"Die beiden bewegen sich fast synchron aufeinander zu"

Ein Interview mit Silke Bodenbender und Benjamin Sadler

Silke Bodenbender und Benjamin Sadler spielen in den beiden Hauptrollen zwei sehr unterschiedliche Personen. Er ist im Film ein Multimillionär, der durch Immobilien reich geworden ist und in einer palastähnlichen Villa in Hamburgs bestem Viertel wohnt. Sie ist Polizistin und kleine Gehaltsempfängerin und lebt in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Silke Bodenbender und Benjamin Sadler sprechen mit dem ZDF über ihre Rollen und ihre Arbeit.

Silke Bodenbender als Schutz-Polizistin Nadja Mohn und Benjamin Sadler als Immobilien-Investor Ben Sievert. Quelle: ZDF


ZDF: Frau Bodenbender, die Polizistin Nadja Mohn ist eine starke, mutige Frau. Sind Sie auf solche Charaktere gebucht?



Silke Bodenbender: Nein, aber es ist ja oft so, dass weibliche Hauptrollen starke Persönlichkeiten darstellen, insofern hat man mich auch schon in anderen Filmen als starke Frau erlebt. An dieser Figur war für mich reizvoll, dass sie nicht als Kriminalpolizistin an oberster Stelle ermittelt, sondern als Personenschützerin eingesetzt wird, die sich ausgerechnet in den Mann verliebt, den sie beschützen, vor allem aber ausspionieren soll. Ich fand es spannend, dass sie immer mehr zwischen die Fronten gerät und nicht mehr professionell, sondern intuitiv agiert.


ZDF: Haben Sie die Stunts selber gemacht?


Bodenbender: Ja, darauf habe ich bestanden, vor allem den, bei dem ich in Ben Sieverts Zimmer quer durch den Raum fliegen und meinen Gegner über die Schulter werfen sollte. Das hat großen Spaß gemacht. Ich spiele sehr gern körperlich. Ich suche in jeder Rolle danach, was sie mir Neues bietet, was ich Neues ausprobieren kann.
ZDF: Herr Sadler, kann man einen Moment ausmachen, in dem es zwischen Nadja Mohn und Ben Sievert funkt?


Benjamin Sadler: Meiner Meinung nach ist es ein schleichender Prozess, ein langsames Sich-Entdecken. Als beide spüren, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen, unterdrücken sie ihre Gefühle zuerst, ganz nach dem Motto: "Was nicht sein darf, kann auch nicht sein." Ihre Emotionen zeigen sie erst im Verlauf der Geschichte, als sie nicht mehr in der Rolle der Opfer verharren, die nur auf die Umstände reagieren.

Ab einem gewissen Zeitpunkt nehmen Nadja Mohn und Ben Sievert ihr Schicksal selbst in die Hand, sie agieren und treiben die Geschichte entscheidend voran. Nicht allein das Genre per se - der Thriller - steht bei diesem Film im Vordergrund. Man kann die Handlungen und Entwicklungen der Figuren nachvollziehen. Sie sind nicht nur "Gehilfen" des Plots. Das gefiel mir.



ZDF: War es von besonderem Reiz, dass Sie als Personenschützerin einen Mann "bewachen" sollten?


Bodenbender: Diesen nicht-klassischen Aspekt fand ich interessant. Ben Sievert kann es anfangs ja sehr schwer akzeptieren, dass sein Haus bewacht werden soll und eine Frau ihm vorgibt, wo er sich aufhalten darf. Gerade er, der sich in seiner Welt bislang eher mit "Weibchen" umgeben hat, muss sich nun von einer selbstbewussten Frau Anweisungen geben lassen.

Das Spannende ist, wie sich die beiden gegensätzlichen Typen in einer Art Katz-und-Maus-Spiel einander annähern. Sie, die allein erziehende Mutter, lebt in normalen Verhältnissen und kann mit Ben Sieverts luxuriösem Lebensstil und seiner überheblichen Art erst einmal gar nichts anfangen. Er wiederum ignoriert zunächst diese toughe, in seinen Augen einfache Polizistin, bis er plötzlich etwas an ihr entdeckt, das seinen Charme aufblitzen lässt.


Sadler: Es ist die Ausnahmesituation, die immer mehr den Menschen frei legt, die äußeren Attribute rücken in den Hintergrund. Die beiden bewegen sich fast schon synchron aufeinander zu.
ZDF: Ist Ben Sievert ein moralischer Mensch, weil er sich von den dubiosen Machenschaften seines Vaters abgrenzen möchte?



Sadler: Ben Sievert möchte aus dem Schatten seines Vaters heraustreten, er möchte seine eigene Identität finden und als eigenständige Person wahrgenommen werden - privat wie öffentlich. Ich glaube nicht, dass seine Motivation, sich nicht auf Geschäfte mit seinem Vater und dessen Partner einzulassen, daher rührt, weil er unbedingt ein Gut-Mensch sein möchte. Es ist nicht die Moral, die meine Figur antreibt, erst gar nicht in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Der Sohn möchte sich von seinem übergroßen Vater lösen, er ringt um seine Eigenständigkeit. Für was der Vater sonst noch steht, ist erst erstmal zweitrangig.


ZDF: Gibt es eine Figur, die Sie gern einmal spielen würden?


Bodenbender: Das Spielfeld, auf dem ich tobe, ist ja unendlich groß und es gibt noch viele Positionen, die ich besetzen, viele Figuren, die ich zeichnen möchte. Beispiele kann ich eher anhand von Genres nennen. Ich hätte große Lust, mal in einer schwarzen Komödie à la "Schwarze Katze, weißer Kater" mitzuspielen oder in einer Theaterverfilmung. Da würden mich aber auch wieder die starken Frauenfiguren wie Lady Macbeth oder die legendäre Johanna von Orléans interessieren. Ein absoluter Traum wäre es, die Zeichnerin und Bildhauern Käthe Kollwitz porträtieren zu dürfen!


Sadler: Die Liste wäre zu lang, um die Figuren und Geschichten, die mich interessieren, zu nennen. Von Hamlet bis zur Lebensgeschichte des Kriegsfotografen Robert Capa, der mit seinen Reportagen über den Spanischen Bürgerkrieg bekannt wurde, gibt es noch ganz viele Figuren, denen ich spielend gerne näher kommen würde.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet