Erinnerungen an die eigene Vergangenheit


ZDF: Frau Kling, Sie waren in den vergangenen Jahren in sehr unterschiedlichen Rollen zu sehen, beispielsweise in den Kinofilmen
"(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" und "Es ist ein Elch entsprungen". Was sprach nun für den Psychothriller "Allein gegen die Angst"?


Anja Kling: Zum einen das Kammerspielartige, das fand ich spannend und sehr reizvoll. In "Allein gegen die Angst" muss man sich nicht hinter der Ausstattung verstecken, wie es doch mitunter in manchen Filmen der Fall ist, sondern ist ganz auf sich und einige wenige Figuren konzentriert.

Zum anderen hat mich die Rolle der Marlene fasziniert. Sie ist eine Frau, die bislang in einer Traumwelt lebte und nun feststellen muss, dass diese Idylle trog. Sie wurde von ihrem Mann betrogen und muss nun mit dieser tiefen Enttäuschung fertig werden. Wegen Jochen muss sie alles, was ihr lieb ist, zurücklassen. Sie lebt in ständiger Todesangst vor irgendwelchen Mächten, die sie nicht einschätzen kann. Marlenes Stimmungen haben mich ganz persönlich auch an früher erinnert.
ZDF: An die Zeit, nachdem Sie mit Ihrer Familie aus der ehemaligen DDR geflohen waren?


Kling: Ja, genau dieses Gefühl. Wir hatten damals auch alles zurückgelassen, alles aufgegeben - unsere Freunde, unsere Familie, unsere Wohnung. Diese Trauer, vermischt mit der Ungewissheit und den Ängsten, was uns im Westen erwartet, ähnelt dem, was Marlene mit ihrer Familie durchmacht. Ganz deutlich fühlte ich mich an meine Vergangenheit erinnert, als Marlene in der Abgeschiedenheit am Meer Sehnsucht nach ihrem Vater hat. In den Szenen kam so manches in mir hoch.


ZDF: Hatten Sie sich im Vorfeld der Dreharbeiten mit dem Thema Zeugenschutz beschäftigt?Kling: Gar nicht. Ich hatte keine Ahnung von diesem Thema und war beim Lesen des Drehbuchs ziemlich erschüttert. Diese Geschichte, die, wie mir Regisseur Martin Eigler bestätigte, authentisch ist, hat mich sehr berührt. Ich hätte nicht gedacht, dass der Arm des "Organisierten Verbrechens" so weit reicht.

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