Schmutzige Schifffahrt

Billiger Transport auf Kosten der Gesundheit

Auf den Ruhestand und die frische Ostseebrise hatten sich Jürgen Brandt und seine Frau gefreut, als sie von Frankfurt am Main nach Warnemünde zogen, in die neu gekaufte Dreizimmerwohnung mit Blick aufs Wasser. Heute macht sich Jürgen Brandt ernste Sorgen um seine Gesundheit. Denn die Schiffe, die direkt vor seiner Wohnsiedlung vorbei fahren, hinterlassen nicht nur eine dicke Rußschicht auf seinen Fensterbänken sondern auch feinste Staubpartikel, sogenannten „Ultrafeinstaub“.

„Die Partikel sind so klein, die gehen in die Lunge, durch die Wand ins Blut und sogar ins Gehirn“, warnt Verkehrsexperte Axel Friedrich, der die Belastung durch Schiffsabgase für eine unterschätzte Gefahr hält. Studien belegen, dass weltweit mindestens 60.000 Menschen jährlich vorzeitig sterben, weil sie Schiffsemmissionen ausgesetzt sind. Trotzdem fahren fast alle der mehr als 90.000 Schiffe weltweit ohne Filter und Katalysatoren. Das gilt auch für Kreuzfahrtschiffe, die als schwimmende Hotels auch im Hafen den Motor laufen lassen, um Strom für die Versorgung an Bord zu haben.

Umdenken und nachrüsten

Doch bei AIDA und anderen Kreuzfahrtunternehmen hat man begonnen, umzudenken – und nachzurüsten. Denn zum Traumurlaub gehört auch saubere Luft, das erwarten die Passagiere. In der Frachtschifffahrt dagegen lautet die Devise weiter „Hauptsache billig“. Das Nachrüsten der Schiffe mit Umwelttechnologien wäre möglich, aber weil das Geld kostet, will keine Reederei anfangen.

Warum schützt niemand unsere Gesundheit vor den schwimmenden  Dreckschleudern? Dieser Frage gehen ZDFzoom-Reporter Hilde Buder-Monath und Halim Hosny nach. Sie sprechen mit Reedern, Wissenschaftlern und betroffenen Anwohnern. In Häfen, auf Schiffdecks, in einer Raffinerie, in den Fabrikhallen eines Schiffsmotorenherstellers und in London bei der Schifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen versuchen sie herauszufinden, warum es so schwer ist, Schiffe endlich sauber zu machen.

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