Abenteuer Medizin

Gedanken zum Film von Regisseurin Vivian Naefe

Ich gehöre zu den Regisseuren, die, wenn sie das Buch nicht selbst geschrieben haben, gerne auf Grund des fertigen Drehbuches noch einmal in eine eigene Recherche einsteigen. Das ist kein Misstrauen gegenüber den Autoren, sondern hilft, mir selbst ein sicheres Gefühl zu geben. Denn für mich ist die möglichst authentische Realitätsdarstellung das Fundament der emotionalen Wahrheit, die ich vermitteln möchte.

Also zog ich aus, das Fürchten zu lernen. Der erste ärztliche Drehbuchberater, Internist mit einem Kardiologen als Partner, unterzog mich ich wollte es ja auch, um mich in den Patienten einfühlen zu können - einem ausführlichen Check-Up mit Belastungs-EKG. Dabei kam heraus, dass ich mich als Patient als recht ungeduldig erwies, meine Venen sich stets weigerten, ohne Protest Blut abzapfen zu lassen, und dass ich nicht gerne schwitzig auf dem Fahrrad strample.

Rache für fehlende Patientia

Wohl als Rache wegen meiner fehlenden Patientia diagnostizierte der Berater bei mir eine Gluten-Unverträglichkeit, eine Auto-Immunkrankheit, die bis ans Lebensende strenge Diät nach sich zieht. Und verordnete mir wegen der Ergebnisse des EKGs streng, ich sollte mehr und äußerst regelmäßig Sport treiben. Nun treibe ich schon immer viel und regelmäßig Sport, das EKG konnte ich mir gar nicht erklären. Ich beschloss, es schlicht und einfach zu vergessen. Und das tat ich dann auch. Das hatte weder positive noch negative Folgen.

Mich zog es zu aufregenderen Gefilden, und der Mann einer Freundin fiel mir ein: Professor Bruno Reichard, immerhin einer der bekanntesten Herzchirurgen Deutschlands. Drei Anrufe später hatte ich einen Termin in Großhadern, als Zuschauerin einer "interessanten" Operation.

Höchste Kunstfertigkeit

In Kittel und Mundschutz durfte ich einem OP-Team zusehen, das in einer Acht-Stunden- Operation ein Aortenaneurisma entfernte und zusätzlich noch ein Karzinom aus der Lunge heraus schnitt. Dabei wurde der Patient zwischenzeitlich 40 Minuten lang in quasi totem Zustand gehalten, der OP-Saal dabei auf 16 Grad runter gekühlt. Selten habe ich so etwas Faszinierendes gesehen, hier war höchste Kunstfertigkeit vorhanden, nichts schien unmöglich und dem 70-jährigen Patienten geht es heute gut, wie mir mitgeteilt wurde.

Ein persönliches Fazit

Diese OP-Recherche hat mich natürlich kritisch werden lassen, ich wollte nun die OPs bei "Der Doc und die Hexe" besonders realistisch drehen, forderte auch ungewöhnliche und schwere Fälle (wie die Nekrotisierende Fasziitis) und setzte mit den Schauspielern am Abend vor den OP-Drehtagen lange technische Proben an, wobei jeder Handgriff eingeübt wurde. Das hat sich gelohnt, unsere "Doc und Hexe"- Operateure könnten wahrscheinlich die geübten Eingriffe auch an echten Patienten machen. Das würden sie natürlich nie tun. Selbstverständlich habe ich auch die TCM recherchiert, mich akupunktieren lassen, den Kräutersud getrunken und war mit meiner Hauptdarstellerin Christiane Paul bei Dr. Hempen, dem Müncher TCM - Pabst. Dort war ich bereitwillig Versuchskaninchen für die Nadeln, die er Christiane demonstrierte. Das war ehrlich gesagt nicht ganz angenehm. Nach den Dreharbeiten aß ich weiter glutenfrei, will sagen: aufwendig und teuer. Der Allergietest hatte es ja gefordert.

Als ich vor wenigen Monaten unseren "Doc und Hexe" - TCM-Berater, einen Internisten aus der Münchner Hempen-Praxis, aufsuchte und ihm den Allergie-Test zeigte, meinte der überraschend, der einzige wissenschaftlich haltbare Weg, eine Gluten-Unverträglichkeit nachzuweisen, sei eine Magenspiegelung. So lernte ich auch das kennen. Und siehe da: ich habe keine Gluten-Unverträglichkeit! Nun esse ich glücklicher und billiger. Und das Fazit meiner "Doc und Hexe" - Vorbereitung?

1. Großer Respekt vor der Chirurgie! Und weniger Angst vor Operationen.

2. Meine persönliche Lehre: in Zukunft möglichst wenig Untersuchungen machen zu lassen.

3. Weiterhin viel Sport

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