Gelacht wird später

Eine persönliche Randnotiz von Regisseur Marcus Ulbricht

Ist eine Komödie, die man in Brandenburg dreht, eine Mordsgaudi für ihre Macher? Liegen wir alle jeden Drehtag bei der Arbeit bierselig auf dem märkischen Sand, mit Tränen in den Augen vor lauter Lachattacken? Vergnügen wir uns von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, freuen uns wie Bolle und kriegen dafür auch noch jede Menge bunte Euro? Und das Ganze am besten einen blauen Sommer lang? Wenn Sie das denken sollten, denken sie falsch.

Vielleicht geht es manchem Kollegen anders, aber einen lustigen Film zu drehen bedeutet, mitunter ganz und gar unlustig zu sein. Ja, das klingt paradox, aber machen Sie sich deshalb bitte keinen Kopf. Sogar die Menschen, die einem am nächsten stehen, begreifen das nicht. Bisweilen wird man über die Arbeit unausstehlich. Und dann wird's noch unlustiger. Statt Trost von Frau und Freund gibt's dann Moralpredigt und Streit. Oh Gott, denken Sie. So schlimm? Ja! So schlimm und manchmal sogar schlimmer. Plötzlich steht man mitten im Drama - und lenkt seine Gedanken dann lieber schnell wieder auf die Komödie, die man doch gerade dreht. Mit welchem Ergebnis? Heiterkeit im Herzen?

Konsequent vor und hinter der Kamera

Natürlich nicht: stattdessen schläft man schlecht. Am nächsten Tag scheint dann vielleicht die Sonne, aber lustiger wird es nicht unbedingt. In der Regel regnet es ja auch in diesem Land. Wenn sie den Anfang des Films sehen, werden Sie noch besser verstehen, was ich meine. Und? Was erwartet mich denn jetzt, werden Sie sich fragen. Jede Menge Sonne. Ich verspreche es Ihnen.

Wunderbare Hauptdarsteller wie Michaela May, Jasmin Schwiers und Max von Thun. Sowie viele weitere Damen und Herren, die sich ganz in den Dienst der Komödie gestellt haben - wie im übrigen auch ein hervorragender Stab von fast fünfzig Filmschaffenden, die natürlich mehr geschwitzt als gelacht haben, damit dieser Film zu dem werden konnte, was er ist. Allen voran steht allerdings Ulrich Noethen, der die Gabe besitzt, seine Rolle über den Zeitraum der Dreharbeiten sowohl vor als auch hinter der Kamera konsequent zu verkörpern.

Einhundert verschiedene Ansichten

Daher warne ich: lassen Sie Herrn Noethen keine Nervensäge spielen, wenn sie keine starken Nerven haben. Denn was er macht, macht er richtig. Sein Motto: keine Kompromisse. Ulrich Noethen will nämlich immer das Beste - ein knallbuntes Geschenk für mich, das jeden Tag aufs Neue mit riesiger Freude ausgepackt und bestaunt wurde. Und wie funktioniert nun Komödie? Darüber gibt es wohl mindestens einhundert verschiedene Ansichten. Und alle sind irgendwie richtig und irgendwie falsch.

Präzises Timing

Komödie kann man nicht proben, Komödie entsteht. Falsch! Man kann proben und man kann improvisieren. Beides haben wir getan. Und beides hat funktioniert. Hoffe ich. Und doch, der beste Gag wird irgendwann zur Farce, spätestens nach dem 23ten Mal. Aber Gags oder Witze leben ja auch von dem ersten Mal. Manche Gags leben länger. Darüber gibt es schöne Theorien. Aber Theorie ist Theorie, Praxis ist Praxis. Komödie lässt keine halben Sachen zu. Man kann auch nicht von seiner Humorlosigkeit ablenken, falls einem gerade nichts Lustiges einfällt. Dann schwitzt man doppelt. Eine Regel aber gilt dann doch immer: Komödie verlangt präzises Timing. Wenn es um das richtige Timing geht, dann gibt's immer nur ein Richtig aber leider unzählige Falsch. So ist das. Punkt. Und jetzt schauen Sie sich einfach den Film an, und entscheiden selbst, was gefällt und was nicht.

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