Der unregierbare Riese im Herzen des afrikanischen Kontinents

Von Jörg-Hendrik Brase

Die Demokratische Republik Kongo - ehemals Belgisch-Kongo, später Zaire - ist eines der an natürlichen Ressourcen reichsten Länder Afrikas. Doch wegen dieses Reichtums an Bodenschätzen und Rohstoffen (Kautschuk, Tropenholz, Gold, Diamanten, Erze, Uran) wurde der Kongo zum Spielball internationaler Mächte. Allen voran hat die belgische Kolonialmacht den Kongo brutal unterdrückt und ausgeplündert.

Ein Land so groß wie Westeuropa


Genau 50 Jahre nach der Unabhängigkeit von Belgien geht es dem Land heute so schlecht wie ehedem. Lange hielten die Belgier, und nach der Unabhängigkeit die Diktatur Mobutu Sese Sekos, jeden militärischen Widerstand mit brutalsten Mitteln nieder. Nach dem Ende der Mobutu-Diktatur 1994 stürzte das Land in einen Bürgerkrieg, der bis heute rund fünf Millionen Opfer forderte, so viele wie kein anderer Konflikt seit dem Ende des zweiten Weltkriegs.Meist geht es um die Kontrolle der Bodenschätze oder um den Einfluss der Nachbarstaaten. Rebellenorganisationen aus Ruanda, Burundi, Uganda oder Angola kämpften auf kongolesischem Staatsgebiet, oft unterstützt aus dem Ausland. So wurde die heftigste Phase der Kongo-Kriege zwischen 1998 und 2002 gar als der "Afrikanische Weltkrieg" bezeichnet. Nach dem Völkermord in Ruanda führten Rebellengruppen der Hutu- (FDLR) und der Tutsi-Volksgruppe (CNDP) im Kongo einen Stellvertreterkrieg.

Die Regierungsgruppen von Präsident Kabila waren größtenteils machtlos gegenüber den Rebellen, die vor allem die Ostprovinzen des Kongo kontrollieren, ein Land, das insgesamt so groß ist wie ganz Westeuropa und in dem es so gut wie keine Straßen gibt. Erst durch massiven politischen Druck beendete Ruandas Präsident Kagame 2008 die Unterstützung der CNDP-Tutsi-Armee des Rebellengenerals Nkunda. Daraufhin rief die CNDP einen Waffenstillstand aus und viele ihrer Kämpfer wurden in die kongolesische Armee integriert. Unterstützt von den Blauhelmen der UN-Mission im Kongo (MONUC) sollen die Angehörigen der zahlreichen Rebellengruppen demobilisiert und ins Zivilleben reintegriert werden.

Ende des Konflikts nicht abzusehen


Die größte UN-Mission der Geschichte wird auch von europäischen Truppen (EUFOR) unterstützt. Mit mäßigem Erfolg. Denn bis heute rekrutieren sowohl Rebellen als auch Regierungstruppen nach wie vor Kindersoldaten. Es werden Dörfer geplündert, Frauen vergewaltigt und Tausende in die Flucht getrieben. Trotz mehrerer Militäroffensiven in 2009/2010 gegen die FDLR und andere örtliche Milizen ist ein Ende des Konflikts im Ost-Kongo nicht abzusehen.

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