Das Leben und die Dreharbeiten in Südafrika

Persönliche Randnotiz von Autorin und Regisseurin Stefanie Sycholt

Ich bin in Südafrika geboren. Meine Eltern, die Deutsche sind, reisten im Auftrag einer deutschen Zeitung in den frühen 1960er Jahren nach Südafrika - und blieben. Mein Vater, ein Fotograf, hatte eine große Leidenschaft für wilde Tiere und das südafrikanische Bushveld entwickelt.

Silke Bodenbender beim Dreh mit Regisseurin Stefanie Sycholt
Silke Bodenbender und Stefanie Sycholt (r.) Quelle: ZDF

Bis ich 25 war, habe ich Südafrika nie verlassen. Und es ist nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass meine innere Landkarte südafrikanisch geprägt ist. Die Lebendigkeit, aber auch die Schwierigkeiten dieses Landes hatten großen Einfluss auf mich.

Grenzüberschreitung

In meiner Kindheit habe ich in den Ferien immer meinen Vater begleitet, der in der Wüste und im Bushveld fotografierte. Für mich war das ganz normal - wie für Lena im Film. Es gibt sogar einige Fotos von mir mit Leoparden und anderen wilden Tieren. Ein wirklicher Mowgli oder Tarzan war ich allerdings nie. Sonst würde ich heute nicht hier sitzen, sondern im Busch leben mit den Tieren. Erst als ich nach Deutschland kam, um an der HFF in München Film zu studieren, wurde mir bewusst, dass meine Kindheit sehr anders und besonders gewesen ist.

Trennende Mauer

Ich habe jahrelang Geschichten, Bücher, Artikel, Fotografien und persönliche Beschreibungen von Menschen gesammelt, die mit Löwen in Kenia, Botswana und Südafrika leben. Mich fasziniert ihre Hingabe, die unglaubliche Art der Kommunikation, die Grenzüberschreitung zwischen Mensch und Tier.
Als Oliver Berben Kontakt zu mir aufnahm und mir sagte, er plane einen Film über ein Mädchen, das mit den Tieren sprechen kann, wusste ich sofort, welche Geschichte ich erzählen wollte. Ich habe eine besondere Verbindung zu Löwen und großen Respekt vor diesen Tieren. Es stimmt mich traurig, dass ihre Population in Afrika dramatisch abnimmt. Wenn sich die Situation in gleichem Maße wie bisher entwickelt, wird es in 20 Jahren vielleicht keine Löwen mehr geben.

Die Menschen haben die Fähigkeit, mit Tieren zu kommunizieren, weitgehend verloren - weil wir zu uns selbst nicht mehr ehrlich sind. Wir sind voller Angst und mit uns selbst beschäftigt und stehen unter so einem großen Druck, die Erwartungen anderer zu erfüllen, dass dadurch eine Mauer entstanden ist - zwischen uns, unseren Mitmenschen und der Natur.

Immense Herausforderung

Ich denke, es gibt in uns allen die große Sehnsucht nach dem Paradies, in dem wir alle friedlich mit den Tieren zusammenleben. Das ist vermutlich auch der Grund, warum die Geschichten um Tarzan und Mowgli einen so großen Reiz ausüben. Das hatte ich im Hinterkopf, als ich am Drehbuch arbeitete und versuchte, ein fesselndes Drama zu schreiben. Gleichzeitig war mir wichtig, glaubwürdig zu erzählen. Ich habe permanent hinterfragt, ob etwas für das Drehbuch funktioniert oder nicht. Kevin Richardson, der "Löwenflüsterer", war mir dabei eine große Hilfe.


Die Dreharbeiten waren, wie man sich vorstellen kann, eine immense Herausforderung. Es gab viele Szenen mit potenziell gefährlichen Tieren. Ein Löwe ist eben ein wildes Tier und kein Schauspieler. Man kann nicht "Action" rufen und erwarten, dass er genau das tut, was im Skript steht. Wir haben mit zwei Teams gedreht. Die Second Unit war sehr klein und für die risikoreicheren Szenen mit den Löwen zuständig, in denen Kevin Richardson gedoubelt hat. Kevin war sehr auf Sicherheit bedacht und hat darauf geachtet, dass nur die Kollegen am Set waren, die unbedingt dabei sein mussten. Denn je mehr Menschen sich in der Nähe eines Löwen aufhalten, desto größer ist die Gefahr, dass das Tier nervös wird.

Magie und Energie

Die Kinderdarsteller haben wir bereits zwei Monate vor Drehbeginn gecastet. Mir war wichtig, dass sie genug Zeit hatten, um sich mit den kleinen Löwen vertraut zu machen und sich auf die Tiere einzustellen. Es war ganz wunderbar zu sehen, wie sich im Lauf der Zeit eine tiefe Liebe zwischen den Kindern und den kleinen Löwen entwickelt hat. Viele haben mich für verrückt erklärt, diesen Film zu drehen - mit Löwen, kleinen Kindern, deutschen wie südafrikanischen Schauspielern und mit einem Fernsehfilm-Budget. Mag sein, vielleicht bin ich tatsächlich ein bisschen verrückt. Aber die Dreharbeiten haben vieles entschädigt und ich bin überzeugt davon, dass die Magie und Energie, die während des Drehs zu spüren waren, auch für den Zuschauer spürbar sind.

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