Polizei in Not

Überlastet und kaputt gespart?

Dokumentation | ZDFzoom - Polizei in Not

Immer mehr Einsätze, immer weniger Personal – die Polizei in Deutschland ist in Not. In den vergangenen Jahren wurden mehr als 16.000 Stellen gestrichen. Viele Polizisten arbeiten am Limit.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.01.2017, 22:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016

Immer mehr Einsätze, immer weniger Personal – die Polizei in Deutschland ist in Not. In den vergangenen Jahren wurden mehr als 16.000 Stellen gestrichen. Viele Polizisten arbeiten am Limit.
Flüchtlingsheime müssen geschützt werden. Die Beamten fehlen jedoch dadurch an anderer Stelle. Polizisten erzählen, dass es gerade im ländlichen Bereich mitunter Stunden dauert, bis eine Streife an einem Einsatzort eintrifft. Schuld sei die Personalnot.

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Besonders in ländlichen Regionen ist immer weniger Polizei im Einsatz. Quelle: ZDF/Michael Bernath

Über eine Million Flüchtlinge kamen im vergangen Jahr nach Deutschland. Die Polizei ist nun nahezu überall stärker gefordert als je zuvor – doch der Personalabbau der vergangenen Jahre macht der Polizei jetzt schwer zu schaffen. In Deutschland gibt es momentan knapp 300.000 Polizisten. In den vergangenen Jahren wurden es immer weniger. Die Politiker glaubten, die Bevölkerungszahl gehe langfristig zurück, damit auch die Zahl der Straftaten. Als Folge wurden immer mehr Stellen gestrichen.
Für die Gewerkschaft der Polizei ist das ein unhaltbarer Zustand. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Jörg Radek fordert mehr Personal: „Ich glaube, dass es nicht flächendeckend zu einem Versagen der Polizei kommt, ist einzig und allein dem Leistungsvermögen jedes Einzelnen in der Polizei geschuldet. Dass dort Polizei zusammenrückt, dass man der Not gehorcht und sich gegenseitig unterstützt, das, glaube ich, sorgt dafür, dass Polizei zurzeit in Deutschland noch funktioniert.“
In vielen Bundesländern beginnt jetzt ein Umdenken. Künftig wollen sie wieder mehr Polizeibeamte einstellen. Doch bevor diese in den Dienst eintreten können, vergehen noch mindestens drei Jahre – solange dauert in der Regel die Ausbildung. Manche Bundesländer - wie beispielsweise Sachsen oder das Saarland – setzen deshalb zusätzlich auf sogenannte Wach- oder Hilfspolizisten. Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) spricht von einer dringend notwendigen Übergangslösung: „Viele Kollegen sind natürlich sehr stark belastet, gerade in dem Bereich der Bereitschaftspolizei haben Kollegen sehr viele Überstunden. Und deswegen ganz klar: Wir brauchen mehr Personal, wir brauchen mehr Polizei. Aber in der Übergangszeit soll die Wachpolizei die Kollegen entlasten.“
Ihre Ausbildung dauere nur wenige Monate, sie könnten dann schnell eingesetzt werden und die vorhandenen Polizeibeamten unterstützen. Andere Bundesländer – wie beispielsweise Rheinland-Pfalz – lehnen solche Hilfspolizisten jedoch kategorisch ab. Die bisherige dreijährige Ausbildung habe sich bewährt, sagt das dortige Innenministerium. Stattdessen will man in Rheinland-Pfalz Polizeibeamte bitten, länger zu arbeiten. Beamte, die eigentlich in Pension gehen dürften, würden ihren „Ruhestandsbeginn“ um bis zu drei Jahre hinausschieben.

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