"Die Charaktere sind zum Leben erwacht"

Interview mit Drehbuchautor Daniel Douglas Wissmann

Er wollte eigentlich Rockstar werden, entschied sich jedoch für das Schreiben. Der "Stern" wählte seinen Roman "Dillingers Luftschiff" als eines von zehn Büchern der Weltliteratur, die glücklich machen, aus. Für das ZDF schrieb Daniel Douglas Wissmann unter anderem das Drehbuch zum Krimi "Der Tote am Strand" (2007). Was ihn besonders an Krimis in ländlicher Umgebung und in den Bergen fasziniert, verrät der Autor im Folgenden.


ZDF: Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Film?


Daniel Douglas Wissmann: Als erstes war da die Idee der Mutter, die ein geheimes Leben führte. Was letztlich erst Jahrzehnte später offenbar wird, und wofür sie auch bezahlen muss. Und die Idee der beiden Schwestern, von denen die eine in ihrer Kindheit davon etwas mitbekommen hat, die andere nicht. Dies hat zu unterschiedlichen Entwicklungen der beiden Schwestern geführt. Und führt nun zu unterschiedlichen Motiven im Herangehen an die Tragödie.


ZDF: Warum haben Sie ihre Geschichte in die Berge gelegt?


Wissmann: Weil ich die Berge liebe. Weil es möglich ist, zu erzählen, dass ein Tod am Berg sowohl ein Unfall als auch ein Mord sein kann. Und weil es möglich ist, dass der Berg - im Gegensatz zur Stadt - seine Toten erst mit großer Verzögerung freigibt.


ZDF: Filmgeschichten, die in ländlicher Umgebung spielen, sind sehr beliebt. Was glauben Sie, macht den Reiz solcher Filme aus?


Wissmann: In ländlicher und kleinstädtischer Umgebung kann man Geschichten erzählen, in denen die dort lebenden Menschen schicksalhaft miteinander verstrickt sind. In einer Großstadt wäre das nicht möglich oder unglaubwürdig. Dort könnte man dies nur beispielsweise innerhalb einer Familie erzählen. Im Ländlichen ist es reizvoll, die Abgründe zu zeigen, die im Idyll verborgen liegen. Zudem lassen sich archaische Geschichten von Schuld in einem überschaubaren Figurenensemble - etwa einer Dorfgemeinschaft - besser darstellen.
ZDF: Im Zentrum Ihrer Geschichte steht ein Schwesternpaar. Was hat sie an dieser Konstellation gereizt?


Wissmann: Die Möglichkeit einer Schwester ein - in einem Erlebnis ihrer Kindheit gegründetes -Geheimnis zu geben, von der die andere nichts weiß. Das diese aber im Verlauf der Geschichte zu ergründen sucht. ZDF: Stichwort "Krimi ohne Kommissar": Was macht die Besonderheit einer solchen Story aus?



Wissmann: Das Persönliche. Die Hauptfigur wird aus schicksalhaften Gründen mit einem Kriminalfall konfrontiert. Nicht weil es ihr Beruf ist. Dieser Fall betrifft die Hauptperson unmittelbar. Sie handelt aus tiefster innerer Notwendigkeit. Es ist interessant, wenn ein "Mensch wie du und ich" in eine Kriminalgeschichte hineingezogen, beziehungsweise verstrickt ist, und sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten, also ohne den Polizeiapparat und aus persönlichen Motiven, zu lösen versucht.


ZDF: Wie stark wird ihre Geschichte von ihren Figuren beeinflusst? Verlassen Sie während dem Schreiben Ihren gedachten Weg?



Wissmann: Dazu musste ich noch einmal in meine ersten Notizen zu dem Film schauen. In der Tat hat sich die Grundidee sehr schnell aus der ersten Prämisse ergeben: Mutter hat ein geheimes Leben geführt. In der weiteren Entwicklung haben sich die einzelnen Charaktere aber stark entwickelt, und Konturen bekommen. Das heißt, sie sind zum Leben erwacht. Das ist für einen Autor immer sehr beglückend. Darum geht es beim Schreiben.

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