"Die Figur Carla war eine große Herausforderung"

Interview mit Schauspielerin Barbara Auer

Barbara Auer spielt in diesem Drama die Hauptrolle der alleinerziehenden Gerichtsvollzieherin Carla. Als Gerichtsvollzieherin lässt sie das Leid der Menschen, bei denen sie zwangsvollstrecken
muss, nicht an sich heran. Das ändert sich erst, als sie den Hausmeister Andi kennenlernt. Im Interview spricht die Schauspielerin über die Faszination und Herausforderung, eine solche gebrochenen Figur und ihren Wandel darzustellen.

Carla und Eva
Carla und Eva Quelle: ZDF


ZDF: Was hat Sie an dieser Geschichte, in der Sie eine anspruchsvolle, harsch wirkende Gerichtsvollzieherin und allein-erziehende Mutter einer pubertierenden Tochter spielen, berührt?


Barbara Auer: Zuerst einmal hat mich interessiert, wie eine Lebenslüge, wie Carla sie schon so viele Jahre lebt, das ganze Leben bestimmt und verändert. Ich glaube sogar, dass es sie charakterlich verändert, denn sie versucht, dadurch alles andere im Leben ganz besonders richtig und perfekt zu machen. Eigentlich bestraft sie sich permanent selbst dafür.


ZDF: Hat die private Situation oder hat ihr Beruf sie so hart gemacht?


Auer: Carla steht beruflich wie privat unter einem extremen Druck. Nach außen hin gibt sie sich kontrolliert, sie ist ehrgeizig und hat gleichzeitig einen Schutzwall um sich herum aufgebaut. Sie zeigt durchaus ein gewisses Mitgefühl ihren Klienten gegenüber, muss aber auch Entscheidungen treffen, die nicht immer leicht sind. Das ist ihr Job. Ihrem Geliebten Andi die Tochter zu entziehen, weil seine Ex-Frau vor Gericht Recht bekommen hat, ist entsetzlich. Ich würde diese Frau aber keineswegs nur als harsch bezeichnen. Als sie Andi kennenlernt, bricht diese Fassade auf und das nicht, weil er der Mann ihrer Träume ist, sondern sie nach einer langen Zeit der Einsamkeit wieder liebt und geliebt wird.


ZDF: Es kommt häufig zum Streit zwischen Mutter und Tochter. Fehlt Carla das Verständnis für die Nöte, die eine Pubertierende umtreiben?


Auer: Carla ist mit der Gesamtsituation völlig überfordert, sie ist nicht mit sich im Reinen und überträgt ihren Stress auf ihre Tochter. Das kann ich durchaus nachvollziehen. In Situationen, in denen man genug mit sich selbst zu tun hat, stehen die Kinder auf der Matte und machen irgendeinen Blödsinn oder werden krank. Jedenfalls zwingen sie einen, selbst wenn sie schon fast erwachsen sind, Verantwortung für sie zu übernehmen, obgleich man gerade entweder das dringende Bedürfnis nach Ruhe hat oder selbst mal jemanden brauchen könnte, der sich um einen kümmert.


ZDF: Dass Carla auch eine weiche Seite hat, zeigt sie beim Bandoneon - Spiel. Wie haben Sie sich das erarbeitet?


Auer: Das Spielen erlaubt Carla, ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Durch die Musik kommt sie Andi näher, der sie wiederum mit seinem Gitarrenspiel beeindruckt. Bandoneon spielen kann ich nicht, da musste ich viel üben. Eigentlich schade: Ich hätte es nach den Dreharbeiten gern fortgesetzt, denn es ist ein wunderschönes Instrument. Leider habe ich nicht die Zeit gefunden dranzubleiben.


ZDF: Die Beziehung zwischen Carla und Andi ist einer harten Probe ausgesetzt, denn auch Andi birgt ein Geheimnis. Wenn Sie die Geschichte weiterspinnen würden: Haben die beiden eine Chance?



Auer: Carla vertraut ihm nicht mehr, spioniert ihm nach, dabei hätte sie ihn ja nur fragen können, was los ist. Und sie ist verunsichert, als ihr die Tochter erzählt, dass Andi wieder angefangen hat zu trinken. Beides führt dazu, dass die Situation eskaliert. Ob die beiden dennoch eines Tages zusammenfinden? Ich weiß es wirklich nicht, obwohl ich es mir beim Drehen ein bisschen gewünscht habe. Deshalb gefällt mir auch das Ende des Films. Es lässt diese Frage offen.


ZDF: Sie spielen überwiegend bodenständige, erdverbundene Frauen, die wissen, was sie wollen oder vielmehr nicht wollen. Sehnen Sie sich manchmal danach, ganz andere Figuren zu verkörpern?



Auer: Nein, ich bin mit den Figuren zufrieden, die ich spiele. Exaltiertere Charaktere kommen kaum auf mich zu, außer vielleicht in diesem Jahr die böse Stiefmutter von Aschenputtel. Da konnte ich herrlich überhöhen und der Kindheitsfantasie freien Lauf lassen, aber das ist eher selten.

Die Figur der Carla war dennoch eine große Herausforderung, weil sie so gebrochen ist. Und die Art, wie Johannes Fabrick die Geschichte erzählt, welchen Raum er mir gab, das war großartig und aufregend.

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