"Älterwerden ist nichts für Feiglinge"

Interview mit Christian Redl

In diesem melancholischen Krimi spielt Christian Redl den Kommissar Thorsten Krüger, der den Mord an Daniel Bartko aufklären soll. Wie die Witwe Tanja Bartko wurde auch er von seiner großen Liebe verlassen und muss sich mit dem Alleinsein zurecht finden. Im Interview spricht er über seine Rolle und verrät, wie er sich mit dem Älterwerden auseinandersetzt.

Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl, l.) und Polizist Fichte (Thorsten Merten, r.) Quelle: ZDF


ZDF: Herr Redl, zwischen Kommissar Krüger und Tanja Bartko existiert eine geheimnisvolle Spannung. Wie würden Sie diese näher beschreiben?

Der Tote im Spreewald_Nadja Uhl Quelle: ZDF


Christian Redl: Thorsten Krüger findet Tanja Bartko attraktiv und anziehend, er würde ihr aus einem gewissen Taktgefühl heraus, aber weder verbal noch nonverbal zu nahe kommen. Es gibt daher auch nur eine einzige Szene, in der er sie umarmt, weil Tanja in dem Moment großen Trost braucht.



Tanja Bartko ist eine Illusion für Kommissar Krüger, sie verkörpert für ihn das, was man als eine begrabene Sehnsucht bezeichnen könnte. Wäre er um einige Jahre jünger, wäre Nadja eine Frau gewesen, mit der er hätte zusammen sein wollen. Durch sie wird er einmal mehr mit seinem Alter konfrontiert. Ihm wird deutlich, dass es solche Möglichkeiten des Zusammenkommens in seinem Leben nicht mehr geben wird. Das stimmt ihn melancholisch und auch ein bisschen wehmütig. Die Gefühle, die Krüger Tanja gegenüber empfindet, haben nie etwas Anzügliches, nie etwas Unangenehmes. Das gefällt mir sehr gut. Ich finde diesen Strang innerhalb der eigentlichen Geschichte - der Lösung des Kriminalfalls - sehr fein erzählt und möchte an dieser Stelle betonen, dass es eine wundervolle Erfahrung war, mit Nadja Uhl zu arbeiten. Eine bessere Besetzung hätte ich mir nicht vorstellen können. Nadja ist eine uneitle, kritische Kollegin, die lachen kann und Szenen mit Genauigkeit auf den Grund geht.


ZDF: Krüger ist ohnehin ein eher verschlossener Typ, der nicht viel von sich preisgibt.Redl: Er ist sicherlich ein introvertierter Mensch, aber er muss ja auch mit seiner neuen Situation im Spreewald erst einmal zurechtkommen! Er ist immerhin der Liebe wegen aufs Land gegangen. Jetzt hat ihn seine Freundin verlassen und er ist mit dem Zustand des Alleinseins und Älterwerdens konfrontiert. Krüger fühlt sich einsam und in diesem Gefühl stimmt er mit Tanja Bartko überein. Beide sind zwei einsame Seelen, die versuchen, über die Zeit zu kommen - ohne Hoffnung und Perspektive. Aber Krüger wird seinen Weg finden.

Für mich war diese Arbeit, auch diesen Aspekt betreffend, interessant und reizvoll, denn auch ich persönlich setze mich intensiv mit dem Älterwerden auseinander. Es wird einem zunehmend bewusst, dass die Lebenszeit immer knapper wird und man kostbar mit der verbleibenden Zeit umgehen sollte. "Älter werden ist nichts für Feiglinge", sagte einmal ein Freund zu mir. Das empfinde ich auch so, und es entspricht ebenso Kommissar Krügers Grundgefühl.
ZDF: Sie haben das zweite Mal im Spreewald gedreht. Hat die ganz eigene, nahezu mystische Stimmung Ihre Arbeit beeinflusst?


Redl: Der Spreewald ist eine schöne, unverbrauchte Landschaft, die mich schon bei unserem ersten Krimi faszinierte. Fast wie im Märchen! Der Wald hat etwas Geheimnisvolles, Düsteres, es herrscht ein ganz besonderes Klima, eine ganz seltsame Atmosphäre. Ich würde aber nicht sagen, dass sie meine Arbeit beeinflusst hat. Die Kameraführung finde ich großartig und die Nutrias, die im Übrigen ganz possierliche Tierchen sind, passen wunderbar in dieses märchenhafte Umfeld hinein.

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