"Ein guter Russe fühlt sich nicht angegriffen"

Interview mit Schauspieler Heinz Hoenig

Heinz Hoenig spielt den zwielichtigen Russen Andropow - eine Rolle, die der Schauspieler selbst als unsympathisch und kalt bezeichnet. Im Gesamtwerk Film sieht er sich als Rädchen in einem großen Räderwerk, das ein bestimmtes Thema transportiert. Dieses Zusammenspiel hat für ihn in "Willkommen in Wien" gut funktioniert.


ZDF: Was hat Sie am Drehbuch gereizt?

Heinz Hoenig: Auch nach inzwischen fast 40 Jahren als Schauspieler ist das Feuer nicht kleiner geworden, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Ich spiele einen Russen, der nach außen hin einen Antiquitätenladen betreibt. Doch am Ende merkt man dann: Der Schein hat wieder mal getrogen. Viele Menschen auf dieser Welt verstecken sich hinter solchen Masken. Und wenn man sie dann durchleuchtet, kriegt man das Würgen, weil man erkennt, wie viel Dreck eigentlich hinter der Fassade steckt.

Ich mag es, wenn sich hinter einem Charakter zwei Gesichter verbergen, wie bei Andropow: einmal die Person, die er nach außen hin vorgibt zu sein, und dann das, was er wirklich mit seiner negativen Macht getan hat. Außerdem hat mich gereizt, mal wieder ein bisschen Russisch zu sprechen. Schon für frühere Projekte habe ich diese sehr schöne Sprache gelernt. Man muss ordentlich knüppeln, aber mir macht das Freude, und ich möchte noch dieses Jahr damit anfangen, anständig Russisch zu lernen. Die meisten Menschen blicken in den Westen nach Amerika oder England und lernen Englisch. Ich dagegen gucke in den Osten.


ZDF: Könnten sich Russen möglicherweise durch den Film angegriffen fühlen?



Hoenig: Das hätten auch genauso gut Chinesen, Japaner, Amerikaner, Polen oder Deutsche sein können. Letztendlich ist es eine Frage der Persönlichkeit des Menschen. Ob er nun Russisch spricht, ist völlig egal. Wir wollten mit dem Film nicht sagen: Alle Russen sind schlecht oder haben zwei Gesichter. Das stimmt nicht. Ein guter Russe fühlt sich nicht angegriffen, sonst würde man gar keine Filme mehr machen können. Blicken wir in den Westen nach Amerika: Fühlen sich die Amerikaner etwa angegriffen, wenn sie einen Film über sich selbst machen? Auch dort gibt es schließlich nicht nur Liebesfilme.


ZDF: Ist Ihnen Andropow sympathisch?


Hoenig: Nein, der Typ ist mir gar nicht sympathisch. Wie könnte er das? Andropow ist ein Halunke und einfach eiskalt. Nach außen war er freundlich, hintenrum hat er Menschen ermordet.


ZDF: Fühlen Sie sich als Schauspieler generell wohler in der Rolle des Bösewichts?
Hoenig: Ich fühle mich wohl, wenn ich durch diese Rolle etwas ganz Wichtiges in dem Film transportieren kann: das Thema. Erst dann sage ich einer Rolle zu. Ich bin nur ein kleines Rädchen in einem Räderwerk. Eine flachgepackte Rolle, die nur Sprüche aufsagen muss, damit die anderen spielen können, spiele ich beispielsweise ungern. Außerdem kommt es immer auch auf die Filmcrew und das Team an: Wer macht da mit? Wer führt Regie? Wie ist alles organisiert? Wie ist das Catering? Ich freue mich immer, wenn man zum Drehen kommt und alles stimmt. Dann macht die Arbeit Spaß. Bei "Willkommen in Wien" war alles korrekt.

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