Pillen für die Psyche

Werden unsere Kinder krank gemacht?

Angelina ist zehn Jahre alt und bekommt zum Frühstück eine Pille gegen ADHS, das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom. Ohne Medikamente käme sie nicht zurecht, erklärt ihre alleinerziehende Mutter. „Mir ist wichtiger, dass mein Kind einen guten Abschluss hat, einen guten Start ins Leben.“ Viele Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt, fürchten um die Zukunftsperspektiven ihrer Kinder.

Der Film zeigt, wie die Pharmaindustrie von diesen Ängsten profitiert. Sie hat ihre neue Zielgruppe, die Kinder und Jugendlichen, fest im Griff. Die sind heute angeblich schon krank, wenn sie zu zappelig, zu laut oder auch zu still sind. Gegen all das gibt es Pillen.

Ein Milliardengeschäft auf Kosten der Kinder? Die ZDFzoom-Dokumentation geht der Frage nach, warum immer häufiger Ärzte Psychopharmaka an Kinder verschreiben und warum auch Schulen und Familien sich darauf einlassen, die Kinder mit Psychopillen ruhig zu stellen.

Neuroleptika und die Folgen

Nach dem jahrelangen ADHS-Boom gibt es in Deutschland einen neuen Trend: Kindern, die auffällig sind, Wutanfälle bekommen oder sich langsamer entwickeln, werden jetzt Neuroleptika verabreicht. Das seien extrem starke Psychopharmaka, ursprünglich gedacht für die Behandlung von Schizophrenie bei Erwachsenen und eine Gefahr für Kinder, warnt der renommierte Pharmakritiker Prof. Peter Schönhöfer. Der Film zeigt: Die gesundheitlichen Folgen für Kinder und Jugendliche, denen Neuroleptika verordnet wurden, können im Einzelfall gravierend sein. So kann es zu Störungen der Geschlechtsreife kommen. Inzwischen haben in Amerika Anwälte über tausend Fälle von Jungen gesammelt, die wegen der Nebenwirkungen klagen. Der Anwalt Stephen Sheller vertritt viele dieser Fälle. Die Klagen haben die Pharmaindustrie schon jetzt Milliarden gekostet, das Geschäft mit den Pillen lohnt sich für die Firmen dennoch. Sheller prophezeit: „Erst wenn einer von den Verantwortlichen ins Gefängnis muss und zwar für eine ganze Weile, wird das aufhören“.

Diagnosekatalog für psychische Störungen

Mit dem neuen amerikanischen Diagnosekatalog DSM 5 werde dieser Trend fortgesetzt, so die Recherchen von ZDFzoom. Der amerikanische Psychiater Allen Frances spricht sogar von einer Inflation der Diagnosen. Er hat selbst jahrelang an dem offiziellen Diagnosekatalog mitgearbeitet, in dem psychische Störungen definiert werden. Sein Fazit: Die Pharmakonzerne erfänden immer neue Krankheiten, um ihre Pillen zu verkaufen. Die Leidtragenden seien die Kinder.

Beate Frenkel und Astrid Randerath zeichnen nach, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte, die in den USA ihren Anfang nahm. Sie zeigen, wie die Pharmaindustrie mit neuen Krankheiten einen riesigen Markt erobert; zum ersten Mal werden die fatalen Folgen dieser Entwicklung im deutschen Fernsehen dokumentiert.

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