Ein wichtiges Erlebnis, das bleiben wird

Werkstattbericht von Peter Hartwig, Produktionsleiter

Wir schauten am Anfang Filme zum Thema, natürlich auch "Die Klasse" von Laurent Cantent. Und schon damals war klar: Dieser wunderbare Stoff hat ein großes "Problem": Wie schaffen wir es, an fast allen Tagen der Drehzeit mit vielen Kindern und somit zwei kompletten Schulklassen dieses sensible und schmerzliche Stück einer Kleinstadtschule im Rahmen unserer Möglichkeiten zu realisieren? Neben dem zu findenden Drehort einer an fast 22 Tagen zu nutzenden Schule stand vor allem die Aufgabe, die Kinder zu suchen und zu finden.

Katja (Meret Becker, links), Dr. Weininger (Axel Prahl, Mitte) und Drea (Anna Loos, rechts) auf dem Schulhof.
Katja (Meret Becker, links), Dr. Weininger (Axel Prahl, Mitte) und Drea (Anna Loos, rechts) auf dem Schulhof. Quelle: ZDF

Und dann erinnerte ich mich an das Babelsberger Filmgymnasium, gleich um die Ecke - in Sichtweite meines Büros. Eine Schule, die in freier Trägerschaft den Kontakt zu Film und Medien sucht und während der Schulzeit für ihre Schüler Praxis zum Film als Perspektive sieht. Das schien mir ganz schnell der richtige Gedanke: Zwei Klassen, die wir in unser Projekt einbeziehen und sie auf diese Art und Weise so nahe an das Filmemachen heranbringen, wie es wohl nie wieder möglich sein wird für die Schüler. Und gleichzeitig ein "soziales" Praktikum: Teil eines Teams zu werden.

Fast 20 Drehtage

Erster Schritt: Anlässlich einer anstehenden Elternversammlung stellte ich das Projekt vor und versuchte die Eltern der Kinder von unserer Absicht zu überzeugen. Alle waren da, und alle waren angetan von der Idee. Im zweiten Schritt lernten wir dann die Klasse kennen. Das taten wir in der Runde mit unserem Regisseur, der den jungen Schülern das Projekt präsentierte. Es war einfach, weil die Schüler große Lust hatten mitzumachen, uns zu unterstützen. Wir machten uns gegenseitig bekannt, machten Fotos, und unsere Kostümbildnerin besprach erste Dinge mit den Schülern.

Im nächsten Schritt ging es vor allem um die zeitliche Koordinierung aller Termine. Nach erster klassischer Drehplanung wurde uns klar, dass wir die vielen Szenen nicht nach herkömmlichen Plänen realisieren können. Wir konnten also immer nur 'halbe' Tage mit der Schulklasse planen, und die ursprünglich wenigen Tagen wuchsen sich zu fast 20 Drehtagen aus. In Absprache mit dem Schulleiter schoben wir zwei Wochen der Drehzeit in die Herbstferien und entlasteten somit den schulischen Ausfall. Gedreht wurde möglichst am Nachmittag, und das zu einem Großteil mit zwei Kameras - einfach der Zeit und der spielerischen Situation wegen.

Wichtiges soziales Erlebnis

Mit der Klasse trafen wir uns mehrfach im Vorfeld und führten sie dann mit den gleichaltrigen Rollenkindern zusammen. Wir bildeten also eine Film-Klasse. Jeder wurde konkret in die Geschichte einbezogen. Begleitet von einem Schulbetreuer wurden die Schüler mit einem Bus geholt und gebracht und vor Ort mit einem weiteren Betreuer umgeben, den Laila und ich während der langen Recherche an Berliner Schulen kennengelernt hatten. Die umfangreiche Betreuung der Schüler erschien uns von Anfang an wichtig und war Garant für das Gelingen des Films.

Ein langer Weg zum Ziel

Der Spätsommer des Jahres 2010 warf einen schönen Sonnenstrahl auf die Unternehmung. Die Arbeiten begannen, und von Anfang an lag irgendwie ein großes Glück auf unserer Unternehmung. Von Beginn an fühlten sich die Schüler wohl, von Tag zu Tag wurden sie vertrauter mit uns und vor allem dem Team. Ich sah zu, wie das Versprechen an Lehrer und Eltern, ihre Kinder in unseren Film und unser Team zu integrieren und ihnen somit ein wichtiges soziales Erlebnis zu ermöglichen, umgesetzt wurde. Die Arbeiten waren ein langer Weg, doch die Kraft reichte bei den Jugendlichen, um bis ans Ziel zu gelangen. Der Spaß, den sie an dieser Arbeit hatten, war dafür ausschlaggebend. Der unvermeidliche "Abschied" von unseren Arbeiten war für alle ein emotionaler Moment. Ich sehe heute noch die fröhlichen Gesichter der Schüler vor mir, die am letzten Drehtag und beim gemeinsamen Abschlussfest leuchteten. Und nicht ohne Grund war es mir und uns ein Bedürfnis, auch die Eltern zum Abschlussfest einzuladen - damit sie sehen konnten, was ihre Kinder erlebt und geleistet haben. Ein schöner Moment. Und ein wichtiges Erlebnis bei den Schülern, das bleiben wird.

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