Beim Witz muss das Timing stimmen

Interview mit der Autorin Gerlinde Wolf

Der Zweiteiler "Der Doc und die Hexe" ist eine humorvolle Auseinandersetzung der westlichen Schulmedizin mit der chinesischen Heiltradition. Um das medizinische Umfeld der Handlung im Drehbuch möglichst genau zu treffen, befragte die Autorin Fachärzte beider Ausrichtungen. Als eine besondere Anregung beim Schreiben der Kömodie erwies sich dabei die Wahl der beiden Hauptdarsteller, die von Anfang an fest stand.


ZDF: Das Drehbuch zeichnet sich durch intime Kenntnisse des menschlichen Umgangs und des Sprachjargons im Krankenhaus aus. Woher nehmen Sie dieses Wissen?


Gerlinde Wolf: Lektüre alleine ist nicht genug. Wenn man authentisch erzählen will, muss man das Haus verlassen, die Menschen im Alltag erleben mit all ihren Fehlern und Vorzügen, ihren Ängsten, ihrer Wut, ihrem Gelächter. Die Recherche in diesem Fall hat mich in eine Klinik geführt, eine internistische Praxis, eine chinesische Praxis, und ich hatte die Freude, auf kluge und geistreiche Ärzte zu treffen, die mich sehr inspiriert haben.


ZDF: Der Film thematisiert einen wohl andauernden Streit zwischen klassischer Schulmedizin und traditionellen chinesischen Heilmethoden. Wie haben Sie sich dieser Problematik genähert?


Wolf: Da mich beide Fachrichtungen überzeugen, jedoch selten gleichzeitig, bringe ich Verständnis auf für ihren Dauerstreit. Die Methoden unterscheiden sich viel zu sehr, als dass eine grundsätzliche Einigung zu erzielen wäre. Die westliche Medizin vertraut auf das vor allem im Labor konkret Nachweisbare. Für die Chinesische Medizin bringt eine Erkrankung eine Störung des Energieflusses (Qi) mit sich. Ein Leistenbruch bringt aus Sicht der TCM zum Beispiel eine "Kälte in der Leberlaufbahn" mit sich. Erzählen Sie das einem Chirurgen und er wird sich die Haare raufen.


ZDF: Haben Sie selbst bereits Erfahrungen mit der Anwendung der Methoden Traditioneller Chinesischer Medizin gemacht?



Wolf: Aber ja, und ob! Vor zwei Jahren im Winter litt ich an heißen Füßen. Tagsüber lief ich barfuss, Schuhe waren kaum auszuhalten. Nachts stand eine Schüssel Eiswasser an meinem Bett, denn mit heißen Füßen schläft man bestenfalls schlecht. Die Schulmediziner entließen mich allesamt ratlos, ohne Befund. Die TCM kennt das Phänomen zum Glück, und inzwischen bin ich kuriert. Diese persönliche Erfahrung mit der chinesischen Medizin hat nun eine Patientin im Film. Allerdings möchte ich ausdrücklich betonen, dass Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen rein zufällig sind. Und dass ich die Reste des Kräutersuds, den ich damals zu trinken hatte, nach dem Abkochen auf den Balkon stellen musste, weil sie so dermaßen gestunken haben, ist ebenfalls frei erfunden. Oder doch nicht?


ZDF: Hatten Sie beim Schreiben der Komödie die Hauptdarsteller schon im Sinn oder ist die Besetzung eine besondere Fügung?


Wolf: Die Hauptrollen standen von Anfang an fest, was ich beim Schreiben als sehr motivierend empfunden habe. In meinen Augen ist das Ensemble insgesamt eine ganz besonders glückliche Fügung. Was nützt ein Witz, wenn das Timing nicht stimmt? Wie soll man lachen, wenn man nicht mitfühlen kann? Komödie ist Schwerstarbeit für jeden Schauspieler, denn sie kann sehr schnell zur Klamotte verkommen, wenn der tragische Unterton fehlt, die Figuren nicht ernst genommen werden. Der Spagat ist in diesem Film gelungen, und ich habe großen Respekt vor dieser Leistung.
ZDF: Was würden Sie sich für das Miteinander der Ärzte verschiedener Fakultäten wünschen?


Wolf: Interesse, Respekt und Humor.

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