"Die klassische Rollenverteilung ist doch längst passé"

Interview mit Jürgen Tarrach

Jürgen Tarrach steht mit seiner Rolle als unverschuldet Arbeitsloser stellvertretend für den "redlichen kleinen" Mann. Trotz bester Bemühung findet er nicht mehr den Weg in den ersten Arbeitsmarkt und muss sich mit der Rolle des Hausmanns abgeben. Der Schauspieler äußert sich im Folgenden zu seiner Figur als Bernd Fröhlich und seiner Sicht der klassischen Rollenverteilung.


ZDF: Herr Tarrach, Sie spielen im Film "Familie Fröhlich - Schlimmer geht immer" einen arbeitslosen Autoschlosser, der sich seit Monaten vergeblich um eine neue Stelle bewirbt. Ein Thema, das aktueller ist denn je ...


Jürgen Tarrach: In erster Linie ist dieser Film eine Komödie, die der Zuschauer hoffentlich unterhaltsam und amüsant findet. Aber wir entführen ihn nicht in eine Traumwelt. Thematisiert wird ein reales gesellschaftliches Problem, mit dem viele Menschen heutzutage zu kämpfen haben. Und es wird ja die Geschichte eines redlichen kleinen Mannes erzählt, der unverschuldet arbeitslos wurde und verständlicherweise wieder einen neuen Job finden möchte und muss. Er bewirbt sich andauernd, nimmt Vorstellungsgespräche wahr und wird mit jeder Absage frustrierter. Aber er gibt sich nicht verloren, er lässt sich nicht unterkriegen, er kämpft weiter - das ist das Schöne an dieser Figur. Ich mochte die Geschichte, weil sie zugleich unaufgeregt, leise, heiter und sehr menschlich ist.


ZDF: Eine wirkliche Hilfe ist der penibel-bürokratische Fallmanager im Arbeitsamt nicht für den arbeitslosen Bernd Fröhlich. Halten Sie das für realistisch?


Tarrach: Ja, denn es macht doch deutlich, dass die Arbeitslosigkeit eigentlich nur noch verwaltet wird. Denn wo soll man diejenigen unterbringen, die nicht mehr die entsprechende Qualifizierung haben, weil zum Beispiel die einzelnen Berufe durch neue Technologien so hoch kompliziert geworden sind? Ein Automechaniker hat heutzutage doch ganz andere Aufgaben zu bewältigen als früher. Man bringt die vielen Arbeitslosen entweder in 1-Euro-Jobs unter, wie es auch meinem Bernd passiert, oder in Fortbildungen, die eher einer Beschäftigungstherapie gleichkommen. Ich halte die Idee, dass jeder Bürger ein Grundeinkommen garantiert bekommt, für sozial gerecht. Es verhindert auf jeden Fall, dass sich redliche Menschen wie ein Bernd Fröhlich wie Bittsteller vorkommen müssen.


ZDF: Für Bernds Ego ist der Rollentausch mit seiner Ehefrau auch nur bedingt erträglich. Für seine Tochter Mia gar nicht. Ist die traditionelle Rollenverteilung aus Ihrer Sicht doch das Maß aller Dinge?


Tarrach: Ich glaube, dass die Realität inzwischen anders aussieht. Die klassische Rollenverteilung ist doch längst passé, und das ist auch richtig so. Aber es gibt offenbar doch erstaunlich viele Kinder, die, wie es meine Filmtochter Mia zeigt, an dem konservativen Bild festhalten und sich schwer damit tun, wenn der Vater in der Küche steht und die Mutter als alleinige Ernährerin der Familie aus dem Haus zum Arbeiten geht. Woher dieses Festhalten an alten Mustern kommt, kann ich nicht erklären.


ZDF: Eigentlich kommt Ihnen die Rolle ja schon deshalb entgegen, weil Sie privat ein leidenschaftlicher Koch sind. Welche Richtung bevorzugen Sie?


Tarrach: Natürlich alles aus der der italienischen Küche, wobei das Hauptanliegen die hohe Güte der Produkte ausmacht. Ich probiere jedoch auch ständig neue Aromen der Weltküche aus, zum Beispiel Indisches. Und im Sommer habe ich so genannte Espumas ausprobiert. Hierbei handelt es sich um Schäume, die herzhaft oder süß sein können, aber immer den Geschmack konzentrieren. Mein Aprikosenschaum war bei allen der Hit!


ZDF: Verraten Sie uns Ihre Lieblingsspeise im Winter und Ihr Lieblingsrezept?


Tarrach: Wenn es draußen richtig kalt ist, finde ich eine heiße Linsensuppe immer sehr gut und wärmend. Mein Lieblingswinterrezept wäre ein römisches Wildschweinragout, süßsauer mit Pflaumen, Rosinen und Orangeat. Dazu dürfen Klöße nicht fehlen!

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet