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Abschottung oder Aufbruch?

Die katholische Kirche und die Missbrauchskrise

Abschottung oder Aufbruch: Kloster Ettal

Tausende Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche hat eine von der Kirche beauftragte Untersuchung 2018 festgestellt. Die Forscher sprachen von "der Spitze des Eisbergs".

20.02.2020
20.02.2020
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Die Studie löste Bestürzung aus. Auch wenn die Kirche seit Aufdeckung der Skandale bereits einiges unternommen hat, stellt "ZDFzoom" die Frage: Reichen die Maßnahmen aus, um Missbrauch in Zukunft zu verhindern?

"Wir haben zu lange weggeschaut ... für dieses Versagen möchte ich um Entschuldigung bitten." Mit diesen Worten kommentierte Kardinal Marx im Herbst 2018 die Ergebnisse der MHG-Studie, die den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche untersucht hat. Die Wissenschaftler erkannten Strukturen innerhalb der Kirche, die diesen Missbrauch begünstigen: den Missbrauch klerikaler Macht, eine problematische Sexualmoral sowie den Umgang mit dem Zölibat. "Das Ausmaß des Missbrauchs und der Umgang der Verantwortlichen damit haben mich erschüttert", so der Studienleiter, Prof. Dr. Harald Dreßing im Interview mit "ZDFzoom". Bringt die Studie nun die Kehrtwende?

Bereits 2011 hatte "ZDFzoom" Opfer von Missbrauch im bayerischen Ettal getroffen und über sie berichtet. Auch Robert Köhler hat Missbrauch durch Geistliche erlebt. Wie sieht er die Kirche heute? Er schildert den Autoren der Dokumentation seine Sicht auf die bisher geleistete Aufarbeitung und die Frage, ob diese gelungen ist. Wunibald Müller ist Theologe und Psychotherapeut. Er hat Täter und Opfer betreut, fordert Reformen in Sachen Zölibat, Homosexualität und Priesteramt: "Wir fahren die Kirche mit Karacho gegen die Wand, wenn wir es nur bei Absichtserklärungen belassen", so seine Warnung in "ZDFzoom".

Dabei gibt es Bischöfe, die erkannt haben, dass sich etwas grundlegend in der Kirche ändern muss. "ZDFzoom" trifft die Bischöfe von Freiburg und Hildesheim, sie finden deutliche Worte. "Es gibt nur dann einen Weg in die Zukunft, wenn externe Spezialisten ins Boot geholt werden, um Licht in dunkle Stellen zu bringen", so Bischof Heiner Wilmer.

2010 hatte das Aufdecken von Missbrauchsskandalen quer durch die Republik schockiert. Die Internatsschule im Kloster Ettal, das Berliner Canisius-Kolleg, die Regensburger Domspatzen - die hohe Zahl der Opfer rüttelte auf. Seitdem ist einiges passiert: Die katholische Kirche hat Leitlinien zum Umgang mit dem Missbrauch verabschiedet. In den Bistümern gibt es Präventions- und Missbrauchsbeauftragte, Zahlungen in Anerkennung des Leids, Fortbildungen. Die Kirche will verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, doch reichen diese Maßnahmen, um Missbrauch in Zukunft zu verhindern?

Auch der Vatikan hat erkannt, dass es beim Thema Missbrauch keinen Aufschub geben darf. Werden die Weichen für tiefgreifende Veränderungen in der Kirche gestellt? Dabei geht es auch um die Frage nach Aufhebung des Pflicht-Zölibats.

Mehr unter www.zoom.zdf.de

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