"Ein gesundes Maß an Selbstreflexion"

Interview mit Ulrich Noethen

Ulrich Noethen spielt in der Hauptrolle den ebenso ehrgeizigen wie in alten Strukturen festgefahrenen Vertriebsleiter Oskar, dem an seinem Geburtstag völlig unerwartet ein neuer, junger Kollege in der Firma vor die Nase gesetzt wird. Der Schauspieler beschreibt die komische Seite seines Protogonisten und die Chance, die sich ihm durch seine Lebenskrise eröffnet.


ZDF: Was ist das Grundproblem Ihrer Filmfigur Oskar Moedebeck?


Ulrich Noethen: Ich denke, er selbst ist sein größtes Problem. Oskar fällt es sichtlich schwer, sich auf neue Lebenssituationen einzustellen. Er fühlt sich fremdbestimmt und dagegen begehrt er auf.


ZDF: Finden Sie Oskar Moedebeck komisch oder eher tragisch? Und falls tragisch, warum können wir als Zuschauer über ihn lachen?


Noethen: Ich finde ihn durchaus komisch. Es gelingt Oskar - wenn auch teilweise unbewusst - mit einer Portion Selbstironie, sein berufliches und privates Leben wieder zu sortieren und letztendlich in den Griff zu bekommen.



ZDF: Was macht für Sie den besonderen Reiz einer solchen Figur aus?



Noethen: Oskar ist ein grundsätzlich positiv denkender Mensch. Es gelingt ihm, seine eingefahrenen Gleise zu verlassen. Trotz des beruflichen Rückschlags nutzt er selbigen als Chance und geht am Ende gestärkt bzw. als Gewinner aus seiner, nennen wir es Lebenskrise, hervor.


ZDF: Oskar Moedebeck muss erkennen, dass er sich, auch wenn er sich zu Recht übergangen fühlt, ändern und von seinen Prinzipien abrücken muss, um nicht ins Abseits zu geraten. Kennen Sie solche Situationen oder dieses Gefühl, dass man sich ändern muss, obwohl man dazu zunächst keinen Grund sieht? Noethen: Jeder von uns ist sicherlich schon das ein oder andere Mal in seinem Leben an einem Punkt gewesen, der es notwendig gemacht hat, eigene Prinzipien in Frage zu stellen und sie bestenfalls auch zu brechen. Ich finde, es bedarf dabei vor allem eines gesunden Maßes an Selbstreflexion, um diese Situationen zu bewältigen und eine vermeintliche Schwäche zur Stärke werden zu lassen.


ZDF: Was ist dabei die Chance der Figur?


Noethen: Genau diese ...


ZDF: "Trau' niemals Deinem Chef" ist eine Komödie. Waren die Dreharbeiten auch so lustig?


Noethen: Drehen bedeutet für mich in erster Linie konzentriert zu arbeiten und meine Rolle mit Leben zu füllen. Aber natürlich gab es witzige Situationen, die aus dem Spiel heraus entstanden.


ZDF: Würden Sie sich selbst als Komödianten bezeichnen?
Noethen: Sagen wir es so: Ich halte mich durchaus für einen humorvollen Menschen und habe Spaß am Darstellen "leichter Figuren", aber ob ich zum Komödianten tauge, müssen schlussendlich die Zuschauer beurteilen.

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