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Am Puls Deutschlands - wasmichimostenstoert

Unterwegs mit Jochen Breyer

Was sollte im Osten Deutschlands anders laufen? Was stört die Menschen, was wünschen sie sich von der Politik? Das will Jochen Breyer vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen wissen.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.09.2020

Tausende Nachrichten hat Jochen Breyer auf den Hashtag #wasmichimostenstoert erhalten. Und sehr häufig ging es um das Ost-West-Verhältnis: Viele fühlen sich falsch dargestellt, über einen Kamm geschoren, vom "arroganten Westen" abgestempelt als "Jammer-Ossis".

"Menschen aus dem Westen sehen uns nicht als gleichwertige Menschen an", sagt etwa Rentner Harald F. aus Leipzig. "Das Beste, was man kriegen kann, ist eine joviale Herablassung."

Ähnlich empfindet auch Lehrerin Marika B: Seit Jahren muss sie sich "Ost-Kommentare" anhören, geht dann bewusst in die Diskussion, versucht Brücken zu bauen und resigniert doch immer öfter. "Man könnte sich einen Nationaltrainer vorstellen, der vielleicht 'ne dunkle Hautfarbe hat oder türkischer Abstammung ist - aber einer, der sächselt? Niemals! Und das Schlimme finde ich ja tatsächlich, dass das in mir selber auch so drin ist."

"Ich halte den innerdeutschen Konflikt für wesentlich", bestätigt Schriftstellerin Jana Hensel im Gespräch mit Jochen Breyer: "Wenn man viel im Osten unterwegs ist, hört man immer diesen Unterton. Sehr viele Ostdeutsche empfinden sich als Bürger zweiter Klasse."

Manche, die auf den Hashtag #wasmichimostenstoert geantwortet haben, fühlen sich aber auch abgeschrieben und vergessen. Etwa Uwe Andreas. Seit seiner Kindheit lebt er in einem brandenburgischen Dorf unweit der polnischen Grenze: Die Schule gibt es nicht mehr, der Busbetrieb ist in den Ferien eingestellt. Und die Landstraße wurde in den letzten Jahrzehnten höchstens notdürftig ausgebessert. Bei der letzten Bürgermeister-Wahl hat Andreas sich aufstellen lassen, weil es im 500-Seelen-Ort sonst nur einen Kandidaten der AfD gegeben hätte: "Die Menschen auf dem Land fühlen sich vergessen und verraten. Da kommt vielen die AfD gerade zur rechten Zeit", sagt der Bürgermeister. Das bestätigt ein Rentner beim örtlichen Seniorentreff: "Die Menschen hier haben Frust - und wenn das passiert, dann wählen sie AfD. Ich hab auch AfD gewählt. Nur aus Frust."

Ungleichheit und Frust, Vorurteile und Verletzungen auch noch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer: Die Dokumentation "Am Puls Deutschlands" zeichnet ein eindringliches Bild Deutschlands - dieses Mal mit Fokus auf die östlichen Bundesländer.

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