"Ein Mensch, der jenseits des Üblichen lebt"

Interview mit Schauspieler Tim Bergmann

Tim Bergmann war bereits nach der Lektüre weniger Seiten des Drehbuchs begeistert von seiner Rolle als pedantisch-kautziger Musikhistoriker Jakob. Bei der Darstellung wurde schnell klar, dass er sich völlig verwandeln und innerlich weit von sich selbst entfernen musste. Im Folgenden spricht er auch über die Dreharbeiten mit Regisseur Berno Kürten und seiner Kollegin Jasmin Gerat, und über den "Magic Moment" im realen Leben.


ZDF: Herr Bergmann, was hat Ihnen an Rolle und Drehbuch gefallen?


T
im Bergmann: Bereits nach wenigen Drehbuch-Seiten war ich von Jakob und seiner Welt begeistert. Ein Mensch, der so jenseits des Üblichen lebt, kommt ja doch eher selten in Filmen vor. Dabei bietet er so ein großes Feld an wunderbaren Möglichkeiten, ihn mit seiner Umwelt auf verschiedenste Weise zu konfrontieren und auch zu überfordern.

ZDF: Zum Komischsein gehört es manchmal auch dazu, sich etwas zu "verkleiden" und nicht dem Spiegelbild gegenüberzustehen, das man sonst im Alltag erblickt. Wie haben Sie sich in dem spießigen Hornbrille-Pullunder-Outfit und Seitenscheitel gefühlt?


Bergmann: Generell versuche ich, bei jeder Rolle einen Moment von Transformation passieren zu lassen. Dies natürlich nicht nur mit Hilfe des Kostüms. Bei Jakob haben wir sehr behutsam und dann doch ganz entschieden versucht, uns weit von mir zu entfernen. Dabei haben wir viele Möglichkeiten der Verwandlung in Erwägung gezogen. Es blieb letztendlich aber sehr klar der im Film zu sehende "Look" übrig. Wichtig ist, dass man beim Finden des Kostüms immer aus der Figur heraus entscheidet, und nicht von Außen.


ZDF: Und wie haben Sie es schlussendlich geschafft, sich in diesen sehr speziellen Charakter hineinzuversetzen?


Bergmann: Wie bei jeder Rolle ist das ein Prozess, der sich aus sehr unterschiedlichen Facetten zusammensetzt. Ein sehr wichtiger Aspekt ist immer die spezielle Körperlichkeit einer Figur. Und gerade für die Entwicklung einer Fantasie für Jakob, war dies für den Regisseur Berno Kürten und mich ein entscheidender Schlüssel, mit dem wir in jeder Szene gearbeitet haben.


ZDF: Wie waren dann die Reaktionen am Filmset auf Sie?


Bergmann: Was die unmittelbaren Reaktionen am Set angeht, war vor allem der Dreh in Istanbul von großem Feedback begleitet. In Kreuzberg dagegen ging Jakob in der doch recht bunten Mischung von Typen eher unter.


ZDF: Spielte die Musik dabei für Sie auch eine besondere Rolle?


Bergmann: Unbedingt! Da ich seit Kindestagen Geige, Bratsche und Saxophon spiele, hat mich die Musik immer schon begleitet. Viel zu selten konnte ich davon in meiner Arbeit als Schauspieler profitieren. Insofern war Jakob und sein Leben in der Musik ein echtes Geschenk. ZDF: Was hat Ihnen besonders an den Dreharbeiten gefallen und warum? War es Istanbul, waren die Bollywood Tanzszenen in Kreuzberg oder waren es vielleicht sogar die leiseren, kleinen Szenen?


Bergmann: Eben genau diese Mischung aus unterschiedlichsten Situationen und Erlebnissen, nicht nur inhaltlich sondern auch örtlich bedingt (Berlin-Istanbul), haben den gesamten Dreh zu einer wunderbaren Arbeit werden lassen. Ein Glücksfall sozusagen.


ZDF: Im Film gibt es den "Magic Moment", der Moment, in dem Didem und Jakob zum ersten Mal auf der Strasse aufeinandertreffen. Romantik im Film oder auch reales Leben?


Bergmann: Na, das will ich doch hoffen, beziehungsweise ich weiß es sogar aus eigener Erfahrung, dass es den "Magic Moment" auch im realen Leben gibt! Deshalb erzählen wir ja auch in Filmen gerne davon.
ZDF: Sie haben zum ersten Mal gemeinsam mit Jasmin Gerat vor der Kamera gestanden. Wie war die Zusammenarbeit mit ihr?


Bergmann: Großartig! Spätestens nach den Probeaufnahmen war mir bzw. uns sofort klar, dass Jasmin einfach perfekt für Didem war. Das hat sich dann in der Zusammenarbeit mehr als bestätigt. Sowieso sind bei diesem Projekt sehr unterschiedliche Menschen mit verschiedenstem Background aufeinander getroffen, was die Arbeit ungemein bereichert hat.


ZDF: In den vergangenen Jahren waren Sie in ganz unterschiedlichen Rollen auf dem Bildschirm zu sehen, was hat Sie gereizt, erneut mit Berno Kürten zu arbeiten?


Bergmann: Nach dem letzten gemeinsamen Film, in dem es ja um den Krebstod meiner Film-Mutter ging, habe ich mich sehr über die Möglichkeit gefreut, mit Berno eine Komödie zu drehen. Da wir beide in Düsseldorf geboren sind, besitzen wir beide ein doch sehr ähnliches Gen für Humor und schräge Situationen. Dies drückt sich auch gerne durch das gemeinsame Switchen in unseren heimatlichen Dialekt aus. Einfach "herrlisch"...!

ZDF: Was macht aus Ihrer Sicht eine gute Komödie aus?


Bergmann: Meiner Meinung nach ist eine gute Komödie eine Mischung aus richtigem Timing, Handwerk und dem Bemühen, die Figuren und Situationen nicht plakativ auszustellen und sie somit vorzuführen. Ich persönlich lache lieber mit den Figuren, als mich Schenkel klopfend über sie zu belustigen. Generell kann man sagen, dass es extrem schwierig ist eine Komödie zu machen, und ich wünschte mir, dass das Genre eine größere Anerkennung finden würde.


ZDF: Und was ist allgemein ihr Lieblingsgenre und warum?


Bergmann: Sowohl als Schauspieler, als auch als Zuschauer kann ich mich für die unterschiedlichsten Genres begeistern. Es wäre ja auch extrem fad jeden Tag Fisch zu essen!

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