Was bringt ZDFzoom?

Redaktionsleiter Christian Dezer über die neue Sendung

Am 11. Mai um 22.45 Uhr startet ZDFzoom, das neue Dokumentationsformat. Wieso bekomme ich als Kassenpatient keinen Arzttermin? Wer macht meinen Strom so teuer? Es sind einfache Fragen, mit denen die zoom-Autoren ihre Filme beginnen - und damit das Interesse wecken für ein komplexes Thema wie die Gesundheitsreform oder die Hintergründe der deutschen Energiewirtschaft, erzählt Redaktionsleiter Christian Dezer.


Frage: Was genau erwartet den Zuschauer bei ZDFzoom? Was macht das neue Format aus?


Christian Dezer: ZDFzoom versteht sich als Dokumentationsformat, wird ein hintergründiges Informationsmodul - auch mit investigativen Ansätzen. Erzählen soll ein "handelnder Autor" - als Bindeglied zwischen Zuschauer und Thema. Der kann und soll seine Vorgehensweise, seine Recherche und seine Ergebnisse transparent und für den Zuschauer nachvollziehbar machen. Ein handelnder Autor kann das Publikum an die Hand nehmen oder zumindest seine Hand hilfreich ausstrecken, um durch oft vielschichtige und komplexe Themenbereiche zu führen.



Frage: Müssen Dokumentationen immer stärker personalisieren, die Protagonisten quasi "heranzoomen"?


Dezer: Grunsätzlich konzentriert sich jede gute Dokumentation auf die Protagonisten im Film, verdichtet und "zoomt" sie heran. Die Menschen sollen auf jeden Fall im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Wenn dann noch, wie in unserem Fall, ein handelnder Autor eine Geschichte erzählt und damit den Zuschauer an die Protagonisten heranführt, dann kann man gleich auf zweifachem Weg Nähe herstellen.


Frage: Wenn "ZDFzoom" nah an die Menschen herangehen will, ist dann die thematische Bandbreite von vornherein durch das definiert, was diese Menschen im Alltag bewegt?


Dezer: Auf jeden Fall! Wir wollen uns nah an der Lebenswelt der Zuschauer bewegen. Das ist aber weniger eine Frage von Themen, als mehr des Zugangs zu Themen: Den Zuschauer interessiert vielleicht nicht das abstrakte Thema "Gesundheitsreform", aber er will wissen, ob und warum er als Kassenpatient ein Patient zweiter Klasse ist. Beim Thema Energie interessiert eher die Frage: Wieso ist mein Strom so teuer, und erst dann: Wer ist dafür verantwortlich? Und schon ist vielleicht auch das Interesse geweckt, sich auf die Hintergründe der Energiewirtschaft einzulassen.


Frage: Das neue Format will für fast alle Themen - von politischen bis sozialen, von wirtschaftlichen bis umweltspezifischen - offen sein. Welche Themen sind denn für die ersten Sendemonate bereits in Vorbereitung?



Dezer: Konkret soll es in den ersten Wochen um die Themen Versicherungsbetrug, Mobbing gegen Gewrkschaften und - aktuell ausgelöst durch die Diskussion um die Atomkatastrophe - auch um Energiethemen gehen.



Frage: Mit welcher Erzählstruktur wird ZDFzoom diese Themen aufgreifen?



Dezer: Wir beginnen jeden Film mit einer klaren Fragestellung - einer Frage, die aus der Lebensperspektive der Zuschauer heraus gestellt wird: Wer macht meinen Strom so teuer? Wer bestimmt eigentlich den Spritpreis? Mit dieser Frage begibt sich der Autor auf den Weg, auf die Suche nach einer Antwort. Dabei macht er seine Recherche transparent und lässt sich auf seinem Weg über die Schulter gucken. Er besucht Experten, trifft Protagonisten, die die Geschichte immer im Fluss halten und voran treiben. Unterstützt wird seine Erzählung durch eine Grafik, die fast beiläufig in den Film einfließt.



Die Fragen stellte Thomas Hagedorn.

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