"Eine Blackbox mit unangenehmem Inhalt"

Autor Thomas Brussig über die Treuhand im Film

Im Februar 2008 fragten mich Michael Lehmann und Heike Streich, ob ich mir eine Treuhand-Komödie vorstellen könne; die Idee stamme von Wolfgang Stumph. Ich sagte, dass ich mir das sehr gut vorstellen könne und dass es höchste Zeit wäre, dass endlich mal eine Treuhand-Komödie gemacht werde.

Rene Vonderecken und Werner Stankowski
Rene Vonderecken und Werner Stankowski Quelle: ZDF/Oliver Feist

Die Treuhand - das war für mich (wie für die meisten Deutschen) eine Art Blackbox mit einem unangenehmen Inhalt. Aber es half nichts. So einen Film kannst du nicht mit Vorurteilen und Bauchgefühlen machen. Also las ich mich in das Thema ein und sprach mit etlichen Leuten. Die Treuhand war tatsächlich eine unglaubliche Geldvernichtungsmaschine.

Das Versagen der Treuhand

In den viereinhalb Jahren ihres Bestehens verwandelte sie ein Anfangsvermögen von 564 Milliarden DM in einen Schuldenberg von über 250 Milliarden DM (damit verglichen steht der griechische Staatshaushalt wie eine Musterökonomie da). Allerdings gab es nicht den Königsweg der Geldverschwendung. Sondern es wurde hier was verschusselt, da was verschoben und dort was mit der heißen Nadel genäht.

Es ist schwer, das Versagen der Treuhand auf einen Nenner zu bringen. Allerdings fiel mir bald auf, dass sich die Treuhand - und das war Politik des Hauses - zunehmend aus Westdeutschen rekrutierte. Ostdeutsche wurden gar nicht reingelassen, und die, die von Anfang an dabei waren, ließ man gerne gehen.

Ein erfolgloser "Ossi" bei der Treuhand

Diese Tatsache ist umso pikanter, da ja die Treuhand dazu da war, das DDR-Volkseigentum zu privatisieren, sprich, zu verkaufen. Und sagte man schon der DDR-Bevölkerung nach, dass sie kein rechtes Verantwortungsgefühl für das anonyme "Volkseigentum" hatten, so hatten es die westdeutschen Treuhand- Manager wohl umso weniger. Doch in den ersten Jahren nach der Einheit wurde auf das, was später "ostdeutsche Befindlichkeiten" hieß, kaum Rücksicht genommen.

Treuhandchef Vonderecken und Werner Stankowski
Stankowskis Millionen - inline Quelle: ZDF/Oliver Feist


Also lag es auf der Hand, dass eine Treuhand-Komödie sich vielleicht daran entlanghangeln könnte, wie ein abgehalfterter Ossi seine einzige und letzte Chance auf einen beruflichen Wiedereinstieg darin sieht, den Wessi zu geben, nachdem ihm auf Grund eines Mißverständnisses ein Job bei der Treuhand angeboten wurde.

Großes Wirrwarr und ein zweiter Autor

Die Verstellung wäre dann nicht nur bei den "Fremden" in der Treuhand gefordert, sondern auch bei den eigenen Leuten, der Familie, den Nachbarn, die nicht erfahren sollen, daß Papa, beziehungsweise der allseits beliebte Herr Stankowski, für die böse Treuhand arbeitet.

Der auf dieser Basis angerichtete Wirrwarr war so groß, dass irgendwann ein zweiter Autor, Johannes Betz, hinzugeholt wurde, der aus meinem Drehbuch etwas machen sollte, was auf Anhieb verständlich ist. Ihm ist zu verdanken, daß es tatsächlich zu einem Drehbeginn kam, mit einem tollen, namhaften Ensemble, angeführt von Wolfgang Stumph.

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