"Genau so erzählen, um die Menschen wachzurütteln"

Interview mit Hauptdarstellerin Petra Schmidt-Schaller

Petra Schmidt-Schaller spielt die Rolle der Maria, der Mutter des zwölfjährigen getöteten Mädchens. Das Leben in dem kleinen Dorf ist für sie zu einer Qual geworden und dennoch kann sie nicht daraus ausbrechen. Mut und Kraft schöpft Maria aus ihrem Glauben und ihrer engen Beziehung zu Pfarrer Reinberg.

Maria (Petra Schmidt-Schaller) und Mario Gerblich
Maria (Petra Schmidt-Schaller) und Mario Gerblich Quelle: ZDF


ZDF: Sie spielen die Mutter eines ermordeten Mädchens. Wie ist das für eine Frau?


Petra Schmidt-Schaller: Maria ist gefangen in einem unglaublichen Angstkonstrukt basierend auf einem gut gehüteten Familiengeheimnis. Sie sehnt sich einerseits nach Freiheit, würde das Dorf gerne verlassen und hat andererseits eine unglaubliche Angst davor, es tatsächlich zu tun. Sie ist gebunden durch das Kind, durch das, was passiert ist, und durch ihren dominanten Vater, der sie seit ihrer Kindheit festgehalten hat. Er ist der Anker, an dem sie hängt und der sie gleichzeitig nach unten zieht.


ZDF: Wie haben Sie diese ungeheuer komplexe Figur erarbeitet? Schmidt-Schaller: Zum einen mit meinem Coach. Zum anderen habe ich intensiv recherchiert zum Themenkomplex Kindesmissbrauch. Mir war vor allem wichtig, Marias größte Urangst zu spüren und ihren größten Wunsch zu kennen. Das ermöglichte es mir, so starke Momente zu spielen.



ZDF: Der Film behandelt ein hochaktuelles und brisantes Thema. Hatten sie keine Bedenken, sich so intensiv und öffentlich darauf einzulassen?


Schmidt-Schaller: Nein, ich fand gerade das so gut. Unser Film entstand ja in der Hochphase der Enthüllung von Missbrauchsfällen durch Priester der katholischen Kirche. Das gab mir das Gefühl, auch etwas zu diesem Thema sagen zu wollen. Ich dachte: Man muss das genau so erzählen, um die Menschen wachzurütteln.

Es sind fürchterliche Dinge passiert, die fast noch fürchterlicher werden dadurch, dass sie in einer Institution geschahen, die ja eigentlich etwas Gutes möchte und die nun von Kinderschändern missbraucht wird - im wahrsten Sinne des Wortes. Weiterhin handelt der Film aber auch von der schnellen Verurteilung von Menschen. Letztlich weißt er darauf hin, dass wir GENAU hingucken müssen, bevor wir uns ein Urteil erlauben. Handeln sollten wir aber in jedem Fall.


ZDF: Wie ist ihr Verhältnis zur katholischen Kirche?



Schmidt-Schaller: Da ich im ehemaligen Ostteil groß geworden bin, habe ich wenig Kontakt mit der Kirche gehabt, vor allem mit der katholischen Seite.



ZDF: Würden Sie sagen, dass Maria sich erotisch zum Pfarrer hingezogen fühlt?



Schmidt-Schaller: Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, ob Maria sich nicht auch ein Stück weit in diesen Pfarrer verliebt hat. Maria hat jedoch einen so tiefen Glauben, und ihr Mann Mario ist die große Säule ihres Lebens. Die würde wegbrechen, wenn sie eine erotische Beziehung zum Pfarrer haben wollte, das kann sie nicht aufs Spiel setzen - schon unterbewusst vorab nicht. Ich denke, sie sieht in dem Pfarrer eher eine Wunsch-Vaterfigur.


ZDF: Maria lebt in einem Dorf, das wohl viele seiner Bewohner als behaglich beschreiben würden. Wie geht es Ihnen in solchen Orten?


Schmidt-Schaller: Als Berlinerin empfinde ich das als sehr schwierig. Was ich schön finde: wenn diese kleinen Dörfer eingebettet sind in wunderbare Natur. Das macht sie natürlich sehr anziehend und das ist es auch, glaube ich, was die Menschen dort hält. Aber für mich als Großstädterin wäre es schwer, den Schritt zum Leben auf dem Land zu gehen.
ZDF: Wie war die Zusammenarbeit mit Christian Berkel?


Schmidt-Schaller: Herrlich. Total schön, ich hätte gerne viel mehr Szenen mit ihm gehabt und freue mich, wenn wir uns irgendwann wieder begegnen.

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