Bernd Fröhlich - Einer von Vielen

Eine persönliche Randnotiz von Autorin Anne Müller

Drehbuchlehrer Robert McKee rät Komödienautoren auf der Suche nach einem Stoff, sich zu fragen, worüber sie so richtig wütend sind. Immer wenn mir Bekannte von ihren Erfahrungen mit dem Jobcenter erzählten, von unprofessionellen Seminaren, von 1-Euro-Jobs, mit denen man ihnen Hoffnung machte, aus denen sie aber nie übernommen wurden, dann regte mich das wahnsinnig auf.

So entstand die Idee zu einer Komödie über den arbeitslosen Familienvater Bernd Fröhlich, der seinen grundsoliden Job in der Automobilbranche verloren hat und was das mit ihm als Mensch und seinem Selbstwertgefühl macht.

Gefundenes Fressen

Bei den Recherchen im Vorfeld nannte es ein Berater von der Arbeitslosenseelsorge menschenunwürdig, dass jemand zusätzlich zum Jobverlust, bei der "Agentur für Arbeit" immer wieder das Gefühl vermittelt bekommt, er sei potentiell ein Täter, ein Sozialbetrüger. Es würde auch nicht auf gleicher Augenhöhe beraten, wie der Begriff "Kunde" suggerieren soll, denn es drohe immer die Sanktion. Genau dieses Machtgefälle habe ich - überspitzt natürlich - bei Bernds Terminen mit seinem Fallmanager zeigen wollen.

Glück hatte ich auch mit einem Fallmanager. Er gab mir viele interessante Informationen aus dem Innenleben der Agentur, unter anderem welche Maßnahmen man ergreifen würde, um jemanden wie Bernd wieder in Arbeit zu bringen. Das Jobcenter-Deutsch mit seinen typischen Begrifflichkeiten war ein gefundenes Fressen für die Drehbuchdialoge.

Ironischer Seitenhieb

Kein Wunder, dass Bernd seinen Fallmanager hasst wie die Pest, der ihm rät, auch mal "querzudenken" und ihn in "Maßnahmen" mit Titeln wie "Aktivieren und Orientieren" oder "Orientieren und Motivieren" unterzubringen versucht. Bernd wird Opfer eines Systems, das sich schwer damit tut, ältere Arbeitslose zu vermitteln, ein System, das Arbeitslosigkeit verwaltet und dem als Krönung der 1-Euro-Job eingefallen ist, die "Beschäftigung in einer Maßnahme mit Mehraufwandsentschädigung".

Dass es in der Geschichte in dem Moment, als sich Bernds Fallmanager wirklich für ihn und seine Stärken interessiert, zu einer gelungenen Vermittlung kommt und am Ende aus dem 1-Euro-Job eine feste Stelle wird, ist durchaus als ironischer Seitenhieb der Autorin zu verstehen. Ebenso wie Wolf Lämmles Kommentar im letzten Bild: "Also, das ist ja ein Wunder! Das ist ja noch nie vorgekommen, dass ein 1-Euro-Jobber übernommen wurde. Dass ich das noch erleben darf!"

Ernstes Thema humorvoll verpackt

Drehbuchautoren sind nicht dazu da, Lösungen für politische und gesellschaftliche Probleme, die uns auf den Nägeln brennen, zu finden. Drehbuchautoren erfinden, vom Leben inspiriert, Figuren und Geschichten. Die Komödie ist dabei für Autoren das Trojanische Pferd: Ein im Grunde ernstes Thema wird humorvoll verpackt. Und laut Humorfachmann John Vorhaus wird es immer dann lustig, wenn Wahrheit und Schmerz zusammenkommen. Da sehr früh in der Entwicklung der Geschichte feststand, dass Jürgen Tarrach die Hauptrolle des Bernd Fröhlich spielen würde, hatte ich als Autorin den unschätzbaren Vorteil und die große Freude, diesem Schauspieler seine Rolle - im wahrsten Sinne - auf den Leib schreiben zu können. Mir war dabei klar, dass, egal, was ich meiner Hauptfigur Bernd noch alles zumuten würde, Jürgen Tarrach es immer mit einer menschlichen Wärme spielen und rüberbringen würde.

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