Ein Drama, das sich aus dem Krimi entwickelt

Interview mit Regisseur Johannes Grieser

Stück für Stück entwickelt sich in diesem Krimi ein wuchtiges Familiendrama, bei dem Vater und Tochter lange und ausdauernd
in einen seelischen Zweikampf verstrickt sind. Regisseur Johannes Grieser, der für das ZDF schon viele starke Krimis inszeniert hat, äußert sich zur Besonderheit eines Dorfkrimis, zum Genre und zur Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt und den Schauspielern.

Martin Wenning (Karl Kranzkowski, m.), Jochen Hofmann (Martin Brambach, r.) und Rolf Schanz (Christian Redl) Quelle: ZDF


ZDF: Sie haben schon viele Krimis inszeniert, die aber überwiegend in der Großstadt spielten. Was ist für Sie das Besondere an einem Dorfkrimi wie "Tod in der Eifel"?

Regisseur Johannes Grieser
Regisseur Johannes Grieser Quelle: ZDF/Michael Böhme


Johannes Grieser: Das Dorf ist ein Mikrokosmos. Alle Menschen kennen sich. Die Vergangenheit der Leute ist nicht unbekannt, wie auch deren gegenwärtige soziale Situation. Anders als in der Großstadt. Das erzeugt Zwänge. Das Leben läuft mit genau festgelegten Regeln ab. Die Hierarchien sind klar. Jeder Fremde erzeugt Misstrauen. Er stört. Er bricht in die Intimsphäre der Gemeinschaft ein. Genau diese Situation erleben wir auch in der Geschichte. Nur dass der "Eindringling" Lona noch einen Vorteil besitzt: Sie ist dort aufgewachsen. Sie kennt die Regeln.




ZDF: "Tod in der Eifel" hat einen Krimiplot, ist aber auch ein Familiendrama. Was war Ihnen bei der Inszenierung wichtiger - Krimispannung oder psychologisches Drama?


Grieser: Zunächst gilt für mich immer, das Genre zu bedienen. Ist es ein Krimi oder Thriller, muss der Film erstmal spannend werden. Wird mir dann wie in diesem Buch obendrein noch ein tolles Drama geliefert, das sich auch noch so fein in den Krimiplot einfügt, dann habe ich als Regisseur Grund zum Jubeln. Bei "Tod in der Eifel" ist das Drama nicht draufgesetzt, um dem Genre noch eine gewisse Tiefe zu geben. Das Drama entspringt dem Krimiplot und umgekehrt. Das ist toll.
ZDF: Was ist für Sie das Besondere an der Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt?


Grieser: Holger Karsten Schmidt ist ein routinierter und doch leidenschaftlicher Autor. Er kämpft für seine Ideen und ist trotzdem einsichtig für Bedenken des Regisseurs. Er weiß, es hat kein Sinn, sich gegen die Überzeugung des Regisseurs durchzusetzen. Ein nicht überzeugter Regisseur kann keine gute Szene geben. HK Schmidt recherchiert gut und kann sich außerordentlich in seine Charaktere hineinversetzen. Kurzum, es war ein sehr produktives Arbeiten mit ihm und es freut mich, dass er den Film auch gelungen findet. Gerne wieder!

Regisseur Johannes Grieser
Regisseur Johannes Grieser Quelle: ZDF/Michael Böhme


ZDF: Wie lief die Arbeit mit den Hauptdarstellern Christian Redl und Maria Simon?


Grieser: Mit Christian Redl habe ich schon mal gearbeitet, bei dem ZDF-Film "Tödliches Vertrauen", 2002. Ich kannte sein Repertoire. Ich wusste, dass er nicht nur finstere, dubiose und psychotische Charaktere spielen kann, auf die er oft festgelegt wurde "(Der Hammermörder" bespielsweise). Auch in "Tödliches Vertrauen" spielte er einen zutiefst verletzten Polizisten. Schmerz ist eine große Stärke von Christian Redl. Ihn zu zeigen oder eben nicht zu zeigen und daran zugrunde zu gehen. Wir haben sehr viel Vertrauen zueinander. Die Arbeit mit ihm ist ein herrliches Geben und Nehmen. Ich hoffe, dass wir nicht wieder sechs Jahre warten müssen auf einen weiteren Film. Mit Maria Simon war es die erste Arbeit. Sicher hatte ich auch schon mal was gesehen mit ihr, könnte aber aus dem Stand gar nicht genau sagen, was. Aber als Typ hatte sie mich sofort gereizt. Dieses Burschikose, dieses Zupackende. Aber dann wiederum dieses Brüchige. Auch sie kann diesen Schmerz der Lona perfekt verbergen, aber auch ausbrechen lassen. Nach einem Casting hatte ich meine Lona gefunden - und keine Sekunde bereut.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet