flops!

Sachlich und seriös

Eine der interes­santesten Erfahrun­gen auf dem diesjäh­rigen Beer-World-Cup im Mai: 5000 Brau­meister aus aller Welt, Brauerei-Inha­ber, Marketinggurus, Getränke-Ingenieure und skurrile Bierlieb­haber, widmeten sich eine Woche lang so sachlich und seriös ihrer Profession, wie man es sonst nur von Kernphysikern in einem Atomforum vermuten würde. Die Teilnehmer nahmen das Thema – und dieser Wortwitz sei verziehen, er ist unvermeidlich – bierernst.

Und das zu Recht, denn aus deutscher Sicht geht es auch um Existenzen und Arbeitsplätze. Die Zahl der mittelständischen Brauereien in Deutschland ist in den vergan­genen zehn Jahren um mehr als ein Drittel gesunken. In den USA ist das Gegenteil der Fall: Dort spießen Craftbreweries wie Pilze aus dem Boden. 2000 sind es bereits, in den kommenden zwei Jahren dürften es 3000 werden.

Anschluss verpasst

Und dann stehst du als ZDF-Reporter vor einem Mann, der aussieht, als sei er Musiker in einer Metalband. Er wedelt mit seinen Weltmeisterplaketten und erklärt dir, dass er deutsches Bier zwar liebt, aber nicht mehr richtig leiden kann. Die Deutschen hätten in den vergangenen 20 Jahren einfach ihre "Monokultur" des Pilstrinkens gepflegt und ohne jegliche Innovation den Anschluss an die Weltspitze verpasst.

IPA, Extra Pale Ale, Belgian Style Wheat­beer, American Style Zwickelbeer, Brown Summerlager – die Liste der Biersorten im ganz normalen Restaurant scheint nicht abzureißen. Du fragst dich, wieso es aus­gerechnet Amerika, Heimat von Anheuser Busch und wässrigem Lite-Beer, geschafft hat, eine so reichhaltige Bierkultur zu er­schaffen. Und du fragst dich, wieso die ganze Stadt eigentlich voll ist mit seltsam toupierten und blondierten Kurzhaarfrisurträ­gerinnen, die in unangenehm lauten Grup­pen die Stadt unsicher machen.

Auf letzteres fällt die Antwort nach kurzer Nachfrage leicht: Friseurinnenkongress in St. Louis. Ersteres ist in einem kleinen Artikel gar nicht leicht zu beantworten. Deswegen haben wir einen Film darüber gemacht.

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