"Ein wunderbarer Ort, um Marthaler zu entdecken!"

Interview mit Matthias Koeberlin

Der vielbeschäftigte und bereits mehrfach ausgezeichnete Schauspieler Matthias Koeberlin war von Beginn an Wunschbesetzung für die Figur des sperrigen und sensiblen Kommissars. Über den Film und seine Rolle, die Stadt Frankfurt sowie seine Arbeit spricht er im Folgenden.

Robert Marthaler (Matthias Koeberlin, l.) und Kai Döring (Jürgen Tonkel)
Robert Marthaler (Matthias Koeberlin, l.) und Kai Döring (Jürgen Tonkel) Quelle: ZDF


ZDF: Herr Koeberlin, Sie spielen in "Die Braut im Schnee" die Hauptfigur Kommissar Robert Marthaler. Was ist Marthaler für ein Typ? Welche Stärken, welche Schwächen hat er?


Matthias Koeberlin: Marthaler ist ein Kommissar, der weder sich noch seine Kollegen, noch sein privates Umfeld schont. Er verschreibt sich und seine komplette Energie der Lösung des Falles, akribisch und präzise. Allerdings ist er nie abgebrüht gegenüber dem Leid und der Unmenschlichkeit der Verbrechen. Er leidet, er zweifelt, aber er lässt nicht locker!


ZDF: Haben Sie bei der Vorbereitung auf diese Rolle neben dem Drehbuch auch die Romanvorlage von Jan Seghers gelesen?


Koeberlin: Ich habe lange überlegt, ob ich den Roman im Vorfeld lesen soll. Ich habe mich dann dafür entschieden, um der Idee des Autors in meinem Spiel gerecht zu werden.

ZDF: "Die Braut im Schnee" ist ein sehr verzwickter Fall für Kommissar Marthaler. Der Zuschauer fiebert bis zum Schluss mit. Was gibt Ihrer Meinung nach der Story diese enormen Spannungsmomente?



Koeberlin: Ich mag an der Geschichte das düstere, dunkle und "schmutzige". Es ist nie hoffnungslos, aber die Geschichte schnuppert daran und das gefällt mir. Ich hoffe, es geht anderen ebenso.


ZDF: Kommissar Marthaler hat natürlich auch ein Privatleben. Dabei vergisst Marthaler seine Freundin Tereza, gespielt von der wunderbaren Ellenie Salvo Gonzáles, am Flughafen. Könnte Ihnen so etwas im normalen Leben auch passieren?


Koeberlin: Ich bin ein sehr vergesslicher Mensch und treibe damit viele in meinem engen Umfeld in den Wahnsinn. Aber jemanden an einem Ort X zu vergessen, ist mir gottlob noch nicht passiert.

ZDF: Sie drehen drei bis vier Filme im Jahr. Wie schwer ist es für Sie als viel beschäftigter Schauspieler die Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu halten?



Koeberlin: Ich bin sehr dankbar und froh, dass ich regelmäßig beschäftigt bin. Es ist unvermeidlich, dass dieser Umstand auch auf mein Privatleben Auswirkungen hat. Es gehört einfach zu meinem Job und man muss es mögen. Trotzdem versuche ich alle beruflichen Überlegungen dem privaten unterzuordnen. Denn meine Priorität ist mein Privatleben. Das gelingt nicht immer, aber immer öfter.


ZDF: Die Handlung des Films spielt in Frankfurt am Main und dort fanden auch die Dreharbeiten statt. Ist Ihnen durch den Umstand, dass Sie gebürtiger Mainzer sind, die Stadt Frankfurt und die Mentalität der Menschen dort vertrauter oder näher gewesen? Was macht Frankfurt in ihren Augen für diesen Film so besonders?


Koeberlin: Da ich in Mainz geboren bin, kenne ich natürlich auch Frankfurt einigermaßen gut. Frankfurt hat einen sehr eigenen Charme, der sich beim ersten Hinschauen vielleicht nicht erschließt. Viele verbinden mit Frankfurt Banken und Geld, was sicher auch zutrifft, aber es gibt noch eine Menge mehr! Für mich ist Frankfurt ein wunderbarer Ort, um Marthaler zu entdecken.


ZDF: Sie haben während der Dreharbeiten den Autor Jan Seghers am Set getroffen. Wie haben Sie die Begegnung mit dem Erfinder von Kommissar Marthaler empfunden?


Koeberlin: Leider hatte ich nur einmal die Gelegenheit den Autor am Set zu treffen, erinnere mich aber an ein sehr angenehmes und positives Gespräch. Mir ist es sehr wichtig, dass der Autor mit meiner Interpretation der Figur Marthaler glücklich ist. Gerade wenn, wie in diesem Fall, sich die Figuren in Buch und Film in vielen Dingen auf den ersten Blick sehr unterscheiden! Ich hoffe sehr, es gefällt ihm!


ZDF: Wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit mit Regisseur Lancelot von Naso beschreiben? Welche Qualitäten zeichnete diese Zusammenarbeit aus?


Koeberlin: Die Zusammenarbeit mit Lancelot war sehr intensiv und eindrücklich. Da ich in 99% der Bilder zu sehen bin und an jedem Drehtag da war - meistens von der ersten bis zur letzten Klappe - war es für mich wichtig, mit einem Regisseur zu arbeiten, der neben der inszenatorischen Arbeit auch ein Augenmerk auf das Einteilen der Kraft auf solch einer langen, gemeinsamen Strecke legt. Das war trotz seiner Belastungen möglich und dafür bin ich sehr dankbar!


ZDF: Gab es während der Dreharbeiten außergewöhnliche Begebenheit?


Koeberlin: Ich erinnere mich an unendlich viele sehr kalte Tage und Nächte, die das Sprechen schwer machten, aber der guten Stimmung keinen Abbruch taten. Das lag an einem tollen Team und wunderbaren Kollegen!


ZDF: Sie wurden 2007 mit dem Deutschen Fernsehpreis als Bester Darsteller für "Tornado - Der Zorn des Himmels" ausgezeichnet. Haben Sie das Gefühl, dass sich die Wahrnehmung Ihrer Person in der Öffentlichkeit seither verändert hat?


Koeberlin: Ich kann nur sehr schwer beurteilen, inwiefern sich der Gewinn des Fernsehpreises auf mein weiteres Schaffen ausgewirkt hat. Innerhalb der Branche ist es sicher registriert worden. Die Überraschung darüber teilten sicher viele mit mir, da es ein Außenseiter-Gewinn war. Ich bin stolz auf den Preis, aber ich würde es nicht überbewerten. Nach dem Preis ist vor dem Preis, und der Fokus wird schärfer, und ich muss mich immer aufs Neue beweisen. Gut so!

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