Fähig, auf einen Menschen zu schießen?

Max Riemelt im Interview

Max Riemelt spielt den Soldaten Kerner, der keine Möglichkeit auslässt, seine Widersacher mit fiesen Machtspielchen zu tyrannisieren. Wie er mit einer unsympathischen Rolle umgeht und welche Einstellung er persönlich gegenüber Militär und Kriegsdienst hat, verrät der Schauspieler im Folgenden.

Max Riemelt spielt in "An die Grenze" Soldat Kerner, der keine Möglichkeit auslässt, seine Widersacher mit fiesen Machtspielchen zu tyrannisieren. Quelle: ZDF


ZDF: Herr Riemelt, Sie spielen in "An die Grenze" den Soldaten Kerner, der die ganze Truppe drangsaliert. War es Ihnen unangenehm, diesen unsympathischen Part zu übernehmen?


Max Riemelt: Es ist nicht das erste Mal, dass ich einen unsympathischen Part spiele. Es reizt mich als Schauspieler, auch konträre und polarisierende Figuren zu verkörpern, die beim Publikum Fragen aufwerfen.Kerner, den ich in "An die Grenze" verkörpere, ist ein selbstbewusster, extrem patriotischer Typ, der im DDR-System aufgeht und seine Vorteile aus seiner Position innerhalb der Truppe zieht. Er ist ein Fiesling, der es auf Alexander abgesehen hat und nicht nur ihn, sondern die ganze Truppe drangsaliert.

Die Figur des Kerner habe ich so gespielt, wie sie gedacht war. Sie hat aber auch Diskussionen mit den Kollegen am Set ausgelöst, weil Kerner aufgrund seines Charakters derjenige ist, dem man wohl am ehesten zutraut, im Ernstfall von der Kalaschnikow Gebrauch zu machen. Wir alle haben uns überlegt, ob wir fähig wären, auf einen fremden Menschen zu schießen, weil wir eine Grenze verteidigen müssen, und wir haben versucht uns vorzustellen, wie sich die Grenzsoldaten damals gefühlt haben.

An die Grenze_155 riemelt Quelle: ZDF


Ich persönlich habe den Wehrdienst verweigert, da ich in einem solch autoritären System wie dem Militär, in dem man unter Umständen auch Gebrauch von der Waffe machen muss, nicht klarkomme.



ZDF: Sie sind in Ostberlin geboren, waren aber damals noch sehr jung, als Deutschland geteilt war. Haben Sie noch Erinnerungen an diese Zeit und haben Sie im Vorfeld dieses Films mit Verwandten gesprochen?


Riemelt: Da meine Mutter als Studentin in der Finnländischen Straße gewohnt hat, weiß ich aus ihren Erzählungen, dass der Schrecken immer groß war, wenn man Schusswechsel hörte, weil wieder jemand versuchte, zu flüchten. Im Vorfeld dieses Films habe ich mit meinen Eltern viel über die Zeit gesprochen. Ich habe mich mit einem Onkel unterhalten, der Fallschirmjäger bei der NVA war. Er hat mir einiges darüber erzählt, wie es dort zuging, was für ein Drill herrschte und wie man innerhalb der Truppe miteinander umging.


ZDF: Nach Dominik Grafs "Der rote Kakadu" spielen Sie nun wieder in einem Film, in dem es um innerdeutsche Geschichte geht. Ist das ein Thema, das Sie auch persönlich berührt?
Riemelt: Bei der Vorbereitung auf solch historische Rollen empfinde ich es nicht nur als spannend, die teils fiktiven, teils wahren Geschichten aufzuarbeiten und so selbst besser nachvollziehen zu können, es ist mir auch wichtig, diese Themen an die Folgegeneration heranzutragen. Film kann mehr sein als nur Fiktion, er kann Interesse und Verständnis für geschichtliche Ereignisse wecken und so mitunter anschaulicher - weil emotionaler - Geschichtsunterricht sein.

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