"Es kann echt hart sein, seine Eltern nicht zu kennen"

Interview mit Kostja Ullmann

Kostja Ullmann spielt einen jungen Mann auf dem Weg in die Selbstzerstörung: Als unerwünschtes Kind wurde Oliver gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben und versucht nun, durch harte Drogen seinen Schmerz zu betäuben. Zwar hat der Schauspieler mal gekifft und war Gelegenheitsraucher, doch Drogenabhängigkeit ist ihm fremd. Um die Rolle des heroinsüchtigen Olivers so authentisch wie möglich zu spielen, hat er Internet-Videos von Süchtigen studiert.

Oliver und Franziska
Oliver und Franziska Quelle: ZDF,Erika Hauri


ZDF: Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?



Kostja Ullmann: Sehr intensiv, ich führte lange Gespräche mit Regisseurin Vivian Naefe und habe mir zum Beispiel bei "youtube" Videos zum Thema "Heroinsucht" angeguckt. Da ich selber keine großen Drogenerfahrungen gesammelt habe, war das sehr praktisch. Heutzutage geht man einfach ins Internet und kann sich Videos von Leuten anschauen, die gerade einen Entzug machen. Oder andere, die zeigen, was die Droge aus einem macht. Die sind erschreckend detailliert, man kann Sachen davon übernehmen und in die Rolle einbauen. Es war auch eine Fachärztin am Set, die sich diese Szenen dann noch einmal angeguckt hat, um zu überprüfen, dass alles so realistisch wie möglich aussieht.


ZDF: Was war bei den Dreharbeiten die größte Herausforderung?


Ullmann: Einen Drogensüchtigen zu spielen, ist immer eine große Herausforderung, gerade, wenn man das noch nie zuvor gemacht hat. Heroin ist eine heftige und starke Droge, die den Körper sehr schnell verfallen lässt. Hier das richtige Maß zu finden, damit das auf der einen Seite nicht zu viel wird oder auf der anderen Seite zu wenig, war gar nicht so leicht. Es galt, die richtige Mischung hinzubekommen.


ZDF: Sind Sie in ihrem persönlichen Umfeld mit ähnlichen Problemen wie denen von Oliver schon konfrontiert gewesen?



Ullmann: So extrem nicht, mit Drogen gar nicht. Damit bin ich auch im Freundeskreis nicht in Berührung gekommen. Aber damit, dass man irgendwo anders aufwächst und nicht weiß, wer die Eltern sind. Gute Freunde von mir sind in Brasilien geboren, wurden, weil die Eltern zu arm waren, zur Adoption freigegeben und lebten seitdem in Deutschland. Sie sind in einer schönen Umgebung und bei liebevollen Eltern aufgewachsen. Aber in der Pubertät fängt man dann an darüber nachzudenken, wer die leiblichen Eltern sind und wie das Leben bei denen verlaufen wäre. Es kann echt hart sein, seine eigenen Eltern nicht zu kennen oder nicht bei ihnen aufzuwachsen.

Auf der anderen Seite, kann es auch eine Chance bedeuten. Bei meinen Freunden war das der Fall. Nicht so bei Oliver. Oliver hat eine Unzufriedenheit sich selber gegenüber. Er hat diesen Selbstzweifel, auch diesen Selbsthass, den er mit Drogen zu übertrumpfen versucht und damit total abstumpft. Das Einzige, was ihm Kraft und Liebe gibt, sind seine Freundin und deren Tochter. Das sind die wenigen Momente, in denen er lächelt und auch glücklich ist.


ZDF: Sie sagen, Sie haben keine große Drogenerfahrung gesammelt ...



Ullmann: Mit 17 oder 18 habe ich mal Marihuana probiert, als ich mit ein paar Freunden in Amsterdam war. Aber ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass das nicht Meins ist. Eine Zeit lang habe ich mich auch als Gelegenheitsraucher bezeichnet. Das waren meine Drogen, aber ich habe mich nie wirklich wohl gefühlt damit, lässiger oder toller, sondern immer schlechter danach. Deswegen habe ich schnell abgelassen davon, inzwischen habe ich andere Drogen (lacht).


ZDF: Welche denn?


Ullmann: Meine neue Droge ist Golf (lacht). Nein, Scherz beiseite, aber im Großen und Ganzen ist es Sport: Rausgehen, Laufengehen, ins Fitness-Studio gehen, sich irgendwie bewegen, irgendetwas machen, da fühle ich mich besser.

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