"Das ist falsch...."

Der betroffene Landwirt nimmt Stellung

In dem ZDFzoom-Film „Bittere Erdbeeren“ erheben die Erntehelfer eine Reihe von Vorwürfen. Wir hatten den betroffenen Landwirt um eine Stellungnahme gebeten. Hier finden sie die ausführlichen Antworten des Landwirts auf die Fragen des Filmautors Detlef Schwarzer.

Detlef Schwarzer: Wir haben die Aussagen von mehreren Erntehelfern, dass am 3.7. und 4.7.2015 mindestens sieben Erntehelfer kollabiert sind und Sie es nicht für nötig befunden haben, einen Arzt oder Krankenwagen zu rufen. Ein Rumäne habe dann einen Notarzt gerufen. Außerdem hätten Sie nicht zugelassen, dass ein kollabierter Erntehelfer in ein Krankenhaus gefahren wird. Was sagen Sie dazu?
Landwirt: Diese Aussagen sind falsch: Speziell am 3. 7 und 4.7.2015 war es extrem heiß. An diesem Wochenende haben trotz wetterbedingter Verlegung der Arbeitszeiten in die kühleren Morgen- und Abendstunden insgesamt 3 Erntehelfer über starke (vermutlich hitzebedingte) Beschwerden geklagt. So kam es in drei Fällen zu akuten Kreislaufbeschwerden und Übelkeit. In zwei dieser Fälle habe ich persönlich und unverzüglich einen Rettungswagen über den Notruf 112 angefordert. Im dritten Fall hat dies eine unserer Mitarbeiterinnen getan, die für die Betreuung unserer Erntehelfer zuständig ist und in diesem Fall direkt vor Ort war. Diese DRK-Rettungswagen sind in allen drei Fällen sofort gekommen und haben die betroffenen Mitarbeiter ins Krankenhaus Neustadt gebracht. Dort wurden sie medizinisch versorgt.
Zwei der Mitarbeiter konnten noch am gleichen Tag wieder entlassen werden. Der dritte Mitarbeiter wurde am 8.7.2015 nach zahlreichen Untersuchungen und Tests ohne Auffälligkeiten entlassen.
Weitere Fälle von angeblich „kollabierten Erntehelfern“ hat es nicht gegeben. Falsch ist die Behauptung, wir hätten den Abtransport von Mitarbeitern in ein Krankenaus be- oder verhindert. Im Gegenteil: Es hatte an diesem Wochenende weitere Bitten aus unserer Belegschaft nach ärztlicher Unterstützung gegeben. Daraufhin haben wir diese Mitarbeiter sofort ins Klinikum nach Neustadt zur Untersuchung gefahren.
Dass einer unserer Mitarbeiter selbst einen Notarzt gerufen hat, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls ist kein Einsatzwagen jenseits der drei von uns persönlich gerufenen Rettungswagen erschienen. Ob es einen solchen Anruf gegeben hat, erfragen Sie bitte bei der zuständigen Rettungsleitstelle.
Grundsätzlich kümmern wir uns sehr um die Gesundheit unserer Mitarbeiter! Eine der Hauptaufgaben einer unserer rumänisch sprechenden Mitarbeiterinnen besteht beispielsweise darin, Gesundheitsbeschwerden der Mitarbeiter aufzunehmen und die Betroffenen zu örtlichen Ärzte oder ins Krankenhaus Neustadt zu begleiten und dort auch die notwenigen Formalitäten abzuwickeln.
Detlef Schwarzer: Wir haben die Aussagen von mehreren Erntehelfern, dass sie die Durchschrift ihres Arbeitsvertrags, den sie unterschreiben mussten, nicht erhalten haben?
Landwirt: Das ist falsch. Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten ausnahmslos spätestens vor Beginn des ersten Arbeitstages eine Durchschrift ihres Arbeitsvertrags in zwei Sprachen. Diese Durchschrift wird ihnen zusammen mit dem Betriebsausweis ausgehändigt.
Detlef Schwarzer: Wir haben die Aussagen von mehreren Erntehelfern, dass sie lediglich sehr geringe Summen (15 Euro pro Woche) von Ihnen bekommen, um sich Lebensmittel zu kaufen. Stimmt das?
Landwirt: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gemäß arbeitsvertraglicher Regelung mit dem tariflichen Mindestlohn von 7,40 €/h zzgl. Leistungszulage bezahlt. Wie und wofür sie diesen Lohn verwenden, ist Ihnen selbst überlassen. Wir zahlen keinen gesonderten Betrag für Lebensmittel oder andere Waren.
Der vereinbarte Lohn wird normalerweise spätestens im Folgemonat in voller Höhe ausgezahlt. Dies geschieht in bar und auf Wunsch per Überweisung.
Manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben den ausdrücklichen Wunsch, das Geld aus Sicherheitsgründen (Diebstahlsgefahr) erst mit Ende ihres Beschäftigungsverhältnisses ausgezahlt zu bekommen. Vielfach erbitten sie dann regelmäßige oder unregelmäßige Abschlagzahlungen, die wir ihnen gewähren.
Insofern zahlen wir samstags in vielen Einzelfällen wunschgemäß Abschläge. Die Höhe der Abschläge wird individuell abgesprochen, wobei ganz überwiegend Beträge zwischen 50,00 Euro und 300,00 Euro erbeten werden. Aber auch höhere Beträge werden im Einzelfall ausgezahlt. Ein rechtlicher Anspruch auf Abschläge vom Lohn für den noch laufenden Monat besteht nach deutschem Arbeitsrecht übrigens nicht. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Entgegenkommen unsererseits, um unseren Mitarbeitern den gewünschten wirtschaftlichen Spielraum hier vor Ort zu gewähren.
