"Bewegende Bilder von einer vergessenen Zeit"

Interview mit Ulrich Tukur

Die Kino-Koproduktion "John Rabe - Der gute Deutsche von Nanking" hat bereits viel Aufsehen erregt: Vier Goldene Lolas, internationale Publikumspreise und den Bayerischen Filmpreis für die Produzenten und für Ulrich Tukur. Seine Erfahrungen mit diesem herausragenden Projekt teilt der Künstler im nachfolgenden Gespräch.

John Rabe (Ulrich Tukur) mit einer riesigen Hakenkreuz-Fahne
John Rabe (Ulrich Tukur) mit einer riesigen Hakenkreuz-Fahne Quelle: ZDF


ZDF: "John Rabe" war von Anfang an ein Grenzgang für alle Beteiligten und hat national wie international viel Aufmerksamkeit erreicht und viel bewegt. Schwierigen Dreharbeiten folgten eine umjubelte Premiere, kritische Berichte ebenso wie wahre Elogen, folgten vier deutsche Filmpreise. Wie ist Ihr persönliches Resümee zum Gesamtprojekt "John Rabe"? Ulrich Tukur: Ich bin sehr froh, diesen Film gemacht zu haben. Es war nicht nur eine intensive Erfahrung, China in einer Phase seiner Entwicklung gesehen und erlebt zu haben, die uns allen den Atem verschlug. Es war ein viermonatiger Kampf, den wir allen Schwierigkeiten und Unkenrufen zum Trotz durchstanden, um am Ende doch noch einen Film hinzustellen, der seine Berechtigung hat und in bewegenden Bildern von einer vergessenen Zeit, einem geheimnisvollen Land und einem außergewöhnlichen Menschen erzählt.


ZDF: Sie haben in einem Interview gesagt, "dass sich die Anstrengung für diesen Film auszahlt, macht mich echt glücklich." Knüpfen Sie besondere Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche an die Ausstrahlung im Fernsehen?


Tukur: Ich freue mich für Florian Gallenberger, der so viel Arbeit und Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat, dass sein Film nun endlich so sichtbar wird, wie er es verdient, und dass wir die Zuschauer mit dem Hamburger John Rabe bekannt machen können, der in dunkler Zeit sein Herz in die Hand nahm und mit Humor, Anstand und Zivilcourage eine verlorene Situation herumriss und über 200.000 Menschen vor dem sicheren Tod rettete. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Geschichte jeder Kategorisierung oder ideologischen Rezeption entzieht, wie absurd und widersprüchlich sie verläuft, und dass am Ende nur zählt, ob wir dem Leben zugearbeitet oder es zerstört haben.


ZDF: Wo ordnen Sie für sich persönlich diesen Film und diese Hauptrolle ein? Man ist ja nicht für jedes Projekt mit so viel Herzblut unterwegs oder doch?
Tukur: "John Rabe" war in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Und auch für uns ging es ja oft vor Ort um alles oder nichts. Mich freut es immer, Menschen dem Vergessen zu entreißen, die Großes geleistet und dafür keine Anerkennung gefunden haben. Wir leben auf dem Rücken so vieler dahin gegangener Geschlechter, und nichts ist schöner, als unter all den Mitläufern und Mutlosen plötzlich Menschen zu entdecken, die zeigen, dass es auch anders hätte laufen können.

John Rabe (Ulrich Tukur) mit einer riesigen Hakenkreuz-Fahne
John Rabe_Tukur_int. Quelle: ZDF


ZDF: Sie sind ein mehrfach begabter Super-Künstler-Schauspieler- Sänger-Schreiber mit unglaublicher Präsenz, haben eine Meinung, äußern sie und stehen dazu. Wie haben Sie es geschafft - oder wie schafft man es - den deutschen Schubladen zu entkommen und sich diese große, persönliche Freiheit zu erhalten?




Tukur: Man kümmert sich einen Scheißdreck um alle kurzlebigen Moden, man kauft sich eine Ziehharmonika, übt ein bisschen, trägt Knickerbocker und zieht weg.

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