"Es war eine Herausforderung für mich"

Interview mit Jacob Matschenz

Jacob Matschenz spielt die Hauptrolle des jungen Soldaten Alexander Karow, der die Privilegien seines Professorenvaters ablehnt und an die Ideale des humanen Sozialismus glaubt. Erst durch verschiedene schmerzhafte und schöne Erfahrungen gelangt er zu einer neuen, gereiften Überzeugung. Der Schauspieler äußert sich zu seiner Rolle und der Vorbereitung darauf.

Alexander (Jacob Matschenz) Quelle: ZDF


ZDF: In das Drehbuch hat der Autor seine Erfahrungen aus seiner Zeit als ehemaliger Grenzsoldat eingearbeitet. Haben Sie das als Druck empfunden?


J
acob Matschenz: Nein, aber es war eine Herausforderung für mich, in eine Rolle zu schlüpfen, für die es zumindest im Ansatz eine "echte" Vorlage gab. Ein bisschen ist es ja Stefan Kolditz' Geschichte, die in dem Film erzählt wird. Ich habe die Rolle natürlich so gespielt, wie er sie angelegt hat. Für mich ist Alex ein junger pubertierender Mann, der an einen humanen Sozialismus glaubt und alles daransetzt, sich von seinem dominanten Vater abzugrenzen.

An die Grenze_218 titel Quelle: ZDF

Im Laufe seines Dienstes an der Grenze droht er an den Schikanen und Repressalien innerhalb der Truppe zu zerbrechen, bis er mit Christine eine Liebesbeziehung anfängt. Sie öffnet ihm die Augen, und er muss erkennen, dass es einen humanen Sozialismus in der DDR gar nicht gibt. Letztlich wächst Alex mit den Erfahrungen, die er während seines Wehrdienstes macht.



ZDF: Warum geht Alex dann nicht mit Christine in den Westen?


Matschenz: Als sie ihm in der Nacht ihrer Flucht sagt, dass es keinen Sinn hat, mit ihr zu kommen, spürt er, dass sie Recht hat. Für Alex ist Christine zwar die erste Liebe, und er sieht Vieles durch die rosarote Brille, aber er spürt auch, dass beide zusammen keine Chance im Westen hätten. Und es hält ihn noch etwas Anderes zurück: Alex ist sehr heimatverbunden, und er würde seinen Vater auch nicht enttäuschen wollen.


ZDF: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?


Matschenz: Obwohl ich ein so genanntes "ostdeutsches Wendekind" bin, kann ich mich an den Mauerfall nicht mehr erinnern - da war ich einfach zu jung. Als ich klein war, haben wir häufig an der Ostsee Urlaub gemacht, und ich wusste, dass Erich Honecker unser Chef war. Von meiner Mutter erfuhr ich später, dass eine ihrer Freundinnen in den Westen geflohen war. Viel ist von den Jahren in der DDR bei mir also nicht hängen geblieben.

Ich habe mir, als man mir die Rolle anbot, Dokumentationen angesehen, viel über die Zeit gelesen und auf Wunsch der Colonia Media ein militärisches Coaching in Potsdam absolviert, damit ich wusste, wie man sich als Soldat überhaupt bewegen und verhalten muss. Das war sehr interessant. Und ich habe mit meinen Eltern über die Zeit gesprochen.


ZDF: Während der Dreharbeiten haben Sie sich sicherlich mit dem Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze befasst. Konnten Sie sich in die Soldaten hineinversetzen?
Matschenz: Als ich am Set eine Kalaschnikow in der Hand hielt, wurde mir bewusst, welche Macht eine Waffe einem gibt. Als überzeugter Pazifist habe ich einen tierischen Respekt vor Schusswaffen. Ich weiß aber nicht, wie ich im Notfall handeln würde. Alex sagt im Einstellungsgespräch, dass er schießen würde, wenn es drauf ankäme, aber das sagt er mehr aus Trotz, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt.

Ich persönlich behaupte zum Beispiel, dass ich grundsätzlich nie jemanden schlagen würde. Aber wie man tatsächlich reagiert, wenn man sich bedroht fühlt, hängt wohl von der Situation ab. Und so denke ich mir, muss es für die ostdeutschen Grenzsoldaten gewesen sein: Sie haben wahrscheinlich immer erst im jeweiligen Moment entschieden, ob sie schießen sollen oder nicht.

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