"Damals hatte man einen anderen Blick auf die Dinge"

Interview mit Hauptdarsteller Felix Klare

Felix Klare spielt den Hubschrauberpiloten Michael Bruckner, eine halbfiktive Figur, über deren reales Vorbild man bis heute nur wenig weiß. Zu den Ereignissen, von denen er tief betroffen war, wollte sich der Polizei-Pilot nicht öffentlich äußern. Der Schauspieler hat seine Figur daher hauptsächlich anhand der Situation und Szenen entwickelt.

Felix Klare (Rolle: Michael Bruckner), Bernadette Heerwagen (Rolle: Anna Gerbers).
Felix Klare (Rolle: Michael Bruckner), Bernadette Heerwagen (Rolle: Anna Gerbers). Quelle: ZDF


ZDF: Sie sind 1978 geboren - sechs Jahre nach den Olympischen Spielen. Wie präsent waren Ihnen die Geschehnisse, bevor Sie sich für den Dreh damit beschäftigt haben?


Felix Klare: Über das Attentat war ich recht gut informiert. Zum einen durch den Geschichtsunterricht, zum anderen weil ich mich schon immer für Geschichte interessiert habe - auch für die Olympischen Spiele und was damit 1972 in München verbunden war. Da ich in München aufgewachsen bin und wieder hier lebe, wusste ich sehr gut über die Geschehnisse und die politischen Hintergründe Bescheid.



ZDF: Wie haben Sie sich auf den Dreh und Ihre Rolle vorbereitet?


Klare: Meine Rolle ist ja "halbfiktiv". Den Hubschrauberpiloten, den ich spiele, hat es tatsächlich gegeben. Fiktiv an seiner Figur ist die Liebesgeschichte mit der jungen Polizistin. Trotzdem wollte ich unbedingt alles herausfinden, was über den "echten" Hubschrauberpiloten in Erfahrung zu bringen war. Schwierig daran war, dass er sich nach dem gescheiterten Befreiungsversuch nie mehr öffentlich geäußert hat. Er war einer der Wenigen, die nichts mehr dazu sagen wollten. Ich konnte mir daher nur ein sehr vages Bild von ihm machen und habe versucht, meine Figur anhand der Situation und der Szenen zu entwickeln.


ZDF: Ihre Figur Michael Bruckner ist vom demokratischen "Geist von München" begeistert. Gewalt und Demonstrationen wollte man damals mit Fangnetzen und Bonbonkanonen begegnen. Ist diese Haltung im Nachhinein für Sie nachvollziehbar?



Klare: Das klingt natürlich erst einmal völlig abwegig. Aber damals hatte man einfach einen anderen Blick auf die Dinge. Heutzutage lässt sich leicht erklären, wie dieser terroristische Anschlag geschehen konnte. Damals aber war die Terrorgefahr bei weitem nicht so präsent. Der Zweite Weltkrieg war noch nicht lange her, und man wollte bei den ersten Olympischen Spielen nach 1936 ein positives und gewaltfreies Bild von Deutschland vermitteln.

Die Verantwortlichen haben sich ja durchaus etwas dabei gedacht, dass beispielsweise die Polizisten keine Waffen tragen sollten. Trotzdem muss die Sicherheit der Sportler, Akteure und Zuschauer natürlich gewährleistet sein. Die Herangehensweise finde ich daher grundsätzlich nicht verkehrt, man hätte nur einen Plan B in der Hinterhand haben müssen.
ZDF: Issa unterstellt den Deutschen eine Mitschuld am Konflikt zwischen Israel und Palästina. Beurteilen Sie die Rolle Deutschlands nach der Auseinandersetzung mit dem Thema anders als vor dem Dreh?


Klare: Ich glaube, dass sich Deutschland möglichst schnell aus diesem Konflikt herausziehen wollte, da kein deutscher Geiselnehmer oder keine deutschen Geiseln involviert waren. Deutschland war lediglich der Ort, an dem das Attentat geschah. Man war in einer schwierigen Lage und stand vor der Entscheidung, wem man helfen sollte. Auf der einen Seite waren die Israelis, denen man sich aufgrund des Zweiten Weltkrieges verpflichtet fühlte. Auf der anderen Seite wollte man sich nur ungern in den Konflikt einmischen, mit dem man eigentlich nichts zu tun hatte. Zudem wurde Deutschland zu dieser Zeit noch von den Alliierten kontrolliert. Allein aus diesem Grund hätte man außenpolitisch gar nicht eingreifen können.



ZDF: Sie leben in München, wo an Originalschauplätzen wie der Connollystraße gedreht wurde. Haben die Dreharbeiten Ihren Blick auf die Stadt verändert?



Klare: Eine Freundin von mir hat in der Nähe der Connollystraße gewohnt - in dem Häuserblock, in dem wir gedreht haben. Daher kannte ich die Gegend recht gut. Es war mir schon immer ein Rätsel, wie man dort wohnen kann. Dann selbst in der Connollystraße zu drehen, die furchtbaren Ereignisse, die dort passiert sind, nachzuspielen und dabei im Hinterkopf zu haben, dass dort ganz selbstverständlich Menschen wohnen, war sehr befremdlich.

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