Ausgebeutet - Arbeit nur auf Abruf

Film von Julia Friedrichs

Dokumentation | ZDFzoom - Ausgebeutet - Arbeit nur auf Abruf

Rund 1,5 Millionen Angestellte wissen nicht, ob ihr Lohn zum Leben reicht. Sie arbeiten nur, wenn der Chef sie braucht.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.03.2018, 18:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Betriebe haben viele Vorteile davon: Sie können ihre Flexibilität steigern, Leerzeiten minimieren und Arbeitskosten reduzieren. Für die Angestellten ist das Modell mit großer Unsicherheit verbunden. "ZDFzoom" geht der Frage nach: Wie gerecht ist unser Arbeitsmarkt?

Arbeit auf Abruf, heißt im Fachjargon: "KAPOVAZ, kapazitätsorientierte, variable Arbeitszeit." Es ist eine Vertragsform, die kaum einer kennt: Die Beschäftigten haben einen Teilzeitvertrag, sind also richtige Angestellte im Unternehmen, doch es wird ihnen nur eine Mindestzahl an Arbeitsstunden zugesichert. Der Rest läuft über Mehrarbeit, auf Abruf. Die Zeit dazwischen aber wird ihnen nicht bezahlt.

Nach Auswertungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung arbeiten 1,5 Millionen Menschen in Deutschland so. "Man kann davon reden, dass das in Richtung eines modernen Tagelöhnertums geht", erklärt Arbeitsmarktforscher Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Interview.

"ZDFzoom"-Autorin Julia Friedrichs begegnet zahlreichen Menschen, die unter diesen Arbeitsverträgen leiden, die das Gefühl erleben "ausgebeutet" zu werden. So erzählt eine junge Mode-Verkäuferin: "Es gibt Monate, da arbeite ich 40 Stunden, manchmal 90, 100 oder sogar 150. Mal verdiene ich 400 Euro, mal 1100 Euro." Sie würde gerne heiraten, eine Familie gründen, doch sie sagt auch: "Auf solch einem Vertrag kann ich doch kein Leben aufbauen." Kündigen ist nicht so einfach, denn in der Branche gibt es überall solche Verträge.

"ZDFzoom" zeigt: es gibt viele solcher Fälle und Arbeitsverträge. Die Dokumentation erklärt, wie sehr die Arbeitgeber dabei ihren Vorteil nutzen, und zum Beispiel bei den Lohnnebenkosten sparen.

Dass es auch anders geht, zeigt der Blick nach Österreich: Dort haben Gerichte und Gesetzgeber die "Arbeit auf Abruf"- Praktiken gestoppt. So wissen Angestellte sehr genau, wie häufig sie arbeiten und wieviel sie verdienen.

Mehr unter zoom.zdf.de

Stab

  • Kamera - Oliver Hans Wolf, Riccardo Giese, Holger Hahn, Nils Körnig-Kron

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