"Auch ich steckte schon in Schwierigkeiten"

Interview mit Schauspieler Roeland Wiesnekker

Roeland Wiesnekker verkörpert die Rolle des Hausmeisters und Ex-Alkoholikers Andi. Als der charmante Gitarrist die überkorrekte Gerichtsvollzieherin Carla kennenlernt, ist er sofort von ihr fasziniert. Im Interview spricht Wiesnekker über Sucht, die Zusammenarbeit mit Schauspielkollegin Barbara Auer und das Aufeinandertreffen der beiden Figuren mit ihrem höchst unterschiedlichen sozialen Status.

Carla und Andi
Carla und Andi


ZDF: Sie haben schon mehrfach einen Alkoholiker gespielt. Was war das Besondere an dieser Figur?


Roeland Wiesnekker: Ich habe tatsächlich zuerst ein wenig gezögert. Aber der Reiz der Figur bestand für mich unter anderem darin, dass sie sich weiterentwickelt, einen Prozess und eine Wandlung durchmacht und am Ende des Films eine andere Person ist als am Anfang. Ich habe mich zur Vorbereitung mit trockenen Alkoholikern unterhalten dürfen. Es wurde mir aus den Gesprächen ersichtlich, wie schwer sie zu kämpfen haben. Jeden Tag aufs Neue dem "Dämon", wie die Leute bei den anonymen Alkoholikern sagen, zu widerstehen. Andi kämpft an allen Fronten: gegen die Behörden, gegen einen Rückfall in die Sucht, für das Sorgerecht seines Kindes und für eine neue Liebe.


ZDF: Wieviel Kampfesgeist steckt in Ihnen privat?


Wiesnekker: Ich bin auch eine Kämpfernatur, wenn es sein muss (lacht)! Auch ich steckte schon in Schwierigkeiten.


ZDF: Aber nicht mit Alkohol, oder?


Wiesnekker: Nein, ich trinke gerne mal ein Glas Wein. Aber wenn Sie mich auf eine Patentlösung ansprechen: Nein, eine solche habe ich nicht. Ich denke aber, dass ein Verbot per Gesetz, eine Kriminalisierung des Alkoholgenusses nichts bringen würde. Wieviel jeder verträgt und trinkt, sollte jeder erwachsene Mensch selber entscheiden dürfen. Bei Kindern und Jugendlichen bin ich aber durchaus mit gesetzlichen Maßnahmen einverstanden und da stehen auch die Eltern in der Pflicht.


ZDF: Welche Süchte haben Sie?


Wiesnekker: Ich rauche zu viel.


ZDF: Carlas Filmtochter beklaut ihre Mutter. Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Kind das auch tun würde?



Wiesnekker: Dafür ist mein Sohn noch zu klein. Ich würde wohl mit ihm reden und fragen, warum er das macht, wofür er es braucht einen großen Skandal würde ich daraus nicht machen. Ich habe als Kind und Jugendlicher auch geklaut. Das haben wohl viele gemacht.


ZDF: Hatte das Klauen für Sie damals Konsequenzen?


Wiesnekker: Nicht direkt. Dass ich anschließend auf das Internat gegangen bin, war das Ergebnis von einem Sammelsurium von Umständen.


ZDF: Wie haben Sie mit Filmpartnerin Barbara Auer zusammengearbeitet?



Wiesnekker: Es war unsere erste Zusammenarbeit, und sie war sehr toll. Barbara ist sehr professionell und war trotzdem sehr offen für alle Vorschläge, wie wir die teils heiklen Szenen spielen sollen.


ZDF: Hat es Ihnen etwas ausgemacht, sich nackt vor der Kamera zu zeigen?


Wiesnekker: Es ist nie angenehm, nackt vor fünf bis zehn Leuten zu spielen. Die Szene war aber in sich schlüssig und für den Fortgang der Geschichte notwendig. Hierzu braucht es einen sensiblen Regisseur, sensible Mitarbeiter und eine gute Partnerin. Dies war in diesem Falle alles gegeben.

ZDF: Und wie sympathisch finden Sie die Gerichtsvollzieherin?



Wiesnekker: Ja, eigentlich mag ich Carla. Wenn ich mir diese Frau so anschaue, folge ich ihr gerne. Auch wenn ich in manchen Filmsituationen fragte: Warum verhält sie sich jetzt so unmöglich?


ZDF: Können Sie nicht nachvollziehen, dass Carla ein überkorrekter Typ ist?


Wiesnekker: Doch schon, auch wenn ihr Verhalten sie zwischendurch unsympathisch macht. Barbara Auer hat genau diesen Widerspruch so fantastisch gespielt, auch die Tatsache, dass diese Gerichtsvollzieherin dann über ihre eigene Korrektheit stolpert. Es gibt sicher viele Leute, die im Beruf knallhart sind und diese Haltung dann mit ins Privatleben nehmen. Oder die Arbeit hat sie schon so hart gemacht, dass sie emotionale, menschliche Reaktionen gar nicht mehr zulassen.


ZDF: Carla und Andi spielen in einem Orchester das gemeinsame Musizieren ist Spiegel der Harmonie in ihrer Beziehung. Wie wichtig ist Ihnen Musik persönlich?



Wiesnekker: Sehr, sehr, sehr! Ich mache selber leider zu wenig und ich habe viel Musik gemacht. Ich find das was sehr Schönes. Ich spiele Gitarre, deshalb auch manche Akkorde im Film selbst. Aber ein argentinischer Tango ist schon sehr schwierig, und bei den Gitarren-Solos wurden Aufnahmen von einem Profi unterlegt. Früher habe ich durchaus auch Flamenco gespielt, aber ein Tango ist etwas ganz anderes.


ZDF: Wie kamen Sie mit Regisseur Johannes Fabrick am Set zurecht?
Wiesnekker: Die Arbeit mit ihm hat mir sehr gut getan. Sie ist zwar nicht einfach, aber sein Anspruch sehr inspirierend. Johannes Fabrick hat mich daran erinnert, warum ich Schauspieler werden wollte: Weil ich Seele, Psychologie und Physiologie eines Menschen erforschen möchte.

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