"Den Konflikt mit fiktionalen Mitteln verdeutlichen"

Interview mit Hauptdarsteller Benjamin Sadler

Benjamin Sadler spielt die Rolle des damaligen Adjutanten des Bundesinnenministers und späteren Leiters der GSG9, Ulrich K. Wegener. Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher hatte ihn zu dieser Zeit zu sich gerufen, um sich in Sicherheitsfragen beraten zu lassen. Seine Recherche gründete Sadler in erster Linie auf das damalige Pressematerial, sah seine Aufgabe dann aber vorrangig in der Interpretation seiner Figur mit fiktionalen Mitteln.

Stephan Grossmann (Rolle: Hans Dietrich Genscher), Benjamin Sadler (Rolle: Ulrich K. Wegener)
Stephan Grossmann (Rolle: Hans Dietrich Genscher), Benjamin Sadler (Rolle: Ulrich K. Wegener) Quelle: ZDF


ZDF: Beschreiben Sie bitte Ihre Rolle.


Benjamin Sadler: Wegener war ja "nur" in beratender Funktion dabei und hatte somit die undankbare Aufgabe, den Verlauf nur bedingt beeinflussen zu können. Das war sicher frustrierend, hatte aber - wenn man aus den Geschehnissen etwas Positives ziehen kann - einen "positiven" Erfahrungswert, den er mit in die Gründung der GSG9 hat einfließen lassen - politisch wie auch sicherheitstechnisch.


ZDF: Haben Sie sich im Vorfeld der Dreharbeiten mit Ulrich K. Wegener ausgetauscht?


Sadler: Ich habe mich im Vorfeld erst einmal mit dem umfangreichen Bild- und Textmaterial aus der Zeit beschäftigt. Es ist erst einmal wichtiger, nicht nur das Ereignis zu betrachten, sondern auch das politische und soziale Umfeld der Zeit zu verstehen, aus dem Wegener kam und in dem er sich bewegt hat. Die persönliche Begegnung mit Herrn Wegener fand während der Drehzeit statt und war ein letzter entscheidender Hinweis für mich, dass die Grundhaltung, die sich aus meiner Recherche ergeben hatte, bestätigt wurde.


ZDF: Wie schwer ist es, sich vom Original zu lösen und seine eigene Sicht auf die Person in die Figur hineinzulegen?


Sadler: Die Aufgabe ist ja, reale Ereignisse - basierend auf den Fakten - fiktional umzusetzen. Hierbei sehe ich meine Aufgabe vor allem in der Chance, in unserer Interpretation, was die Figuren angeht, unsere Sichtweise des "Konflikts" mit den fiktionalen Mitteln meines Berufes zu verdeutlichen und herauszuheben. Dabei ergibt sich für mich automatisch eine gewisse Distanz zum "Original".

Heino Ferch (Rolle: Dieter Waldner), Rainer Bock (Rolle: Bruno Merk), Stephan Grossmann (Rolle: Hans Dietrich Genscher), Benjamin Sadler (Rolle: Ulrich K. Wegener), Christoph Zrenner (Rolle: Walter Tröger)
München 72_01 Gruppe Quelle: ZDF


ZDF: Sie waren erst kürzlich in dem Kinofilm "Wer wenn nicht wir" über die Anfänge der RAF zu sehen, deren Anführer 1972 verhaftet wurden. Was macht diese Zeit für Sie persönlich interessant?




Sadler: Am augenscheinlichsten ist die direkte Verbindung zu unserer heutigen Zeit zu sehen und wie aktuell gewisse Konflikte heute noch sind - und leider wohl noch sein werden. Die Form des "modernen" internationalen Terrorismus hat in der Zeit ja ihren Ausgangspunkt gehabt. Die Fragen bezüglich Sicherheitsrat, die sich daraus für den Gesetzgeber, aber auch für uns Bürger stellen, werden ja heute noch intensiv diskutiert. Eine Problemlösung lässt sich auch heute noch genauso wenig einfach beantworten wie damals.

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