Kranke Kassen

Wettbewerb auf dem Rücken der Patienten

Im Schnitt geht jeder Deutsche 17 Mal im Jahr zum Arzt. Die Kosten für Behandlung, Medikamente oder Heilmittel bezahlt eine Krankenversicherung, meist eine gesetzliche. Für alle Versicherten gilt das gleiche Versprechen: Egal ob jung oder alt, reich oder arm, gesund oder krank, die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen ist für jeden da. Niemand wird aussortiert, jedem wird geholfen, wenn es medizinisch nötig ist. ZDFzoom will wissen, ob dieses Versprechen noch gilt.

Die Autoren Jörg Göbel und Christian Rohde haben Menschen getroffen, die um notwenige Operationen, unentbehrliche Tabletten oder einen dringend erforderlichen Rollstuhl kämpfen müssen.

Der Film beginnt mit der Geschichte der fünfjährigen Romy, einem Pflegekind, für das neue Eltern gesucht werden. Das Mädchen wurde mit einer Zwerchfelllähmung geboren. Als Romy wenige Monate alt ist, muss sie operiert werden. Danach soll sie in ihr neues Zuhause geflogen werden. Die Ärzte raten dazu. Doch Romys Krankenkasse stellt sich quer, will die Kosten für den teuren Transport nicht voll bezahlen. Statt zu den neuen Pflegeeltern soll Romy in ein Hospiz. Zum Glück zahlen andere den Flug, doch die Probleme mit der Krankenkasse hören auch im neuen Zuhause nicht auf. Dass die Pflege eines schwerbehinderten Kindes nie einfach sein wird, damit hatten Romys neue Eltern gerechnet, mit dem Widerstand der Krankenkasse nicht.

Ausgesondert

Die Autoren zeigen, wie in den vergangenen zehn Jahren der politisch gewollte Wettbewerb das solidarische Krankenversicherungssystem zersetzt hat. Sie haben recherchiert, wie gesetzliche Krankenkassen Schwerkranke und deshalb besonders teure Versicherte aussondern. So decken die Autoren auf, wie die gesetzliche Krankenversicherung KKH-Allianz in einer geheimen Telefonaktion hunderte Versicherte dazu gedrängt hat zu kündigen.

Sie reden mit Betroffenen, schwer Kranken, chronisch Kranken, alten Menschen. Insider berichten über die Ziele der Krankenkassen: Kosten sparen, bei Versicherten, die besonders teuer sind. Risikoselektion nennt das die Branche. Die ist zwar verboten, doch offenbar kann es jeden treffen. Die Autoren konfrontieren Krankenkassenmanager und Politiker. Die einen wollen keine Fehler erkennen, die anderen sehen nur bedauernswerte Einzelfälle.

Um Hochnutzer "kümmern"

Der Film zeigt aber auch, dass andere gesetzliche Versicherungen Spezialabteilungen gegründet haben, die sich gezielt um Hochnutzer "kümmern". Einige Kassen wollen erst gar keine chronisch Kranken aufnehmen. Auch arme Menschen sind offenbar nicht willkommen. Die Recherche ergibt: Im Solidarsystem der deutschen Krankenversicherung ist der Mensch vor allem eines: Kostenfaktor. Wer jung und gesund ist, wird umworben. Wer alt und krank ist, stört.

ZDFzoom über den kranken Wettbewerb der Krankenkassen – auf dem Rücken der Schwächsten.

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