Teure Tabletten

Pillen, Preise und die Pharmaindustrie

Rund 30 Milliarden Euro geben die gesetzlichen Krankenkassen bei uns jährlich für Medikamente aus, Tendenz steigend. Fast nirgendwo auf der Welt sind Arzneimittel so teuer wie bei uns. ZDFzoom fragt: Warum eigentlich?

Laut Arzneimittelgesetz können pharmazeutische Unternehmen – sobald ein Medikament zugelassen ist – den Preis völlig frei bestimmen. Sogar dann, wenn Medikamente gegenüber den bereits auf dem Markt befindlichen keinen neuen Nutzen enthalten.

Neues Gesetz enttäuscht

Mit dem "Arzneimittel-Neuordnungsgesetz" von 2011 sollte ein Instrument zur Kostendämpfung geschaffen werden. Eine "frühe Nutzenbewertung" neuer Medikamente innerhalb des ersten Jahres nach Zulassung sollte feststellen, ob tatsächlich ein Zusatznutzen gegenüber älteren Medikamenten besteht. Auf dieser Basis handeln Krankenkassen und pharmazeutische Hersteller dann einen verbindlichen Preis aus. Nur: Diese Verhandlungen sind geheim, Gründe für die Preisfestsetzung dürfen nicht offen gelegt werden.

Der GKV, der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, ist von der Wirkung des Gesetzes enttäuscht. "Erhoffte Milliardeneinsparungen sind ausgeblieben", sagt Florian Lanz, Sprecher des GKV. Auch deshalb, weil Pharmaunternehmen immer neue Wege finden, das Gesetz zu umgehen. So werden bewährte Medikamente vom Markt genommen, um exakt die gleiche Pille mit bis zum 40fachen des bisherigen Preises neu auf den Markt zu bringen – und der Gesetzgeber zeigt sich machtlos.

Kaum Zusatznutzen

Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, kritisiert: "Maximal eins von sechs neuen Medikamenten hat einen tatsächlichen Zusatznutzen", sagt Ludwig und verweist darauf, dass dennoch extrem hohe Preise für die Medikamente verlangt werden.

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