"Ein Ausländer ist immer noch besser als ein Wessi!"

Interview mit Ali Samadi Ahadi

Der iranisch-stämmige Regisseur begeistert sich seit seiner Kindheit für Filme, in denen die Schauspieler auch singen. Für seine fantasievolle Liebeskomödie "Salami Aleikum" hat er sich durch Märchenfilme wie "Der kleine Muck" inspirieren lassen. Im Interview berichtet der seit vielen Jahren in Deutschland lebende Filmemacher, wie er mit dem inzwischen gewonnenen Abstand seine ganz persönlichen Erfahrungen als Emigrant in seine Komödie einfließen ließ.


ZDF: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, einen Iraner aus Köln in den wilden Osten zu schicken, damit er dort in einer KFZ- Mechanikerin das Glück seines Lebens findet? Ali Samadi Ahadi: Die Idee entstand schon vor vielen Jahren. Als ich endlich eingebürgert worden war und mir keine Abschiebung mehr drohte, hatte ich den nötigen Abstand zu meiner eigenen Geschichte, um darin auch viele komische Momente zu entdecken. Diese wollte ich gerne erzählen. Das heißt nicht, dass "Salami Aleikum" autobiografisch ist, aber trotzdem spielen natürlich eigene Lebenserfahrungen mit hinein.


ZDF: Sie selbst sind als Kind aus dem Iran geflohen und ohne Ihre Eltern nach Deutschland gekommen. Vermutlich können Sie auch so manches Lied singen über die Suche nach der eigenen Identität?
Ali Samadi Ahadi: Die Entwurzelung der iranischen Emigranten - das ist etwas, was auch mich betrifft. Und fünf Millionen andere Menschen, die außerhalb des Irans leben und alle auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Aber sogar in der Tragik der Flucht und Heimatlosigkeit kann man Situationen entdecken, die von außen betrachtet sehr skurril und komisch sein können.


ZDF: Welche Situationen zum Beispiel?


Ali Samadi Ahadi: Zum Beispiel meine erste Begegnung mit meinen deutschen Schwiegereltern, einer MTA und einem Doktor der Medizin, die etwas Zeit brauchten, um ihren neuen Schwiegersohn zu verdauen. Oder als man mir bei der Bundeswehr-Musterung erklärte, dass ich für den Wehrdienst untauglich sei, aber trotzdem versuchen sollte, mich in die Gesellschaft zu integrieren. Oder als ich erfuhr, dass ein Ausländer aus der Sicht eines ostdeutschen Dorfbewohners immer noch besser ist als ein Wessi.


ZDF: Wie kommen Sie denn darauf?



Ali Samadi Ahadi: Ich bin mal für Recherchen durch ostdeutsche Städtchen gezogen. Da hat mir ein Dorfbewohner, den ich in einer Kneipe traf, die Welt so erklärt: Die nächsten "Guten", abgesehen von den Ossis, sind die Tschechen; die bringen ihre eigenen Stullen und ihr Bier mit, geben auch mal was ab und können gut kegeln. Danach kommt der Ausländer, den sieht man hier zum Glück sehr selten. Dann kommt der Pole. Wenn man den sieht, weiß man, dass es irgendwo Sperrmüll gibt und dann, ganz weit hinten, kommt der Wessi. Ich als Ausländer habe aber beschlossen, die Beschreibung als Kompliment zu sehen. Immerhin kam ich direkt nach den Tschechen.


ZDF: In Ihrem Film wird gesungen, getanzt, es gibt animierte Bilder - Sie spielen regelrecht mit den stilistischen Möglichkeiten. Haben Sie filmische Vorbilder?


Ali Samadi Ahadi: Als Kind habe ich Bollywood-Filme gesehen und die 70er-Jahre-Filme im Iran waren auch so, dass die Schauspieler sich plötzlich zur Kamera drehten und anfingen zu singen. Märchenfilme wie "Der kleine Muck" haben mich ebenfalls schon immer begeistert. Und eines meiner größten Vorbilder ist Woody Allen. Gerade seine früheren Arbeiten liebe ich. Unser Film ist eine fantastische Liebeskomödie. Und um das "Fantastische" zu erreichen, haben wir versucht, näher an die Träume unserer Protagonisten zu rücken und Bilder zu zeigen, die ihre Fantasien visualisieren. So enthält "Salami Aleikum" Sequenzen, bei denen wir uns von Märchenfilmen wie "Der kleine Muck" oder "Ali Baba und die 40 Räuber" und Trickfilmen wie "Dumbo" oder dem "Sandmännchen" haben inspirieren lassen.


ZDF: Bei allem Humor, am Ende des Films wird einem ganz warm ums Herz, wenn alle gemeinsam singen: "Wir sind der Himmel, wenn wir zusammenhalten ..." Ali Samadi Ahadi: Das freut mich, wenn dieses Gefühl entsteht! Mir war es ja auch wichtig, eine Komödie zu drehen, weil sie eben nicht erdenschwer ist und das Herz für das, was man vermitteln möchte, öffnet.

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