Detlef Schwarzer: Wir haben die Aussagen von mehreren Erntehelfern, dass ein rumänischer Mitarbeiter Ihres Hofes, der die Erntehelfer auch bei der Arbeit beaufsichtigt, Provision im dreistelligen Euro-Bereich verlangt hat, weil die Erntehelfer angeblich so viel Geld verdient hätten. Ist Ihnen das bekannt? Wenn ja, was unternehmen Sie dagegen? Was werden Sie tun, damit die Erntehelfer ihr Geld zurückbekommen?
Landwirt: Für die Suche und Rekrutierung unserer rumänischen Erntehelfer nutzen wir ein rumänisches Dienstleistungsunternehmen. Dieses Unternehmen bietet Erntehelfern die Vermittlung nach Deutschland und die Organisation der Reise an. Für diese Dienstleistung erhält es von unseren rumänischen Mitarbeitern eine Arbeitsvermittlungsprovision von pauschal 100 Euro. Hinzu kommen optional Reisekosten in Höhe von 252 Euro, sofern An- und Abreise nicht selbst organisiert werden. Diese insgesamt 352 Euro sind nach unseren Informationen grundsätzlich noch direkt in Rumänien an den Vermittler zu zahlen. Allerdings haben einige der Vermittelten diesen Betrag nicht zur Verfügung. Er wird ihnen dann bis zur Auszahlung ihres Gehalts/der Gehälter bei uns zins- und gebührenfrei vom Vermittler vorfinanziert.
Ein Vertreter dieses Unternehmens ist, um den Erntehelfern durchgängig eine ihnen bekannte Vertrauensperson an die Seite zu stellen, während der Erntezeit auch als Schnittstelle zu den Mitarbeitern und zur Unterstützung bei der Ernte teilweise vor Ort und wird dafür von uns entlohnt.
Aufgrund Ihrer Anfrage haben wir in den vergangenen Tagen jedoch intensiv bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachgefragt, ob es zu weiteren Zahlungsforderungen des Vermittlers oder sonstigen Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Das konnten wir in keinem einzigen Fall feststellen. Sollte uns ein solcher Fall aber bekannt werden, werden wir energisch dagegen vorgehen und gegebenenfalls finanzielle Schäden unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen.
Detlef Schwarzer: Wir haben die Aussagen von mehreren Erntehelfern, dass am 11.7.2015, als die Erntehelfer ihr Essensgeld von leitenden Mitarbeiterinnen Ihres Hofes auf dem Gelände Ihres Hofes ausgezahlt bekommen haben, auch der rumänische Mitarbeiter vor Ort war und die Provision der Erntehelfer nur dafür, dass sie arbeiten dürfen, kassiert hat? Ist Ihnen das bekannt? Wenn ja, was werden Sie dagegen tun?
Landwirt: Wir zahlen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kein Essensgeld oder sonstige Vergütung jenseits der Gehälter – siehe oben, Frage 3. Sie werden vielmehr von uns für einen Kostenbeitrag von 4,80 Euro pro Tag mit einem Frühstück und einem Mittagessen verpflegt.
Ihren Hinweisen gehen wir derzeit nach. Sollte der Vermittler lediglich die ihm zustehende Provision und/oder vorgestreckte Reisekosten, die er vorfinanziert hatte, gefordert haben, wäre dies nicht zu beanstanden. Sollte es jedoch unberechtigte Zahlungsaufforderungen gegeben haben, werden wir energisch und auch mit juristischen Maßnahmen dagegen vorgehen und gegebenenfalls finanzielle Schäden unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen.
Detlef Schwarzer: Wir haben die Aussagen von mehreren Erntehelfern, dass ein rumänischer Mitarbeiter Ihres Hofes von Ihnen die Pässe der Erntehelfer zu Beginn ihres Aufenthalts auf Ihrem Hof eingesammelt hat, und die Erntehelfer die Pässe nur gegen Zahlung einer Summe von bis zu 125 Euro zurückbekommen haben. Ist Ihnen das bekannt? Was werden Sie tun, damit die Erntehelfer ihr Geld zurückbekommen?
Landwirt: Wir wissen nichts von derartigen Forderungen, nehmen Ihre Information aber sehr ernst. Sollte es zu derartigen Forderungen gekommen sein, wäre das absolut inakzeptabel! Wir würden dann umgehend arbeitsrechtliche Maßnahmen einleiten und Strafanzeige erstatten!
Ihren Hinweisen gehen wir derzeit nach und haben bereits Gespräche mit allen Gruppenleitern geführt. Diese legen uns die Pässe in der Regel vor Arbeitsbeginn einer Gruppe einmalig gesammelt zum Kopieren für die Lohnbuchhaltung vor und erhalten diese dann unverzüglich zur Rückgabe an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurück. Alle Gruppenleiter haben uns versichert, dass sie keine Ausweise einbehalten haben und Ihnen auch keine derartigen Probleme bekannt sind.
Wir haben dazu inzwischen auch zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt. Mit heutigem Stand (16. Juli 2015) hat uns kein Mitarbeiter diesen Vorwurf bestätigt. Die Befragungen werden dennoch fortgeführt.

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