Es gibt den klassisch positiven Helden nicht

Interview mit Regisseur Matti Geschonneck

Matti Geschonneck und Drehbuchautorin Hannah Hollinger sind bereits seit über zehn Jahren ein eingespieltes Team für ausgeklügelte Kriminalgeschichten. In "Tod in Istanbul" spielen die Protagonisten Heino Ferch und Jürgen Vogel Seite an Seite gegen ihre Gegenspieler Ina Weisse und Peter Simonischek. Istanbul war dabei weit mehr als nur eine exotische Kulisse.

Regisseur Matti Geschonneck und Kameramann Martin Langer Quelle: ZDF


ZDF: Herr Geschonneck, was hat sie an der Story von "Tod in Istanbul" gereizt?




Matti Geschonneck: Entstanden ist "Tod in Istanbul" durch die Idee, mit Heino Ferch und Jürgen Vogel, mit denen ich jeweils bereits gearbeitet hatte, zusammen einen Film zu machen. Zwei starke Protagonisten aufeinander treffen zu lassen ... das ist nichts Neues, aber in dem Fall schon etwas Besonderes, weil die beiden, sehr unterschiedliche Helden, so noch nie gemeinsam agierten. Da fehlten nur noch die sinistren Gegenspieler. Und die fand ich in Ina Weisse und Peter Simonischek - ein wunderbares Ensemble.


ZDF: Mit der Autorin Hannah Hollinger haben Sie bereits mehrfach erfolgreiche Fernsehfilme realisiert. Was zeichnet ihre Zusammenarbeit aus?


Geschonneck: Da ich mit Hannah Hollinger seit mehr als zehn Jahren zusammen arbeite, haben wir keine Verständigungsschwierigkeiten. Wir konzentrieren uns ganz auf die Figuren, deren Höhen und Tiefen - Opfer ihrer eigenen Schwächen. Schon von Anfang an interessierte uns, ambivalente, beschädigte Charaktere auf ihrem schmalen Schicksalsgrat balancieren zu lassen.
ZDF: Im Verlauf der Handlung überstürzen sich die Ereignisse, Zusammenhänge werden immer kurioser. Mit welchen stilistischen Mitteln haben Sie in "Tod in Istanbul" gearbeitet?


Geschonneck: Es gibt in "Tod in Istanbul" den klassisch positiven Helden nicht. Der Zuschauer muss sich seine Identifikationsfigur suchen. Es gibt die augenscheinlichen Konflikte, aber das Eigentliche ist es, seelische Untiefen der Figuren sichtbar zu machen. Obwohl unsere Helden nur kurze Berührungspunkte haben, gehören sie zueinander. Aufgrund eben ihrer Defizite sind sie verwandt. Das Netz, in dem sie agieren und sich letztendlich verfangen, wird im Laufe der Handlung immer engmaschiger. Das ist dann letztendlich der Thriller.



ZDF: Die Anzahl der Motive, an denen in Deutschland und in Istanbul gedreht wurde, ist groß; im Film gibt es diverse Actionszenen. Was war bei der Drehvorbereitung besonders wichtig?


Geschonneck: Natürlich bereichert jedes Auslandsmotiv einen Film per se, allein aufgrund der optischen Exotik, aber es darf, meiner Meinung nach, nicht nur dekorative Gründe dafür geben. Istanbul, Nahtstelle zwischen Europa und Asien, war für unsere Geschichte, die ja vor dem Hintergrund internationaler Waffengeschäfte spielt, in jeder Beziehung prädestiniert. Die Actionszenen ergaben sich ebenfalls zwangsläufig aus dem Agieren der Figuren heraus, in ihrer Härte tatsächlich erst im Laufe des Drehprozesses.


ZDF: Sie haben bereits mehrfach im Ausland gedreht. Gab es beim Dreh in Istanbul außergewöhnliche, vielleicht auch unerwartete Herausforderungen, vor die Sie und Ihr Team gestellt wurden?


Geschonneck: Istanbul ist nicht nur eine faszinierende Stadt, die sich auf zwei Kontinenten befindet, sondern auch ein unüberschaubares, geheimnisvolles Labyrinth. Ohne die Hilfe der türkischen Kollegen wären wir überhaupt nicht in der Lage gewesen, dort zu drehen. Allein während der Motivsuche kamen wir in Gegenden, in die ein Tourist nicht gelangen würde.
ZDF: Gibt es etwas, das Sie während des Aufenthalts in der Metropole am Bosporus nachhaltig fasziniert hat?


Geschonneck: ... bestimmt die Nähe zu der Welt des Islam. Und Istanbul war einmal Konstantinopel, Zentrum des orthodoxen Christentums. Aber mit der europäischen Welt vermischt ist Istanbul eine sehr junge Stadt mit vielleicht 15 Millionen Einwohnern.

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