Das Kriegsende in Norddeutschland

Ein historischer Überblick

Im April 1945 ist der Krieg für die Deutschen längst verloren. Hitler bestimmt am 29. April den Marine-Oberbefehlshaber Karl Dönitz zu seinem Nachfolger, bevor er am 30. April Selbstmord begeht. Am 2. Mai kapituliert Berlin vor der Roten Armee. Gleichzeitig dringen die Briten weiter Richtung Hamburg und Lübeck vor, damit das als Landbrücke nach Norden wichtige Schleswig-Holstein nicht Stalin in die Hand fällt.

Während Dönitz noch einmal alle verfügbaren Kräfte am Nord-Ostsee-Kanal zusammenzieht, beginnt die Auflösung der Wehrmacht. Ganze Einheiten entledigen sich ihrer Waffen in Flüssen oder Seen. U-Boot-Besatzungen versenken ihre Boote. Am 5. Mai beginnt die Waffenruhe. Zwei Tage später unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl, Chef des Wehrmachtführungsstabes, in Reims die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte zum 9. Mai.

Angst vor Widerstandsbewegung

Die Deutschen stehen unter Besatzungsrecht. Die zwei Millionen noch in der britischen Zone befindlichen deutschen Soldaten müssen nun Befehle der britischen Militärbehörden ausführen. Aus Angst vor einer Widerstandsbewegung halten die Alliierten am "Fraternisierungsverbot" fest. Es besagt, dass alliierte Soldaten keinerlei gesellschaftlichen Umgang mit Deutschen pflegen dürfen, da von ihnen eine Gefahr ausgehe.

Mit dem Operationsplan "Eclipse" richten die Briten vier Internierungsräume in ländlichen Gegenden an der Nordseeküste ein. Etwa eine Million Wehrmachtsoldaten werden allein an der schleswig-holsteinischen Westküste (Sperrgebiet G/Dithmarschen-Eiderstedt) und in Ostholstein (Sperrgebiet F) gesammelt. Zur Lenkung der Soldaten und zu ihrer Entwaffnung benötigen die Briten noch die deutschen Hauptquartiere. Um den Internierten nicht die Rechte von Kriegsgefangenen geben zu müssen, bezeichnen die Briten sie als "Kapitulationsgefangene" oder "Surrendered Enemy Personnel".

Kommunale Selbstverwaltung

Der 23. Mai 1945 markiert das endgültige Ende des Dritten Reiches. Doch in den Internierungsgebieten gelten die alten militärischen Strukturen der Wehrmacht - unter Friedensbedingungen - fort. Deutsche Offiziere haben nach wie vor für die "Manneszucht" (Disziplin) ihrer Einheiten zu sorgen, die auf Bauernhöfen und Weiden campieren. Die Briten überlassen die entwaffneten Wehrmachtsoldaten weitgehend sich selbst. Doch wer aus dem Sperrgebiet G zu fliehen versucht, muss mit Schüssen britischer Posten rechnen. Im Juni 1945 werden die ersten Internierten freigelassen, um die Ernte einbringen zu können. Die Zahl der Internierten in Sperrgebiet Dithmarschen-Eiderstedt sinkt von 410.000 Anfang Juni auf 90.000 im Oktober. Am 5. November wird der Internierungsraum aufgelöst.

Nach und nach lassen die Engländer auch eine kommunale Selbstverwaltung zu. Besiegte und Sieger arbeiten zunehmend vertrauensvoll zusammen, um gegen Hunger, Wohnungsnot und Kälte vorzugehen. Das Fraternisierungsverbot wird gelockert und später ganz aufgehoben. In der US-amerikanischen Besatzungszone kommt es bis zum Jahr 1949 zu geschätzten 33.000 Eheschließungen zwischen amerikanischen GIs und deutschen Frauen.

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