Was ist MRSA?

Keime in Krankenhäusern gefürchtet

Mit dem Begriff MRSA bezeichnet man Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind. Dabei steht "SA" für den Namen des Bakteriums: Staphylokokkus aureus, was übersetzt "goldenes Traubenkügelchen" heißt und exakt Form und Farbe des Keimes beschreibt. "MR" steht für Methicillin-resistent. Methicillin ist das erste Antibiotikum, gegen das der Staphylokokkus aureus resistent wurde.

Das Antibiotikum kam bereits 1959 auf den Markt. Bereits wenige Jahre später war es gegen Staphylokokkus aureus wirkungslos. Im Laufe der Jahre bildeten die Bakterien gegen immer mehr Antibiotika Resistenzen. Kaum war ein neues Mittel erfunden, war es auch schon wieder wirkungslos. Deshalb spricht man im Volksmund bei MRSA auch vom multiresistenten Staphylokokkus aureus.

Für Gesunde ungefährlich

Die Bakterien sind für gesunde Menschen ungefährlich. Jeder Dritte trägt den Staphylokokkus aureus vorübergehend auf der Nasenschleimhaut oder im Rachen, ohne daran zu erkranken. Meist verschwindet er von ganz alleine. Erst wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann er zuschlagen. Zum Beispiel bei einem Menschen, der ins Krankenhaus muss, um operiert zu werden.

Gefürchtete Keime

Das Bakterium zeichnet sind durch eine schnelle Wandlungsfähigkeit aus: Es produziert an einem Tag so viele Generationen, wie die Menschheit in 2000 Jahren. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine der vielen Mutationen eine Zellhaut entstehen lässt, die das neue Antibiotikum nicht durchlässt. Und diese Mikrobe vermehrt sich dann tausendfach, millionenfach. Schlimmer noch: Die Bakterien können genetische Informationen untereinander austauschen und so ihre Resistenzen an andere Bakterienstämme weitergeben.


Besonders in Krankenhäusern sind diese Keime gefürchtet. Hier kämpfen viele Bakterien ums Überleben. Der Selektionsdruck ist sehr groß - nur die Bakterien, die schnell Resistenzen bilden können, werden überleben.

In den Niederlanden erkannten Mikrobiologen bereits in den 80er Jahren, wie gefährlich diese Resistenzen sind. Um zu verhindern, dass in Krankenhäusern bald kein Antibiotikum mehr wirksam ist, entwickelte man eine so einfache wie wirkungsvolle Strategie: Einerseits wurden strikte Hygieneregeln entwickelt, die verhindern sollen, dass Keime von Patient zu Patient übertragen werden. Andererseits wurde die Vergabe von Antibiotika streng begrenzt: Nur wenn es unbedingt nötig ist, wird ein Antibiotikum verschrieben. Kommt es bei einem Patienten zu einer bakteriellen Infektion, wird erst untersucht, um welchen Keim es sich handelt. Dann entscheidet ein Mikrobiologe, welches Antibiotikum dagegen eingesetzt werden kann.

Je südlicher, desto mehr Probleme

Diese Strategie war so erfolgreich, dass es in den Niederlanden heute kein MRSA-Problem gibt. Ganz im Gegensatz zu den umliegenden Ländern: Je südlicher ein Land in Europa liegt, desto größer ist das MRSA-Problem. Deshalb wird jeder, der aus dem Ausland kommt und in ein niederländischen Krankenhaus muss, auf MRSA getestet. Bis das Ergebnis feststeht, wird der Patient isoliert. Ist er MRSA-frei, wird er auf ein normales Zimmer verlegt. Trägt er die Keime auf der Haut, muss er so lange in Quarantäne bleiben, bis er durch die Behandlung mit speziellen Salben die Keime wieder los ist.

In Deutschland ist MRSA lange unterschätzt worden. Noch Ende der 90er Jahre lag die MRSA-Rate bei Krankenhausinfektionen unter zehn Prozent. Dann stieg sie innerhalb weniger Jahre auf über zwanzig Prozent an. Noch heute ist bei jeder fünften Krankenhausinfektion MRSA im Spiel. Experten machen dafür mangelndes Hygienebewusstsein in Krankenhäusern verantwortlich. Auch die falsche Vergabe von Antibiotika hat zu der hohen Infektionsrate geführt.

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