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Geimpft - und nun?

Brennpunkt Pflegeheim - Film von Antje Büll

Fast die Hälfte der Corona-Todesopfer in Deutschland lebte in Pflegeheimen. Die hohe Zahl der Toten und Infizierten zeigt: Es gelang nicht, die Schwächsten zu schützen.

28 min
28 min
14.04.2021
14.04.2021
UT - DGS
UT - DGS
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.04.2023

Wie ein Brennglas hat die Pandemie Defizite aufgezeigt, die schon zuvor bekannt waren. Auch nachdem die meisten Pflegebedürftigen und Mitarbeiter geimpft sind, bleibt die Lage angespannt und viele alte Menschen isoliert. Was läuft falsch in den Pflegeheimen?

"Wir dürfen uns aussuchen, ob wir den sozialen oder den Corona-Tod sterben", sagt Heimleiter Georg Huber. In der Coronapandemie ist der drastische Personalmangel besonders deutlich geworden. Zeitlicher Mehraufwand durch Hygienevorschriften und krankheitsbedingte Ausfälle machen eine gute Versorgung der Pflegebedürftigen immer schwerer. Demente und pflegebedürftige Menschen zu isolieren und in Quarantäne zu halten, hat sich in den meisten Fällen als unmöglich erwiesen, denn Nähe und Zuwendung sind im Pflegeheim unverzichtbar. Dabei war schon vor der Krise klar, dass die Heime ein Drittel mehr Personal brauchen, um Menschen am Lebensende gut versorgen zu können. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Bremen.

Doch in der Pandemie haben bisher 9000 Pflegekräfte ihren Job aufgegeben, darunter auch viele Altenpflegerinnen und -pfleger. Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege stehen schon lange in der Kritik; vor einigen Wochen scheiterten auch noch die Verhandlungen für einen einheitlichen Tarifvertrag in der Pflege. "Ich glaube, die Problematik im Gesundheitssystem wird neben dem Klima eines der Hauptthemen sein. Die Gesellschaft muss erkennen, dass jeder Pflege braucht", ist der Altenpfleger und Aktivist Stefan Heyde überzeugt.

Altenpflegerin Andrea Gabber liebt ihren Beruf. Doch auch sie kam in der Pandemie an ihre Grenzen. "Man hat immer zu wenig Zeit für die Menschen", sagt die 36-Jährige. "Die körperliche Pflege sehen die meisten nur, aber es ist vieles mehr. Dass man für die Menschen da ist und die Menschen auch für einen selber da sind. Dieses Geben und Nehmen ist so wichtig." Die Hygieneregeln im evangelischen Altenheim in Bergneustadt, wo Andrea Gabber seit 16 Jahren arbeitet, sind immer noch streng. Nur wenige Besucher sind erlaubt, und die müssen vom Personal zusätzlich zu der normalen Arbeit getestet werden.

Ehrenamtliche Helfer dürfen noch nicht wieder ins Haus, auch nicht der Friseur. Heimleiter Georg Huber ist weiterhin vorsichtig. Niemand weiß bisher, wie gut der Impfschutz ist. Für ihn steht fest: Die Politik muss handeln und den Pflegeberuf attraktiver machen, um den Personalnotstand zu beheben. "Wenn klar ist, dass 140 000 Stellen fehlen, dann war das vorher klar, und dann ist das auch nach Corona klar. Dann ist das 2021 klar, und dann ist das 2022 klar – uns rennt die Zeit davon. Wir brauchen Unterstützung."

Wie konnte es in der Pandemie zu derart vielen Todesfällen in Pflegeheimen kommen, und wer trägt die Verantwortung dafür? "ZDFzoom" zeigt, welche Einschränkungen auch nach der Impfung für alte Menschen bestehen, und fragt Pfleger und Angehörige, Politiker, Gesundheitsämter und Wissenschaftler, was sich jetzt dringend ändern muss.

Stab

  • Kamera - Boris Mahlau

Und hier unsere Kurzfassung:

ZDFzoom - Corona-Pandemie: Tod im Pflegeheim 

Überstunden, schlechte Bezahlung: Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege stehen schon lange in der Kritik. In der Pandemie haben bisher 9000 Pflegekräfte ihren Job aufgegeben.

Videolänge
19 min · Doku
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