"Den Gefühlen eine Plattform verleihen"

Interview mit Luis Borda

Luis Borda hat den Tango im Blut. Da er in einer Tango-Familie geboren wurde und schon lange in Deutschland lebt, kennt er auch alle deutschen Musiker und Interpreten des Tango. Im Fernsehilm "Ich habe es Dir nie erzählt" hat er selbst die Rolle des Orchesterleiters Roberto übernommen. Dies war für ihn neben der Kreation der richtigen Stimmung eine große Herausforderung.

Andi (Roeland Wiesnekker, li und der Orchesterleiter Roberto (Luis Borda, re.) musizieren. Carla (Barbara Auer, M) im Hintergrund
Andi (Roeland Wiesnekker, li und der Orchesterleiter Roberto (Luis Borda, re.) musizieren. Carla (Barbara Auer, M) im Hintergrund Quelle: ZDF


ZDF: Bitte beschreiben Sie Ihre musikalische Rolle in diesem Film.


Luis Borda: Ich selbst stamme aus einer "Tango-Familie" aus Buenos Aires und kenne daher die Sprache des Tangos in all ihren Facetten schon seit meiner Kindheit. Da ich aber seit etwa 15 Jahren in Deutschland lebe, kenne ich auch viele deutsche Musiker, Profis und Amateure, die Tango-Musik lieben und interpretieren. Ich konnte mich daher gut in die Filmwelt hinein versetzen und die Original Tango-Stücke komponieren, die für "Ich hab es dir nie erzählt" erwünscht waren.


ZDF: Was war dabei die besondere Herausforderung?


Borda: Die besondere musikalische Herausforderung war es für mich, die richtige Stimmung zu kreieren. Tango ist eine sehr emotionale Musik. Carla und Andi in diesem Film leben sehr viele Gefühle unterschiedlichster Art. Aber vieles davon passiert in ihrem Inneren und wird von ihnen schon lange verdrängt und unterdrückt. Die Musik bietet eine Plattform den Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ohne darüber sprechen zu müssen. Dies war nicht einfach, aber ich glaube und hoffe, dass es mir gut gelungen ist. Eine weitere persönliche Herausforderung gab es aber auch noch, und zwar als der Regisseur mich fragte, ob ich den "Roberto" spielen wollte. Auch wenn es um einen Musiker geht, der in Deutschland lebt, Gitarre spielt und außerdem eine Tango-Gruppe mit deutschen Musikern leitet - also mehr oder weniger, dass, was ich auch wirklich im Leben tue - war es sehr ungewöhnlich und aufregend für mich, dies vor einer Kamera zu tun. Aber ich muss sagen, es war eine wunderbare Herausforderung, die ich sehr genossen habe - auch weil es ein wirklich tolles Filmteam war, das mich sehr unterstützt und mir dabei geholfen hat.


ZDF: Welche musikalischen Aspekte sind Ihnen besonders gelungen?


Borda: Mein zentrales Stück in diesem Film ist "Tiempo de Soledad" (Zeit der Einsamkeit), das vom Ensemble immer wieder geprobt wird. Es gibt eine Szene in dem Film, die mir besonders gut gefällt und in der meine Musik eine wichtige Rolle spielt. Ich denke, hier ist die Musik sehr gelungen, weil sie die Geschichte so gut trägt und beides perfekt ineinander greift: Carla und Andi spielen im Duo vor der Probe mit den anderen Musikern das Stück "Zeit der Einsamkeit" und haben plötzlich gemeinsam einen Moment der Intimität und Leichtigkeit, den sie sich in ihrem "normalen" Leben so sehr wünschen, aber der ihnen nicht gelingen will.


Hier kommunizieren sie über die Musik und über Blicke so einfach miteinander, dass man daran glaubt, dass diese beiden doch noch zueinander finden könnten. Sehr schön gelungen ist auch, als die beiden sich schon wieder getrennt haben und die "Milonga Triste" diese Momente mit reiner Gitarrenmusik begleitet. Johannes Fabrick hat diese Szenen ohne Sprache wunderbar umgesetzt und lässt die Musik alle Gefühle zum Ausdruck bringen. Hier finde ich, ist der Tango eine sehr gute Wahl und mir - vielleicht - auch ganz gut gelungen.

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